«Es ist eine Arbeitsgrundlage für uns»
22.10.2026Im Frühling fand in einem Mitwirkungsverfahren ein Austausch über die Zukunft der Gemeinde Menziken statt. Dabei nahmen die Beteiligten an einer Umfrage teil und konnten unter anderem zu Themen wie Bildung und Infrastruktur ihre Ideen und Gedanken teilen. Vergangene Woche wurde ...
Im Frühling fand in einem Mitwirkungsverfahren ein Austausch über die Zukunft der Gemeinde Menziken statt. Dabei nahmen die Beteiligten an einer Umfrage teil und konnten unter anderem zu Themen wie Bildung und Infrastruktur ihre Ideen und Gedanken teilen. Vergangene Woche wurde die ausgearbeitete Strategie erstmals vorgetragen. Darin wurden für die Ortsentwicklung Leitsätze bis 2035 definiert sowie die strategischen Ziele und Massnahmen der aktuellen Legislaturperiode vorgestellt.
«Die Massnahmen sind absichtlich offen formuliert», betont der Gemeinderat. Diese dienen ihm als Leitplanke. Die neun Schwerpunkte zur langfristigen Entwicklung zeigen eine vollumfängliche Zielsetzung für die Zukunft der Gemeinde Menziken sowie den Ortsteil Burg.
Janine Flückiger
Eines der Themen, welches in der Befragung deutlich negativ ausfiel, war die räumliche Entwicklung. Zur Verbesserung strebt die Gemeinde künftig ein moderates Wachstum an und setzt dabei ihren Schwerpunkt auf Qualität. Dazu zählt die Überarbeitung der Bauund Nutzungsordnung zur Förderung von qualitativem Bauen. Im Ortskern sollen attraktive Begegnungsorte geschaffen werden und Baumbestände sowie Grünflächen sind zu erhalten oder angemessen zu ersetzen.
Ebenso zählt die Förderung von Gewerbeflächen, abwechslungsreicher Gastronomie und einer vielfältigen Einkaufsmöglichkeit zur Strategie. Nach einer negativen Resonanz auf das letzte Parkierungskonzept konzentriert sich der Gemeinderat nun auf die Sicherstellung der Parkierungsmöglichkeiten im Zentrum.
«Es ist viel Arbeit», meinte Gemeinderat Jörg Stalder, nachdem er den Mitwirkenden mitteilte, dass zu allen öffentlichen Gebäuden ein Dossier erstellt werden soll. So kann sich die Gemeinde einen Überblick verschaffen, wann welche Arbeiten notwendig sind.
Ebenfalls ist es ein Ziel, eine Immobilienstrategie für gemeindeeigene Grundstücke und Bauten zu erarbeiten. Ein Zuhörer fragt nach: «Sind die leerstehenden Industriegebäude miteinbezogen?» Die Antwort des Gemeinderates ist ein klares Ja. Zurzeit stehen sie in Abklärung für das Gewerbegebiet «Bromen» sowie die Alu Menziken. «Da die Bewilligung für die Erschliessung des Feuerwehrmagazins nun da ist, kann es mit «Bromen» weitergehen», entgegnete Gemeinderat Jörg Stalder.
Bei allen Plänen sollen die finanziellen Entwicklungen in der Gemeinde mit klaren Prioritäten und Weitsicht investiert werden. «Es ist wichtig, dass wir handlungsfähig bleiben», sagte Vizeammann Daniel Wittwer. In Bezug auf die Steuern muss sich die Bevölkerung vorerst keine Sorgen über eine Erhöhung machen. «Versprechen können wir dies natürlich nicht», fügte Ursula Friederich hinzu.
Verkehrssichere Strassen
So wie der Gemeinderat bei der räumlichen Entwicklung auf Qualität statt Quantität setzt, soll ebenso die verkehrstechnische Entwicklung ausgewogen gestaltet werden. «Wir haben in Menziken nicht nur Gemeindestrassen, sondern auch eine Kantonsstrasse. Ausserdem hat die Hochhauskreuzung in Reinach ebenfalls Einfluss auf unsere Gemeinde», meinte Daniel Wittwer. Deshalb seien sie im regen Austausch mit Reinach und Beinwil am See. Doch ist nicht nur die Sicherstellung des Unterhalts der bestehenden Strasseninfrastruktur im Fokus, auch soll die Prüfung zur Steigerung der Verkehrssicherheit rund um die öffentlichen Anlagen erfolgen. Die Frau Gemeindeammann erwähnte hierzu die Regulierung von Elterntaxis und E-Trottinetts etc. Einen Herrn aus dem Publikum interessierte: «Was ist mit den Fahrrädern?» «Hierzu müssen wir den Workshop für die Veloplanung des Kantons abwarten», antwortete der Gemeinderat. Die Sicherheit der Fahrradfahrer sei für die Gemeinde jedoch ein wichtiger Aspekt.
Die Menschen im Fokus
In den Bereichen Betreuungsangebote, Angebote im Alter und medizinische Versorgung wurde ein Richtplan erstellt.
Der Gemeinderat setzt auf Vielfalt und Stärke und möchte das Miteinander bewusst fördern. Ein Schritt wäre, ein jährliches Vereinstreffen für die Vernetzung und Koordination einzuführen. Die Vereine sollen Unterstützung erfahren, indem sie zum Beispiel die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Für die Bevölkerung höheren Alters sind Angebote unterschiedlicher Wohn- und Betreuungsformen im Massnahmenplan aufgelistet. Besonders betont Ursula Friederich die Wichtigkeit für Angebote, die gegen die Vereinsamung im Alter wirken. «Der Altersdurchschnitt in der Gesellschaft ist zurzeit sehr hoch. War die gesellschaftliche Altersdifferenz früher grafisch wie eine Tanne abgebildet, ist sie heute eher pilzförmig», visualisiert die Frau Gemeindeamman.
Was für die Bevölkerung jeden Alters entscheidend ist, ist die Gewährleistung einer medizinischen Basisversorgung. «Wir haben mit der Teilschliessung des Spitals die Akutversorgung verloren. Jedoch soll die medizinische Grundversorgung, sprich Therapieformen etc. gesichert werden», sagte Ursula Friederich. Dazu möchte sich der Gemeinderat mittels Kontaktpflege für die Ansiedlung spezialisierter medizinischer Vorsorgeangebote einsetzen. Parallel ist der Regionalplanungsverband aargauSüd, als Vorgabe des Kanton Aargaus, bereits an einer Bestandsaufnahme für die gesamte Region tätig.
Nicht nur die Gesundheit, auch die Bildung ist entscheidend für eine Gemeinde.
Kindern und Jugendlichen sollen mit zeitgemässen Schulinfrastrukturen gute Startchancen geboten werden. Die Vernetzung zwischen Schule und Lehrbetrieben sollen für den Übertritt gestärkt werden. Dazu zählt die Massnahme, dass die langfristige Schulraumplanung inklusiver Tagesstrukturen mit stufengerechter Standortverteilung umgesetzt wird. Schulraumplanung und Sportanlagen werden unter Berücksichtigung des regionalen Sportanlagenkonzepts (RESAK) umgesetzt.
Da Menziken durch die vielfältige kulturelle Herkunft seiner Einwohnerinnen und Einwohner stark geprägt ist, setzt sich der Gemeinderat für die sprachliche und gesellschaftliche Integration ein. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Sprachförderung im Schul- und Vorschulbereich, die als Ziel festgelegt wurde.
Die offene Jugendarbeit, welche an der Gemeindeversammlung im November vorgestellt wird, kann ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten.
Mit Betreuungsangeboten wie Kita, Mittagstischen oder auch Hausaufgabenhilfe möchte der Gemeinderat die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedarfsgerecht gestalten.
Austausch ist wichtig
Mit rund 50 Massnahmen hat sich der Gemeinderat einen vollumfänglichen Richtplan erstellt. Dabei kommt aus dem Publikum die Frage auf: «Es sind ja schon viele Massnahmen. Gibt es eine Priorisierung?»
Gemeinderat Daniel Wittwer äussert dazu: «Das ist ein Arbeitspapier für uns. Es ist eine Grundlage, die nun weiter ausgearbeitet wird.» Auch Ursula Friederich teilte der Zuhörerschaft mit: «Uns ist bewusst, dass einige Punkte vielleicht nicht realisiert werden, wenn zum Beispiel kein Bedarf mehr vorhanden ist. Andererseits sind aber auch bereits viele Massnahmen in Bewegung und andere in operativer Umsetzung.»
Im Allgemeinen möchte der Gemeinderat die Bevölkerung transparent über die Entwicklungen informieren. Einige der Zuhörer äussern den Wunsch, regelmässig über den Stand informiert zu werden. «Eine jährliche Lagebeurteilung wäre wünschenswert», äussert sich ein Herr aus dem Publikum. Zudem möchte er künftig mit der Bevölkerung in den Dialog treten und diese miteinbeziehen. Dabei ist der Gemeinderat offen für Ideen, wie ein entsprechendes Austauschgefäss aussehen könnte.
Für das weitere Vorgehen kann die Arbeitsgruppe nun bis Ende dieser Woche ihre Rückmeldungen geben. Anschliessend überarbeitet der Gemeinderat die Strategie nochmals, bevor die Stimmberechtigten am 11. November darüber in Kenntnis gesetzt werden.
Die Leitsätze im Überblick
• Räumliche Entwicklung: Für die räumliche Entwicklung strebt die Gemeinde ein moderates Wachstum an und setzt dabei auf Qualität. Im Ortskern sollen Parkierungsmöglichkeiten, verschiedene Gewerbe und Begegnungsorte mit guter Aufenthaltsqualität gefördert werden.
• Natur, Landschaft und Naherholung: Die Natur und Naherholung bildet für die Gemeinde eine hohe Standortqualität. Diese sollen unterhalten und gepflegt werden. Dazu möchte die Gemeinde auch Naturvereine unterstützen.
• Bildung und Betreuung: Die Kinder sollen mit zeitgemässen Schulinfrastrukturen gute Startchancen erhalten. Betreuungsangebote wie Kita, Mittagstische etc. ermöglichen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sprachliche und gesellschaftliche Integration sollen bereits im Vorstufenalter gefördert werden.
• Bevölkerung, Gesundheit und Gemeinschaft: Die Gemeinde möchte die Vielfalt und den Zusammenhalt fördern. Die medizinische Grundversorgung und die Sicherheit sollen befestigt werden und die Gesellschaft ihre soziale Teilhabe erfahren.
• Infrastrukturen: Eine zeitgemässe und gut unterhaltene Infrastruktur im Hoch- und Tiefbau sollen der räumlichen Entwicklung und der Finanzkraft angepasst, entsprechend umgesetzt werden.
• Mobilität und Verkehr: Die Verkehrssicherheit, eine gute Erreichbarkeit sowie eine verkehrstechnisch ausgewogene Entwicklung stehen im Fokus.
• Wirtschaft und Gewerbe: Als verlässlicher Wirtschaftsstandort im Oberwynental sollen attraktive Rahmenbedingungen für bestehende wie auch neue Betriebe unterstützt werden. Dafür möchte die Gemeinde den Dialog mit lokalen Unternehmen aktiv pflegen.
• Politik und Verwaltung: Die Gemeinde tritt mit der Bevölkerung in einen transparenten Dialog und zieht diese mit ein. Auch mit regionalen Partnerschaften, wie mit der Gemeinde Reinach und Beromünster sollen im Dialog wirkungsvolle Lösungen angestrebt werden.
• Finanzen und Steuern: Die Gemeinde setzt auf eine vorrauschauende Finanzierung und investiert mit klaren Prioritäten.


