«Es braucht Neugier, um Handwerk zu bewahren»
20.08.2026 Seetal, Beinwil am SeeKlöppeln, Sticken, Filochieren, Strohflechten – schon die Begriffe wecken Assoziationen an verschiedene Details einer Tracht. In Kooperation mit dem Aargauischen Trachtenverband bringt die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung das Thema ins Sandmeierhaus.
...Klöppeln, Sticken, Filochieren, Strohflechten – schon die Begriffe wecken Assoziationen an verschiedene Details einer Tracht. In Kooperation mit dem Aargauischen Trachtenverband bringt die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung das Thema ins Sandmeierhaus.
Salome Baumann ist mit Begeisterung Damenschneiderin. Daniel Humbels Herz gehört der Geschichte. Was Vater und Tochter verbindet, ist eine gesunde Neugier. «2019 habe ich angefangen, mich intensiver mit Trachten zu beschäftigen», schildert Salome Baumann. Werktags-, Sonntags- und Festtagstracht – Bluse, Unterrock, «Scheube» – jedes Stück aus einem bestimmten Stoff mit unterschiedlichen Details gefertigt. «Dieses Wissen wollte und will ich erhalten. Darum habe ich als Weiterbildung Trachtenschneiderin gelernt.» «Später haben wir in Gesprächen festgestellt, dass Trachten und Geschichte das gleiche Problem haben», fügt Daniel Humbel hinzu. «Beides gilt als verstaubt.» Um diesem Umstand entgegenzuwirken, entwickelten sie die Idee einer Kooperation.
Graziella Jämsä
Am 5. und 6. September feiert «Kleider machen Leute» im Sandmeierhaus Premiere. 16 Handwerkerinnen werden ihre Kunst vor Ort zeigen und die Besucher können sie direkt ausprobieren. «Für ein komplettes Stück, das man mit nach Hause nehmen kann, reicht die Zeit zwar nicht. Aber das erste Mal klöppeln beziehungsweise vielleicht eine Sticknadel in der Hand zu haben – das kann schon spannend sein.» Wenn die eine oder der andere die Kunst für sich entdecke, sei das umso schöner.
Der perfekte Look
Eine Erfahrung anderer Art ist das Tragen einer Tracht. «Beziehungsweise das Anziehen einer solchen.» Salome Baumann schmunzelt. Von Unterrock über Bluse, Mieder, Dreiecktuch oder Schürze – die richtige Reihenfolge mache den perfekten Look einfacher. «Wenn alles wie geplant klappt, haben wir Trachten in verschiedensten Grössen zum Anprobieren. Dem speziellen Lebensstil, ja Heimatgefühl soll schliesslich nichts im Wege stehen.»
Der Begriff «Heimat» taucht zwar nicht direkt auf, wenn man bei Google «Trachten» eingibt. Aber auf Wikipedia heisst es: Tracht ist die für eine bestimmte Volks- oder Berufsgruppe typische Kleidung. Im Gegensatz zum stetigen Wechsel in der Mode, ist sie etwas Bleibendes.» «Ja und nein», kommentiert Salome Baumann. «Natürlich möchte man seine Zugehörigkeit klar signalisieren. Aber geschichtliche Ereignisse wie Kriege, Krankheiten, Geschehnisse in der Landwirtschaft oder die technische Entwicklung, haben die Verfügbarkeit von Material, von Stoff oder Wolle, mitbestimmt.» «Das zeigt den historischen Zusammenhang», fasst Daniel Humbel zusammen.
Die Vorfreude ist den beiden anzusehen. «Es braucht Neugier, um Handwerk zu bewahren», sind sich Vater und Tochter einig. Vielleicht kommt an dem Wochenende Anfang September jemand in seiner Tracht nach Boniswil. Wer weiss, was daraus für Gespräche entstünden… «Kleider machen Leute», Samstag 5. und Sonntag, 6. September von 10 bis 17 Uhr. Shuttlebus ab Gemeindezentrum Boniswil. Shuttle ausserhalb dieser Zeiten oder zur individuellen Unterstützung unter 079 744 90 24 anfordern. Öffentliche Parkplätze beim Gemeindezentrum Boniswil.
Historisches im Seetal – Schlüsselmomente
Im Mai 2022 feiert die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung ihren 100. Geburtstag und gibt dazu eine Jahresschrift der besonderen Art heraus
Im Herbst 2022 sagen die Mitglieder des Vereins Hansjakob Suter Sammlung und der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung «ja» zur Fusion ab 1. Januar 2023
Im Mai 2023 wird der Kulturplatz an der Dörflistrasse 1 (Sandmeierhaus) mit Workshops zu alten Handwerken eingeweiht
Im März 2026 eröffnet die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung ein digitales Archiv, um ihre umfassende Fotosammlung und Korrespondenzen der Vereinigung bis 1945 und auch der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können
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