«Es geht auch darum, Werte zu vermitteln»
11.06.2026 ReinachDer Verein «Theater & Atelierkino Reinach AG» hat nicht nur eine neu zusammengestellte Betriebsleitung. An der Generalversammlung von letzter Woche ist Sven Bachmann zum neuen Präsidenten gewählt worden.
Sven Bachmann gehörte schon zuvor dem ...
Der Verein «Theater & Atelierkino Reinach AG» hat nicht nur eine neu zusammengestellte Betriebsleitung. An der Generalversammlung von letzter Woche ist Sven Bachmann zum neuen Präsidenten gewählt worden.
Sven Bachmann gehörte schon zuvor dem Vorstand an, er löst die bisherige Präsidentin Gunhild Hamer ab, die in der Kantonalen Fachstelle Kulturvermittlung die Leitung Sektion Förderung übernimmt und das Präsidentenamt deshalb abgibt. Damit werden Interessenkonflikte vermieden. Gunhild Hamer verbleibt im Vorstand, Dritter im Bunde ist Clo Bisaz. Musiker und Musiklehrer Sven Bachmann schafft selber viel Kultur. Er spielt mit seiner Ehefrau Sabine Bachmann-Frey und Martina Brodbeck im Trio «La Jalousie» und er ist mit seiner Klarinette auch in anderen Formationen engagiert, aktuell im Orchester des Freilichttheaters Staufberg in Staufen.
Sven Bachmann, was hat der Wechsel im Präsidentenamt für Folgen?
In unserem Kulturhaus sind die Hierarchien sehr flach, es ist ein grosses Miteinander. Das kulturelle Netzwerk im ‹Aargau Süd› ist sehr feinmaschig und vielfältig. Man kennt sich, jeder hat seine Eigenschaften, wir schaffen Kultur gemeinsam. Der Wechsel per se hat keine Folgen, er ist dem Engagement von Gunhild Hamer beim Kanton geschuldet. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass wir mit drei Personen unterbesetzt sind. Mit der Betriebsleitung haben wir eine super Lösung gefunden, für den Vorstand brauchen wir Verstärkung, um die Aufgaben des «Aufsichtsorgans» wahrnehmen zu können.»
Wie kam es dazu, dass das TaB jetzt drei Betriebsleiter hat?
Um die Stelle der Betriebsleitung zu erfüllen, braucht es Bindung zur Region, eine Verankerung in der Kultur, viel Erfahrung, aber auch das richtige Gespür für das Publikum. Neben den administrativen Aufgaben braucht es auch die Bereitschaft, Freizeit in die Kultur zu investieren. Stefan Jablonski, Daniela Eggs und Roland Schmid ergänzen sich sehr gut, die Aufgaben sind nach Eigenschaften aufgeteilt. Sie sind übrigens die einzigen Angestellten im TaB. Weit über die Anstellung hinaus ist ihr persönliches Engagement und jenes der zahlreichen Helferinnen und Helfer zu nennen.
Die Kulturszene in einem steten Wandel. Wie erleben Sie diesen im Theater am Bahnhof ?
Wir sind global in einem Wandel, nicht nur im kulturellen Bereich und nicht nur in Reinach. Alles bewegt sich, es ist in der schnelllebigen Zeit manchmal auch ein Zittern, ein Überleben. Allerorts überlegt man sich, wie man sich verändern kann und muss. Was das TaB angeht: Unsere Aufgabe ist es, mit unserem Programm weiterhin die Leute anzusprechen, die hier leben.
Das heisst, im TaB braucht es mehr leichtbekömmlichen Mainstream?
Das sehe ich nicht so. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Kulturhaus existieren können und das geht nur, wenn wir Angebote schaffen, die vom Publikum genutzt werden. Es wird immer Publikumsmagnete geben, auf der Bühne und im Kino. Das Programm wird von unserer Kultur bestimmt, die hier stattfindet und hier gelebt wird. Wir haben uns vorgenommen, noch lokaler zu werden, mit Kooperationen und mit Künstlern aus der Region, das ist der Auftrag an die Betriebsleitung.
Wie ist es Ihrer Meinung nach um die Kulturlandschaft in unserer Region bestellt?
Die Möglichkeiten, die wir im Oberwynental und Seetal haben, sind nicht vergleichbar mit zum Beispiel Lenzburg. Die sind schon fast Champions League. Entscheidend sind Lage, politische Einflüsse, soziale Strukturen. Man kann sagen, dass es in Autobahnnähe einfacher ist, Kultur zu zeigen. In allen Seitentälern ist alles schwieriger, übrigens nicht nur in der Kultur.
Und dennoch glauben Sie an eine Zukunft eines Kulturhauses?
Natürlich. Kultur macht uns aus und die Generationen vor uns haben viel dazu beigetragen, wer wir heute sind. Wir sind verantwortlich, diese Arbeit weiterzuführen. In der heutigen Zeit mit vielen negativen Schlagzeilen ist unsere Kultur, unser Haus auch ein Ort für positive Gedanken.
Einfach gesagt, Sie sorgen für Unterhaltung.
Kultur soll unterhaltend sein, ja. Zu unseren Aufgaben gehört jedoch auch die Bildung. Wenn wir einen Illusionisten oder einen Poeten auf der Bühne haben, wollen wir das Interesse wecken, wir bieten die Möglichkeit, sich eigene Gedanken zu machen, wie etwas funktioniert oder wie jemand denkt.
Hat unsere Gesellschaft verlernt, so etwas lernen zu wollen?
Wir leben in einer sehr heterogenen Gesellschaft. Es gibt viele Kinder, die erst im Kindergarten zum allerersten Mal eine Schere in der Hand haben. Es ist jetzt nicht so, dass wir das verändern können, oder gar die Welt retten. Aber wir können mit Kultur Zugangsmöglichkeiten bieten, den natürlichen Wissensdurst zu wecken, den eigenen Geist zu fordern. Ich sehe unseren Auftrag auch darin, Werte zu vermitteln.
Das «neue» TaB setzt auf Kooperationen und etwas salopp gesagt, auf ein «Mitmach-Kino». Haben Sie auch schon Ideen eingebracht?
Der Erfolg mit teilweise ausverkauften Veranstaltungen gibt Stefan und Daniela, die das Projekt nun schon seit einer Weile im AtelierKino aufbauen, Recht. Es macht Sinn, Ideen mit lokalem Bezug umzusetzen, die dann auch ein lokales Publikum finden. Ja, ich habe auch schon eine Idee umsetzen dürfen, nämlich ein Projekt mit den Klarinettisten und Komponisten aus der Region. Es gibt viele andere Ideen. Ich denke, so erfüllen wir unseren Kulturauftrag sehr gut.
Interview: Remo Conoci

