Eine Ära geht zu Ende
29.10.2026 Blickpunkt, MenzikenAm Samstag, 31. Oktober 2026 schliesst der Akutbetrieb des Spital Menziken seine Türen. Das Wynentaler Blatt hat einige Erinnerungen gesammelt.
1902 eröffnete das Spital in Menziken zum ersten Mal seine Türen. Wie der Spitalchronik, welche vom Spitalverein ...
Am Samstag, 31. Oktober 2026 schliesst der Akutbetrieb des Spital Menziken seine Türen. Das Wynentaler Blatt hat einige Erinnerungen gesammelt.
1902 eröffnete das Spital in Menziken zum ersten Mal seine Türen. Wie der Spitalchronik, welche vom Spitalverein 2017 veröffentlicht wurde, zu entnehmen ist, war der erste Patient Reinbert Hediger. Der 33-jährige Reinacher trat am 3. September 1902 ein, da er unter einem Mangel an Vitamin B12 litt. Seither folgten unzählige Patientinnen und Patienten, welche die Dienstleistungen der Ärzte und Pflegefachkräfte in Anspruch nahmen. 1911 folgte die Einrichtung eines Geburtenzimmers, das sogleich genutzt wurde: Neun Geburten konnten gleich im ersten Jahr gezählt werden. Am 15. Oktober 1921 wurde der Absonderungs- und Tuberkulose-Pavillon eröffnet. Zehn Jahre später wurde das Krankenasyl renoviert und eröffnet. Das Spital umfasste nun 91 Krankenbetten in 33 Zimmern. Der Erweiterungsbau Ost mit 40 zusätzlichen Betten wurde 1959 eingeweiht. Der Bestand an Pflege- und Dienstpersonal stieg auf 62 Personen.
Melanie Köchli
1960 wurde das Krankenasyl zum Krankenhaus umbenannt und fünf Jahre später erfolgte die Namensänderung in «Spital Menziken». Die Krankenheimabteilung im Obergeschoss wurde im Jahr 1976 neueröffnet. 1990 wird mit der Grundsteinlegung der Anfang für das neue Krankenheim gemacht, welches zwei Jahre später eingeweiht wurde. Gleichzeitig begannen die Bauarbeiten im Altbau und den Annexbauten. 1994 wird das Akutspital wieder eingeweiht und der Operations-Annexbau fertiggestellt. Sieben Jahre später fusioniert das Spital Menziken mit dem Standort Leuggern in der Asana Spital AG und 2019 wird die Asana Spital Menziken AG mit Sitz in Menziken gegründet.
Und in diesem Jahr, konkret im Juni 2026, wurde die Neuausrichtung des Spitals Menziken bekanntgegeben. Am 31. Oktober wird die akutstationäre Versorgung und der Operationsbetrieb eingestellt. Das Luzerner Kantonsspital (LUKS Gruppe) übernimmt einzelne Teilleistungen und sorgt dafür, dass das Spital nicht ganz aus der Gesundheitsversorgung im Wynental verschwindet.
Die Erinnerungen bleiben
Für viele Personen aus der Region war das Spital Menziken ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Grossrat Adrian Meier (SVP) beispielsweise machte dort seinen ersten Atemzug: «1990 wurde ich im Spital Menziken geboren. Mein Bruder folgte zwei Jahre später. Wir wuchsen die kommenden Jahre im Oberwynental auf und für mich ist und bleibt das Spital Menziken eine Institution. Auch wenn ich glücklicherweise aufgrund meiner guten Gesundheit das Spital sehr selten besucht habe, bin ich mit dem Spital verbunden. Heute wohne ich rund 200 Meter oberhalb des Spitals und ich fahre auf dem Weg in mein Büro oder für den Einkauf täglich daran vorbei. Meine heute sechsjährige Tochter musste vor rund zwei Jahren aufgrund einer Platzwunde am Kopf notfallmässig ins Spital. Den sehr kurzen Weg und die kinderfreundliche Behandlung habe ich natürlich geschätzt.»
Auch Marc Siegenthaler, Präsident des Spitalvereins, erinnert sich: «Meine Familie und ich haben sehr viele Erinnerungen an das Spital Menziken. So wurden mein Grossvater und Vater in diesem geboren, wie auch ich und meine Brüder. Mein Vater starb in diesem Spital und andere Familienangehörige auch. Während Lebzeiten waren wir im Spital immer gut aufgehoben und wurden vorbildlich betreut.»
Marion Löliger arbeitete mehrere Jahre im Spital: «Es ist eine lange Geschichte. Die, des Beginns meines beruflichen Lebens in der Pflege. Ich habe als junge Frau auf der «Intensivstation» als Schwesternhilfe angefangen. Eine der Pflegekräfte, die ich dort traf, hat mich dafür begeistert. Drei Monate vor dem Beginn von Covid kam ich dann nach vielen Jahrzehnten als Expertin Notfallpflege zurück. Es waren fast dieselben Räumlichkeiten. Man kann sich vorstellen, dass uns alle dort die Zeit, die folgte prägte und zu einer zweiten Familie zusammenschweisste. In diesen Jahren durfte ich etliche junge, aber auch ältere Menschen während ihrer Ausbildung begleiten. Das waren wunderbare Augenblicke. Ich zog dann weiter, bevor kam, was nun ist, die Schliessung einer 125-jährigen Geschichte. Ich bin gleichzeitig froh und unendlich traurig, nicht bei meinen ehemaligen Kollegen und Kolleginnen zu sein, wenn sich die Türen des Spitals schliessen, das meine Laufbahn in der Pflege so prägte.» Eine konkrete Erinnerung an das Spital habe sie nicht. «Dafür gibt es einfach zu viele. Aber es waren definitiv die Menschen, die im Spital Menziken dasselbe gesehen haben wie ich, die diese besonderen Erinnerungen mit mir schufen, die ich hüte wie einen Schatz. Es war lange fast wie ein Zuhause.»
Auch für mich, die Autorin dieses Artikels, ist das Spital Menziken Teil der Familiengeschichte. Während ich das Licht der Welt in Aarau erblickte, kam mein kleiner Bruder vier Jahre später in Menziken zur Welt. Obwohl er rund drei Wochen zu früh unterwegs war, erzählte mir meine Mutter immer, wie gut man sich um sie und meinen Bruder gekümmert hatte. Ich selbst habe als vierjähriges Mädchen keine grossen Erinnerungen daran und doch bleibt das Spital ein Teil des Fotoalbums meiner Familie und der Ort, an dem ich eine grosse Schwester wurde.
Ein Neuanfang
Obwohl der Akutbereich des Spitals die Türen schliesst, bleibt doch ein Teil erhalten. Mit dem Luzerner Kantonsspital (LUKS Gruppe) konnte eine Vereinbarung getroffen werden. So bleiben der Rettungsdienst, die Hausarztpraxis und das Ambulatorium bestehen. Im Ambulatorium werden weiterhin Sprechstunden angeboten. Das Angebot soll später durch weitere Fachdisziplinen ergänzt werden. Die Notfallversorgung wird im Rahmen einer Walk-in Praxis bleiben. Und die Falkenstein Asana AG führt die Abteilung Langzeitpflege sowie die Cafeteria fort.
Ausserdem werden aktiv weitere Ideen und Lösungen für die Räumlichkeiten im Spitalgebäude gesucht und entwickelt. Das Spital in seiner bisherigen Form mag zwar verschwinden, aber so gibt es Platz für Neues. Wohin die Entwicklung führt, wird man erst in Zukunft erfahren. Aber wie man an den Petitionen, Leserbriefen und Wortmeldungen gemerkt hat: Der Region liegt eine gute Gesundheitsversorgung am Herzen.





