Vor knapp drei Monaten scheiterte der FC Aarau in der Barrage gegen den Grasshopperclub Zürich und musste die Aufstiegsträume ein weiteres Mal begraben. Nun steht der Club nach einem Ausverkauf der Mannschaft zwar auf finanziell stabilen Beinen, in der Tabelle aber an letzter ...
Vor knapp drei Monaten scheiterte der FC Aarau in der Barrage gegen den Grasshopperclub Zürich und musste die Aufstiegsträume ein weiteres Mal begraben. Nun steht der Club nach einem Ausverkauf der Mannschaft zwar auf finanziell stabilen Beinen, in der Tabelle aber an letzter Stelle.
Leon Frokai, Valon Fazliu, Nassim Zukit, Elias Filet. Der Kern der Offensivabteilung hat den FC Aarau seit der Barrage verlassen, auch den talentierten Torhüter Marvin Hübel zog es in die Super League. Verpflichtet wurden viele Perspektivspieler sowie mit Roko Baturina ein Stürmer, der in den letzten sieben Jahren für neun unterschiedliche Vereine gespielt hat. Genau so trat der «neue» FC Aarau am vergangenen Wochenende auf: Mit einem System, das auf die bisher intakt gebliebene Defensive aufbaut, jedoch ohne einen sichtbaren Plan, wie man Siegestore schiessen will. Bereits nach der ersten Runde und der 0:3-Niederlage beim ambitionslosen FC Etoile Carouge wird Kritik an Trainer Brundello Iacopetta laut, positionsgetreue Auswechslungen würden in einem ideenlosen Spiel mutlos wirken, so die Stimmen. So einfach ist die Lösung natürlich nicht. Der Kader ist noch nicht fertig zusammengestellt und der Trainer muss zahlreiche Individuen zu einem Team formen. Dazu kommen verletzte und angeschlagene Spieler wie Jasper Van der Werff, Tomislav Arkovic und Shkelqim Vladi. Das braucht Zeit und Geduld.
Der FC Aarau erfindet sich aber nicht nur auf dem Spielfeld neu, auch abseits des grünen Rasens tut sich einiges. Seit Ende April und dem Rücktritt des Reitnauers Markus Mahler fehlt der FC Aarau AG ein Präsident. CEO Sandro Burki wurde als geschäftsleitender Präsident vorgeschlagen, doch dauerte es unerklärlicherweise mehrere Monate, bis die Online-Abstimmung unter den Aktionären eingeleitet wurde. Burkis Wahl scheint reine Formsache, der 40-Jährige gilt als Identifikationsfigur und geniesst als ehemaliger Spieler eine breite Akzeptanz. Gleichzeitig wird die Vermarktungsstrategie intensiviert, die nun auch auf der Webseite deutlich auffällt. Die gebildeten Reserven und die jüngst getätigten Spielerverkäufe lassen den FCA auf gesunden finanziellen Beinen stehen – wohin das Unternehmen FC Aarau AG jedoch sportlich langfristig steuert, ist unklar, weil sich der Club dazu nicht äussert.
Folgende Schlussfolgerung ist deshalb reine Spekulation: Der Aufstieg in die Super League dürfte dieses Jahr nicht primäres Ziel sein. Als erster Tabellenletzter der Saison muss der FC Aarau auf dem Spielfeld jedoch schon in der 2. Runde eine Reaktion zeigen, sonst droht der Maketing-Motor wegen sinkendem Zuschauerinteresse ebenfalls ins Stocken zu geraten. Am kommenden Samstag, am Tag der Bundesfeier, ist um 18 Uhr der FC Stade Lausanne Ouchy zu Gast im Brügglifeld, der mit dem Schub eines 2:0-Startsiegs gegen Nyon anreist.
Remo Conoci