In Schöftland richtet die SVP die 1. August-Feierlichkeit aus, und es ist ihr gelungen, die SVP-Regierungsrätin Martina Bircher für die Rede zu engagieren. Mit sichtbarem Babybauch, Söhnchen und Partner ist sie zur Feier erschienen und zierte sich danach auch nicht, ...
In Schöftland richtet die SVP die 1. August-Feierlichkeit aus, und es ist ihr gelungen, die SVP-Regierungsrätin Martina Bircher für die Rede zu engagieren. Mit sichtbarem Babybauch, Söhnchen und Partner ist sie zur Feier erschienen und zierte sich danach auch nicht, mit vielen Bekannten, Fans und Freunden zu plaudern.
Schöftland machte aus der 1. Augustfeier ein kleines Volksfest, das bereits um 14 Uhr begann und bis spätabends dauerte. Auf das Entzünden eines Höhenfeuers musste allerdings verzichtet werden. Die Ländlerkapelle Aegerten unterhielt die zahlreich erschienenen Gäste mit lüpfiger Musik. Sie wurde dann durch die Kirchenglocken abgelöst, ein Zeichen für Gemeindeammann Thomas Buchschacher, das Mikrofon zur Begrüssung zu ergreifen und Regierungsrätin Martina Bircher willkommen zu heissen. Buchschacher erinnerte an die aktuell turbulenten Zeiten. Somit ist der 1. August ein willkommener Anlass, um zurück zu blicken und dankbar zu sein für das, was wir in der Schweiz haben. Uns prägt eine grosse Verbundenheit. Diese sowie Demokratie und Mitverantwortung sind Werke, die es zu erhalten gilt, denn sie bedeuten hohe Lebensqualität.
Vertrauen ist kritisch geworden
Martina Bircher wand vorab der Gemeinde Schöftland ein Kränzchen, denn Schöftland habe bewahrt, was trägt – und Neues gewagt, wo es nötig war. Damit leitete sie über zu einem aktuellen Thema: Vertrauen in unsere Demokratie. Demokratie funktioniere nur, wenn die Menschen mitmachen, unter anderen auch an die Urne gehen. Mitmachen brauche Vertrauen, und dieses sei der Kitt unserer Demokratie. «Bei Abstimmungen gewinnt die eine Hälfte, die andere verliert. Trotzdem akzeptieren wir das Ergebnis.» Das sei gelebtes Vertrauen, aber dieses sei kritisch geworden. Vertrauen, so Bircher, entstehe dort, wo der Staat nachvollziebar sei und gerecht handelt. Zum Beispiel «Unterschriftenfälschungen bei Volksinitiativen» zitierte sie Bundeskanzler Rossi, der sagte: «Das Problem ist nicht die Niederschwelligkeit unserer Demokratie, sondern der Missbrauch der Niederschwelligkeit». Das direkte Volksrecht sei eine Stärke, und diese dürfe nicht beschädigt werden.
Als Bildungsdirektorin schnitt sie natürlich auch die Diskussionen über das Frühfranzösisch an und erwähnte die Schlagzeile: «Martina Bircher gegen Elisabeth Baume-Schneider?» Bekanntlich wird der Kanton Aargau – entgegen vieler Kantone – das Französisch auf die 6./7. Klasse verschieben, denn ihrer Meinung nach sind viele Kinder bereits mit dem Deutsch überfordert. Solche Diskussionen über die Kantonsgrenze hinaus seien gut, denn Demokratie heisse diskutieren, abwägen, tragen und etwas wagen, auch wenn man verliert.
Ihr Appell: «Reden Sie mit Ihren Kindern über Politik. Gehen Sie abstimmen, engagieren Sie sich in ihrer
Gemeinde, im Verein in der Kommission und an der Gemeindeversammlung. Am 1. August feiern wir keine Jahreszahl, sondern die Entscheidung, einander zu vertrauen – damals auf der Rütliwiese, heute hier in dieser Gemeinde.»
Frieda Steffen