«Es ist an der Zeit, den alten Zopf abzuschneiden»
18.06.2026 Wynental, Teufenthalgehört künftig zu den 166 Gemeinden im Aargau, die keine Ortsbürgergemeinde mehr haben. Dies gab der Gemeinderat anlässlich der Gemeindeversammlung bekannt. Der endgültige Entscheid über die Vereinigung fällt am 27. September an der Urne.
...gehört künftig zu den 166 Gemeinden im Aargau, die keine Ortsbürgergemeinde mehr haben. Dies gab der Gemeinderat anlässlich der Gemeindeversammlung bekannt. Der endgültige Entscheid über die Vereinigung fällt am 27. September an der Urne.
Gemeindeammann Niklaus Boss konnte 64 von 1027 Stimmbürgerinnen und -bürgern an der Sommergmeind begrüssen. Mit von der Partie waren auch 11 von 28 Ortsbürgern. Für letztere war es eine Rekordbeteiligung. Kein Wunder, ging es doch um eine Fusion der Ortsbürgergemeinde mit der Einwohnergemeinde Teufenthal per 1. Januar 2027.
Bereits vor zehn Jahren traktandierte der Gemeinderat «eine Vereinigung der Ortsbürgergemeinde mit der Einwohnergemeinde Teufenthal». Doch damals scheiterte es an den Einsprüchen der Ortsbürgerinnen und Ortsbürgern. Nun kam das Traktandum an den beiden Versammlungen (Ortsbürger und Einwohner) erneut zur Abstimmung. Diesmal wurde es aber mit 47 Ja-Stimmen angenommen. Bei der Ortsbürgerversammlung wurde das Geschäft mit einer Gegenstimme genehmigt: Bei der Einwohnerversammlung gab es fünf Gegenstimmen.
Vereinzelt gab es heftige emotionale Reaktionen seitens der Ortsbürger. Willi Karrer fand es nicht in Ordnung, dass man ihnen ein Kapital von 1.2 Millionen Franken einfach so wegnehme, und das ohne eine Entschädigung. Sein Vorschlag: Man könnte doch stattdessen das Eigenkapital an die Ortsbürger verteilen. Eine Tradition, die seit Jahrhunderten bestehe, müsse man doch aufrechterhalten, insistierte er. «Das ist kriminell, dass man die übrig gebliebenen 28 Ortsbürger einfach so abschaffen und entmündigen will. Und obendrein unsere 84 Hektaren Boden und das Eigenkapital von 1.2 Millionen wegnimmt. Das ist Diebstahl, und ich kann nicht einmal eine Einsprache machen».
Ortsbürger können keine grösseren Investitionen mehr stemmen
«Es ist an der Zeit, den alten Zopf endlich abzuschneiden.» Gemeindeammann Niklaus Boss begründete die Auflösung der Ortsbürgergemeinde klar: «Das Vermögen der Ortsbürgergemeinde ist an den Wald gebunden. Nur durch die Verkleinerung des Eigenkapitals können Investitionen getätigt werden.» Das Eigenkapital betrage 1.2 Millionen Franken. Das bedeutet zwangsläufig, dass irgendwann Waldparzellen veräussert werden müssen. Zudem decken die jährlichen Erträge knapp die Ausgaben. Letztes Jahr war es ein Gewinn von 9000 Franken. Bereits im nächsten Jahr stehe mit der Waldhütte Bampfmatte eine dringende Sanierung an. Für letztere rechnet der Gemeinderat mit 50’000 Franken Aufwandüberschuss. Die Ortsbürgergemeinde könne den zusätzlichen finanziellen Aufwand nicht mehr selber stemmen. Im Gegenteil: Die geringen finanziellen Mittel verunmöglichen es, grössere Investitionen zu tätigen und den Forstbetrieb weiter zu entwickeln. Laut Botschaft besteht kein Mehrwert mehr für die Ortsbürger und ist ineffizient.
Die Gemeinde Teufenthal steht nicht alleine da und ist zeitgemäss: Von den insgesamt 196 Gemeinden im Aargau besitzen nur noch deren 166 eine eigenständige Ortsbürgergemeinde. Hauptgründe sind fehlende finanzielle Mittel oder Auslagerung des Forstwesens. Wobei der endgültige Entscheid über die Vereinigung am 27. September an der Urne fällt.
Beseitigung eines Planfehlers
Die Gemeindeversammlung musste auch über einen Verpflichtungskredit für die Beseitigung des Engpasses Schmittengasse abstimmen. Letztere wird laut dem Gemeindeammann dringend nötig. Nicht zuletzt, um die aktuelle Erschliessung des Industriegebiets Feldmatte voranzutreiben. Denn: Gemäss technischer Richtlinie für das Strassen- und Verkehrswesen der Schweiz ist eine Verbreiterung im Bereich des Fussgängerstreifens notwendig, um den Anforderungen für die Erschliessung des Industriegebiets zu genügen. Letztlich gehe es auch um die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden, hielt Boss fest. Die Strasse muss eine Mindestbreite von 6.7 Meter aufweisen, damit sich die LKWs kreuzen können (jetzt sind es 5.6 Meter). Die beste Variante sei eine Verbreiterung mit einer Teilüberdeckung des Dorfbachs, sagte Gemeindeammann Niklaus Boss. «Wir sind froh, dass der Kanton auf unsere Lösung eingegangen ist.»
Die Strassenbreite im Bereich des Fussgängerstreifens sei im Rahmen des Kantonsprojekts «Knotenumbau im Kreisel» (Fertigstellung Ende 2020) reduziert und das Trottoir verbreitert worden. Bei der Planung des Kantonsprojekts sei dies nicht berücksichtigt worden. Obwohl damals schon bekannt war, dass das Industriegebiet künftig erschlossen werden soll.
Daraufhin stellte Ruedi Eichenberger einen Rückweisungsantrag, wegen zu hoher Kosten. Letzterer wurde mit 46:3 Stimmen abgelehnt. Schliesslich wurde der Kredit mit einer Gegenstimme genehmigt.
Kathrin Aerni
Alle Beschlüsse auf einen Blick
47 Stimmbürgerinnen und -bürger stimmten der Vereinigung der Ortsbürgergemeinde mit der Einwohnergemeinde Teufenthal zu. Bei der Ortsbürgerversammlung wurde das Geschäft mit einer Gegenstimme genehmigt; bei der Einwohnerversammlung gab es fünf Gegenstimmen. Zudem bewilligte die Gemeindeversammlung einen Verpflichtungskredit über 184’000 Franken für die Beseitigung des Engpasses Schmittengasse und genehmigte zwei Kreditabrechnungen sowie den Rechenschaftsbericht und die Jahresrechnung 2025. Letztere schliesst bei einem Aufwand von über 10 Millionen Franken mit einem Gewinn von rund 7100 Franken. Und das obwohl die Gemeinde mit einem sechsstelligen Defizit gerechnet hat. Die Gemeindeversammlung sicherte Yowhana Yosief und ihrer Tochter Sidon das Gemeindebürgerrecht von Teufenthal zu.


