«Fahrschul-Premiere» bestanden
18.06.2026 Menziken185 der 4242 Stimmberechtigten folgten der Einladung zur Gemeindeversammlung. Sie erlebten die GV-Premiere des fast rundumerneuerten Gemeinderats. Dieser schlug sich, trotz nicht ganz einfacher Ausgangslage, respektabel.
Zu Beginn der Versammlung prangte ein grosses, ...
185 der 4242 Stimmberechtigten folgten der Einladung zur Gemeindeversammlung. Sie erlebten die GV-Premiere des fast rundumerneuerten Gemeinderats. Dieser schlug sich, trotz nicht ganz einfacher Ausgangslage, respektabel.
Zu Beginn der Versammlung prangte ein grosses, weisses L auf blauem Grund auf der Leinwand, und Frau Gemeindeammann Ursula Friederich bat schon fast vorsorglich um Nachsicht. Es sei die erste Gemeindeversammlung unter ihrer Leitung, und ihre vier Ratskollegen erlebten ihre Premiere als neu gewählte Gemeinderäte.
Der Rechenschaftsbericht 2025 bot wie immer einige interessante Zahlen. Im Gemeinderat seien 673 Geschäfte behandelt worden. Es gab eine Abnahme von 112 Betreibungen, die Forderungen sind aber massiv gestiegen. Menziken zählte Ende Jahr 8913 Einwohnende, was einer Zunahme von 291 entspricht. Der Ausländeranteil beträgt 42 Prozent. Neben den üblichen Kennzahlen verkündete Friederich aber beispielsweise auch, dass in der Pilzkontrolle 400 Gramm tödliche Pilze sichergestellt werden konnten. Der Rechenschaftsbericht wurde schliesslich grossmehrheitlich genehmigt.
Gemeinderechnung gab zu reden
Weniger glatt lief es beim Traktandum Gemeinderechnung 2025. Der im Herbst letzten Jahres als Gemeinderat abgewählte Alfred Merz bemängelte, dass einem ehemaligen Ratsmitglied die Vergütung für das ganze Jahr – und damit für einen Monat zu viel – ausbezahlt wurde. Obwohl der Name Erich Bruderer nicht öffentlich genannt wurde, war augenscheinlich, dass damit der abgewählte Gemeindeammann gemeint war, der Ende November sein Amt per sofort niederlegte. SP-Ortspräsident Merz stellte den Antrag, die Rechnung zurückzuweisen. Er erhielt Unterstützung von SVP-Ortspräsident Hans-Heinrich Leuzinger, der die Auszahlung der Dezember-Vergütung ebenfalls kritisierte. Vizeammann Daniel Wittwer, der das Geschäft behandelte, erklärte, der betroffene Ex-Gemeinderat habe ein ärztliches Zeugnis vorgelegt und man habe sich nicht auf einen kostspieligen Rechtsstreit mit unsicherem Ausgang einlassen wollen. Mehr konnte Wittwer mit Verweis auf Datenschutz dazu nicht sagen. Angesichts des im Raum stehenden Rückweisungsantrags schaltete sich nun auch FDP-Grossrat und Ortsparteipräsident Adrian Meier ein. Er plädierte für die Einhaltung der Verhältnismässigkeit. Er gehe davon aus, dass die Jahresentschädigung des Gemeinderats etwa 80’000 Franken betrage. Die Rede sei also hier von zirka 7000 Franken für den einen Monat, rechnete Meier vor. «Wollen wir deswegen wirklich eine Rechnung zurückweisen, in der es um einen Jahresumsatz von 40 Millionen geht?» Die FDP lehne den Rückweisungsantrag ab und empfehle die Jahresrechnung zur Annahme. Die Versammlung spendete Meier für sein Votum spontanen Applaus, lehnte den Rückweisungsantrag mit grossem Mehr ab und genehmigte die Rechnung ebenso deutlich.
Zu wenig informiert?
Im Weiteren hatte die Versammlung über zwei Kreditabrechnungen zu befinden. Die eine betraf den Neubau des Regenüberlaufbeckens RÜB 528, der während längerer Zeit für Verkehrsbehinderungen auf der Hauptstrasse sorgte. Die Überschreitung des bewilligten Kredits um 12,6 Prozent ist auf mehrere ausserordentliche und teilweise nicht vorhersehbare Faktoren zurückzuführen. Die Begründungen waren aber plausibel und überzeugten die Versammlung.
Zu Diskussionen führte hingegen der Verpflichtungskredit über 852’000 Franken für die Sanierung der Waldaustrasse. Ein Anwohner monierte, er sei überrascht von dieser Investitionsidee, da er nicht vorgängig informiert worden sei. Das Vorgehen des Gemeinderats wurde als nicht bürgernah bezeichnet. Verschiedene Anwohner bangten, mit hohen Erschliessungskosten konfrontiert zu werden. So musste auch in diesem Geschäft zuerst ein Rückweisungsantrag behandelt werden. Dieser wurde abgelehnt und der Kredit anschliessend gesprochen.
Neuer Werkhof soll gebaut werden
Weniger Gesprächsbedarf zeigte sich beim grössten Geschäft des Abends, dem Verpflichtungskredit über 5,8 Millionen Franken für den Neubau des Werkhofs. Der bestehende Werkhof erfüllt die Anforderungen an eine zweckmässige Infrastruktur nicht mehr. Deshalb ist ein Neubau geplant, inklusive Räumlichkeiten für die Abteilung Bau und Planung und einer öffentlichen Zivilschutzanlage. Aus der Versammlung kam die Idee, die Abteilung Bau und Planung am bisherigen Standort zu belassen und stattdessen lieber den Sozialdienst im neuen Werkhof zu platzieren. Ein Anwohner fürchtete um übermässige Lärmemissionen und verlangte vorsorgliche Lärmschutzmassnahmen. Der Verpflichtungskredit wurde schliesslich gesprochen. Genauso passierte auch ein Verpflichtungskredit für die neue Verwaltungs-EDV, im Fachjargon «Gemeindefachlösung» durchgewunken.
Neue Gemeindestrategie gedeiht
Unter dem Traktandum Verschiedenes orientierte Frau Gemeindeammann Friederich über den aktuellen Stand der Gemeindestrategie. Mehrere konstruktive Workshops hätten bereits stattgefunden, zwei weitere seien noch geplant. Im Oktober sollen die Resultate den Mitwirkenden präsentiert werden. Die Öffentlichkeit wird anlässlich der Gemeindeversammlung vom 11. November orientiert.
Roland Marti

