Es fängt in der «Wöschchuchi» an
06.08.2026 ZetzwilVon den 1382 Einwohnern der Gemeinde Zetzwil fanden viele den Weg in den Forstwerkhof, um gemeinsam den 1. August zu feiern. Als Gastredner geladen, gesellte sich auch der Regierungsrat Dr. Markus Dieth zu den frohgestimmten «Zetzbuer».
«Ich wohne seit 1962 ...
Von den 1382 Einwohnern der Gemeinde Zetzwil fanden viele den Weg in den Forstwerkhof, um gemeinsam den 1. August zu feiern. Als Gastredner geladen, gesellte sich auch der Regierungsrat Dr. Markus Dieth zu den frohgestimmten «Zetzbuer».
«Ich wohne seit 1962 hier in Zetzbu», erzählt die 93-jährige Einwohnerin lächelnd. Sie habe schon viele Bundesfeiern miterlebt. Auf die Frage, ob ihr eine besonders in Erinnerung geblieben ist, wird sie ruhig und überlegt. «Nein, keine spezielle Bundesfeier. Doch was mir immer sehr gefallen hat, waren früher die Pyramiden der Turnenden. Das war immer schön anzusehen», erinnert sich die muntere Seniorin. Schliesslich kommt die Tochter bereits mit dem Mittagessen zurück an den Tisch. Für das leibliche Wohl sorgen an diesem Tag der Landfrauenverein und der Natur- und Vogelschutzverein Zetzwil. Im Angebot gibt es eine Auswahl an Kuchengebäck, frisch gebackener Fleischkäse und Salate. Dabei lässt sich nur noch «guten Appetit» wünschen.
Der Weg durch die Menschenmenge bis zum Stand der Vereine kann heute einige Zeit mehr in Anspruch nehmen. Stets erklingt ein «Wie hesches?» was zu einem kurzen Halt und einem Schwatz mit Nachbarn und Bekannten aus dem Dorf führt, während die Kinder die Zeit nutzen, um sich im Wald auszutoben. Diese spürbar familiäre und nachbarschaftliche Stimmung versinnbildlicht auch der Gastredner Dr. Markus Dieth, der seit 2007 im Regierungsrat des Kantons Aargau ist. «Lieber Markus, schön, dass du da bist. Wir freuen uns, was du uns zu zahlen … äh zu sagen hast», moderiert Gemeindeammann Daniel Heggli den Gastredner humorvoll an.
«Ich bin heute nicht nur als Regierungsrat vom Kanton Aargau da, sondern auch als Ihr Nachbar», so Regierungsrat Dieth. In seiner Ansprache zum Schweizer Nationalfeiertag betont Dieth die Bedeutung von Nachbarschaft, Zusammenhalt und Gemeinschaft als Grundlage der Schweiz. «Man kann sich im Leben vieles aussuchen – aber nicht die eigenen Verwandten und die Nachbarn.» Dies sei eine wunderbare Fügung, denn man könne das Beste daraus machen.
In der Waschküche
Die Schweizer Demokratie sei aus dem alltäglichen Zusammenleben entstanden. Die besonderen geografischen und gesellschaftlichen Bedingungen hätten die Menschen über Jahrhunderte dazu gezwungen, miteinander zu reden, Kompromisse zu finden und Lösungen auszuhandeln. Der Gastredner hält für die Zuhörerschaft ein humorvolles Beispiel bereit: «Ein wunderbares, modernes Beispiel für das alltägliche Verhandeln kennt fast jeder von uns – das ultimative Glanzstück von der nachbarschaftlichen Demokratie in der Schweiz geschieht in der «Wöschchuchi». Wer den Waschplan nicht einhält oder die Fusseln nicht entfernt, löst im ganzen Haus eine mittelschwere Staatskrise aus. In der Waschküche ist also gewissermassen das diplomatische Fingerspitzengefühl erfunden worden, welche uns Schweizerinnen und Schweizern heute auf dem internationalen Parkett zugeschrieben wird.»
Das tägliche Miteinander, etwa zwischen Nachbarn, in Vereinen oder zwischen Gemeinden, bilde den sozialen Zusammenhalt des Landes. Probleme sollten offen angesprochen und gemeinsam gelöst werden, anstatt Konflikte gedeihen zu lassen. Gerade dieser unkomplizierte Austausch schaffe Vertrauen und echten Zusammenhalt.
Über die Grenzen hinaus
«Machet den Zaun nit Zuweyt», zitiert der Regierungsrat Bruder Klaus. Dies bezieht er auch auf die Nachbarländer. Dabei betont Dieth, dass der Zaun nicht zu hoch sein sollte, damit keine Abschottung stattfindet. «Ein guter Nachbar kann man nur sein, wenn man eigenständig ist, keine Frage. Eigenständig bedeutet aber nicht, abgeschottet und eigenbrötlerisch zu leben. Eigenständigkeit ist die Voraussetzung für eine starke, echte Verbundenheit auf Augenhöhe, mit Nachbarn mit gleichen Werten», schliesst Dr. Markus Dieth seine Gastrede, bevor er sich mit den besten Wünschen für eine schöne 1. August-Feier wieder zum Publikum gesellt.
Schliesslich folgt die Tombolaziehung und die «Zetzbuerinnen und Zetzbuer» feiern bei musikalischer Begleitung der Musikgesellschaft Zetzwil in gemütlicher Runde weiter.
Janine Flückiger




