Ein Holzstapel statt Asthaufen ist nachhaltiger
22.10.2026 KöllikenWer von Safenwil her Richtung Kölliken fährt, dem fällt ein blockhausähnliches Objekt ins Auge. Auf einer fachgerecht aufgeschichteten Trockenmauer steht ein schön geordneter Holzstapel. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Gartengestalters Ruedi Lüthi ...
Wer von Safenwil her Richtung Kölliken fährt, dem fällt ein blockhausähnliches Objekt ins Auge. Auf einer fachgerecht aufgeschichteten Trockenmauer steht ein schön geordneter Holzstapel. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Gartengestalters Ruedi Lüthi und wird das neue Zuhause für Vögel, Amphibien, Insekten und Kleinsäuger.
Sie war umstritten, die Sondermülldeponie Kölliken. Trotz massiven Widerstandes aus der Bevölkerung wurde sie 1978 eingerichtet. Während ihrer Betriebszeit wurden 300’000 Kubikmeter bzw. 475’000 Tonnen Sonderabfälle in Fässern, Säcken sowie lose abgelagert. Vor ihrer vollständigen Füllung musste sie 1985 bereits wieder geschlossen werden, wegen Unverträglichkeit mit den Anwohnern und der Umwelt. Geruchsemissionen und Verunreinigung des Grundwassers zwangen die Betreiber zur Schliessung. Ursprünglich sollte alles einfach überdeckt und bepflanzt werden. Ab 1986 wurden für 150 Mio. Franken umfangreiche Erkundungsund Sicherungsarbeiten durchgeführt, was dazu führte, dass 2004 die Gesamtsanierung in Angriff genommen werden musste.
Frieda Steffen
Um weitere Umweltschäden zu vermeiden – man wusste nicht so recht, was da bei den Grabungen zum Vorschein kommen wird – wurden in den Jahren 2006/2007 drei im Unterdruck stehende Hallen gebaut. Die Abluft wurde permanent abgesaugt und gereinigt. Die Mitarbeiter mussten Schutzkleidung und Schutzmasken tragen. Insgesamt wurden 664’100 Tonnen Material, Abfälle, Fels und Oberflächenabdeckung zurückgebaut, beprobt und entsprechend des Vergiftungsgrades entsorgt. Ende April 2016 war der Rückbau der Deponie abgeschlossen. Die leere Grube wurde mit Ausbruchsmaterial aus der nahen SBB-Baustelle des Eppenbergtunnels teilverfüllt. Wie die imposanten und weithin sichtbaren Hallen weiterverwendet werden sollen, führte zu vielen Diskussionen in der Gemeinde. Unter anderem wollte man ein Konzert mit DJ Bobo veranstalten oder gar eine Skihalle bauen. Schliesslich wurden die Hallen im Jahr 2018 abgebrochen. Das Gelände wird mit sauberem Aushub restverfüllt und bis Ende 2029 vollständig rekultiviert. Die Grundwassersanierung muss indessen weiter betrieben werden, bis die von der Aufsichtsbehörde vorgegebenen Grenzwerte erreicht sind. Kosten dieser ganzen Rückbaugeschichte: Über 850 Mio. Franken. Die Abluft- und Abwasserbehandlungsanlage (SWALBA) sowie des Grundwasser-Monitoring bleiben so lange in Betrieb, bis nachgewiesen ist, dass keine umweltrelevanten Schadstoffmengen aus dem Felsuntergrund mehr ins nutzbare Gewässer gelangen können.
Amphibien und Kleinlebewesen kehren zurück
Was mit dem Gelände geschehen soll, war während einiger Zeit Hauptgespräch in Kölliken. Dieses wird 2030 zu je 50 Prozent an Pro Natura und die Gemeinde Kölliken übergeben. Schliesslich wurde vereinbart, dass das Gelände durch Landwirte nachhaltig und biologisch/naturnah bewirtschaftet werden soll. Inzwischen überdecken Wiesen das Gelände, Schafe weiden darauf, Hecken wurden angepflanzt. Aus der SMDK wird eine Idylle, die das Gewesene vergessen lässt. Zu dieser Idylle trägt der Kölliker Gartengestalter Ruedi Lüthi wesentlich bei. Er hat, zusammen mit seiner Partnerin Steffi, nicht nur Hecken und Bäume gepflanzt – der kleine Obstgarten, welcher dem Aushub weichen musste, soll ersetzt werden –, sondern widmet sich zurzeit einer neuen Heimat für Amphibien, Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Sein neustes Werk ist die Trockenmauer und der originelle Holzstapel eingangs Kölliken, und das ist nur der Anfang. Die Strasse hinauf zur Aegerten wird amphibiensicher gestaltet. Zurzeit verlaufen die alten Bahnschienen dem Geländerand entlang. Sobald diese entfernt sind – das soll schon im nächsten Jahr geschehen – entsteht vor der Trockenmauer ein flaches Laichgewässer. Damit wird dem Wunsch entsprochen, dass die Amphibien, die damals im Ziegeleiweiher ihre Bleibe hatten – dieser musste ebenfalls der SMDK weichen – nach Kölliken zurückkehren. Damals wurde zwar ein Ersatzlaichgewässer erstellt, aber nicht nachhaltig gepflegt, die Amphibien wanderten ab. Die Strassen bilden Barrieren, sodass keine Wanderungen stattfinden konnten. Eigentlich sollten alle Strasse mit Amphibiensicherungen gebaut werden, meint Ruedi Lüthi, denn gemäss Amphibien-Inventar sieht es in dieser Sache eher traurig aus.
Ruedi Lüthi ist zuversichtlich, dass es mit diesen insgesamt sechs geplanten neuen Laichgewässern von je 100 Quadratmetern gelingen wird, denn er hat eine spezielle Technik zur Gestaltung von Biotopen entwickelt. Damals durfte er auch die Umgebung des Besucherpavillons der SMDK gestalten und darf sich bis heute an der einzigartigen Blumenwiese erfreuen, wo sogar die in unserer Region seltenen «Mondäneli» blühen.




