Hoher Besuch bei der Fischer Reinach AG: Regierungsrat Dieter Egli besichtigte kürzlich den traditionsreichen Industriebetrieb und tauschte sich dabei auch mit Verwaltungsrat Peter Fischer aus. Mit regelmässigen Unternehmensbesuchen will der Kanton den direkten Kontakt mit der ...
Hoher Besuch bei der Fischer Reinach AG: Regierungsrat Dieter Egli besichtigte kürzlich den traditionsreichen Industriebetrieb und tauschte sich dabei auch mit Verwaltungsrat Peter Fischer aus. Mit regelmässigen Unternehmensbesuchen will der Kanton den direkten Kontakt mit der Wirtschaft fördern.
Peter Fischer begrüsste die illustre Delegation herzlich und zeigte sich erfreut darüber, dass sich der Kanton für die Industrie in der Randregion interessiert. Doch auch in Aarau dürfte den Verantwortlichen nicht entgangen sein, dass sich das Reinacher Metallverarbeitungsunternehmen seit bald 200 Jahren allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich auf dem Markt behauptet.
Was 1842 unter dem Namen Drahtund Metallwarenfabrik Wirz & Fischer und der Produktion von Haken und Ösen begann, ist heute in sechster Generation einer der modernsten Metallverarbeitungsbetriebe der Schweiz mit über 350 Beschäftigten. Inzwischen ist die Fischer Reinach AG das Rückgrat der Industrieholding FIR Group AG, zu der auch die Tochtergesellschaften Fischer Rista AG und Zetka AG in Füssen (De) gehören.
Zusammen ist man zu einem gewichtigen Player der Zulieferindustrie geworden. So produzieren die Fischer-Firmen jährlich über 6 Milliarden Metall-Einzelteile für die Elektro-Industrie – darunter zum Beispiel Anschlussstecker für E-Bike-Akkus, Kippvorrichtungen für Fenster, BH-Verschlüsse, Schaltungsmagnete für den Bremsassistenten beim Auto, Hupkontakte am Lenkrad, Verschlusskappen für Rahmbläser und und und.
Es sind zwar nur kleine Teile, doch ohne all diese «Zahnrädchen» im Getriebe läuft im Alltag nichts. Zudem werden in Reinach Armierungen für schweizerische und vor allem ausländische Baufirmen hergestellt (95 Prozent der Produkte werden exportiert). Das heisst, in Reinach an der Grenze zu Menziken, nur 100 Meter von Pfeffikon entfernt, wird für unzählige Anwendungen gestanzt, gepresst, geformt, gestaucht und montiert.
Immer weniger Industrie im Wynental
Die Fischer AG ist eines der wenigen übriggebliebenen grösseren Unternehmen in der Region, das laut ihrem VR-Präsidenten den Kampf gegen gesetzliche Hemmnisse wie etwa aufwändige Bewilligungsverfahren noch nicht aufgegeben habe. Ein Beispiel: Die unmittelbare Gemeinde- und Kantonsgrenze sowie ihre unterschiedlichen Regelungen in Bezug auf Landnutzung und Lärm. In den letzten Jahren seien rund um die Firma Fischer Wohnhäuser entstanden. «Wir sind quasi zugebaut worden», so Peter Fischer auf dem Firmenrundgang. Doch das sei nicht das ursprüngliche Problem. Vielmehr passe den neuen Anwohnenden der Fabriklärm nicht. «Und das, obwohl wir alle Grenzwerte einhalten.» Allein die Lärmmessungen seien aufwändig und kostspielig. 100’000 Franken müsse man als KMU erstmal verdienen. «Das alles ist suboptimal, weil wir ja produzieren müssen und sehr verankert sind mit dem Produktionsstandort.»
Das gehöre zu den erschwerten Rahmenbedingungen eines heutigen Unternehmens. Und dann kämen oft noch der regulierende Staat und der Kantönligeist hinzu. Mögliche Folgen seien Spannungen zwischen Unternehmen und dem Staat.
«Gute Rahmenbedingungen sind das A und O»
An diesem Punkt setzte die rege Diskussion ein, zwischen den Vertretern der Fischer Reinach AG, der Gemeinde Reinach sowie Menziken und denen des Kantons. Neben Regierungsrat Dieter Egli (SP) gehörten auch Ueli Häcki (Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit) sowie Verena Rohrer (Kantonale Standortförderung) der Kantonsdelegation an, derweil Reinach von Gemeindeammann Julius Giger vertreten war und Menziken von Frau Gemeindeammann Ursula Friederich.
«Die Politik versteht unsere Anliegen nicht immer», sagte Peter Fischer. Und ergänzte: «Es ist uns wichtig, dass gute Rahmenbedingungen geschaffen werden, auch seitens des Kantons – das ist das A und O.» Wir können den Bauboom nicht stoppen.» Obwohl der Kanton Luzern steuergünstiger wäre, sei der Kanton Aargau immer noch ein guter Produktionsstandort, so Fischer. Oft hapere es aber an der Verfügbarkeit von Fachkräften. Und wenn sie im Ausland rekrutiert werden müssen, dauere es viel zu lange, bis sie die nötige Bewilligung haben. «Wir bräuchten diese Arbeitskräfte aber oft in Kürze.» Fischer wünscht sich deshalb mehr Unterstützung seitens des Kantons und Bundes. Denn: «Es fängt oft im Kleinen an, dass die Rahmenbedingungen gestört werden.»
«Kein Wachstum um jeden Preis»
Regierungsrat Dieter Egli ist sich der komplexen Problematik bewusst. Und er betont, wie wichtig es ist, die KMU zu unterstützen: «Das nachhaltige Wachstum ist gefragt, und nicht das Wachstum um jeden Preis.» Man müsse auch den Standort stärken sowie die Innovationsfähigkeit der Unternehmen fördern, ist Egli überzeugt.
Die kantonale Leiterin der Standortförderung, Verena Rohrer, ergänzte, dass auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von grosser Bedeutung sei, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.
Und der Reinacher Gemeindeammann Julius Giger betonte, dass den Gemeinden oft die Hände gebunden seien, weil sie weniger Einfluss hätten als der Kanton.
Kathrin Aerni