FC Menzo: Bewährungsprobe vorläufig bestanden
07.05.2026 Menziken, ReinachDas Fussball-Derby vom vergangenen Wochenende zwischen dem FC Menzo Reinach und dem FC Gontenschwil stand unter einem existenziellen und politischen Aspekt. Der Oberwynentaler Fussballclub musste die Eskalationen vergangener Tage aufarbeiten und es geht um einen 3,3 Millionen-Franken-Kredit.
200 Zuschauer säumten das Spielfeld in der Menziker Fluckmatt, darunter diverse Beobachter des Aargauer Fussballverbands (AFV). Für sie war es «das Spiel der Bewährung», wie es AFV-Präsident Luigi Ponte ausdrückte. Neben der Delegation des Verbandes war auch Menzikens Gemeinderat Christian Schweizer als Vertreter der Gemeinden anwesend. Sie alle wollten wissen, ob es dem FC Menzo Reinach gelingt, ein brisantes Spiel ohne Zwischenfälle über die Bühne zu bringen. Solche Zwischenfälle gab es in Begegnungen mit Beteiligung des Oberwynentaler Clubs immer wieder: Der Verband spricht davon, in allen Ligen Mühe zu haben, Schiedsrichter zu finden, die Menzo-Spiele pfeifen wollten.
Tiefpunkt vor einem Jahr
Eskaliert war die Situation während eines A-Junioren-Spiels zwischen dem FC Menzo Reinach und dem FC Mutschellen, im April 2025. Nach dem Sieg der Gäste hatten sich viele Menzo-Spieler, Funktionäre und Zuschauer nicht unter Kontrolle. Es kam zu Schlägereien mit fünf Verletzten, die Polizei musste eingreifen, Bilder erreichten sogar nationale Medien. Der AFV verhängte drakonische Strafen: Persönliche Bussen, Sperren von Spielern und Teams, die später vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) jedoch zweitinstanzlich reduziert wurden.
«Wir haben mit dem FC Menzo Reinach einen ganzen Massnahmekatalog vereinbart.»
Luigi Ponte,
Präsident AFV
Strafen sind das eine, Massnahmen, damit solche Vorfälle verhindert werden können, das andere. «Wir haben mit dem Verein einen ganzen Massnahmenkatalog vereinbart», sagt Luigi Ponte gegenüber dem Wynentaler Blatt. «Konkret wurden Funktionäre in Sachen Deeskalation geschult, es wurden Posten bestimmt, die der Verein zwingend mit geeigneten Personen besetzen musste und wir verlangen die klare Benennung eines Präsidenten, eines Vizepräsidenten und eines Juniorenverantwortlichen. Weiter steht im Katalog, der Club müsse bauliche Massnahmen vornehmen, damit hinter den Spielerbänken Zuschauer nicht provozieren können und ein Ethik-Konzept musste ausgearbeitet werden. «Diese Leitlinien sind strikte einzuhalten und zwar auf allen Ebenen», unterstreicht Ponte.
Der Fall hat eine regionale und gesellschaftliche Komponente
Mit dem Derby zwischen den 3.-Liga-Teams von Menzo Reinach und Gontenschwil sollten die akuten Massnahmen einen Abschluss finden. «Heute war die Bewährungsprobe für den Verein», sagte Ponte und zeigte sich in der Halbzeitpause «sehr zufrieden mit dem Gesehenen». Auch Gemeinderat Christian Schweizer konstatierte: «Bisher ist alles ruhig, sowohl auf, wie auch neben dem Platz, das ist sehr erfreulich.» Die Gemeinderäte von Menziken und Reinach haben sich vorgängig mit den Verantwortlichen des AFV und dem FC Menzo Reinach getroffen und auf die Brisanz der Situation hingewiesen. «Wenn wieder etwas passiert, wird eine weitere Unterstützung des FC Menzo Reinach kaum mehr möglich sein. Es geht letztlich um das Ansehen beider Gemeinden», hält Schweizer klar fest. Der «Fall» hat nämlich auch eine eine regionale und gesellschaftliche Komponente: Die Nachbargemeinde Reinach plant für 3,3 Millionen Franken die umfassende Sanierung der Reinacher Sportanlage Moos. Diese wird mehrheitlich vom FC Menzo Reinach genutzt. «Macht der Club weiter negative Schlagzeilen, kann sich dies auf den Entscheid an der Reinacher Gemeindeversammlung vom 9. Juni auswirken», ist sich der Menziker Gemeinderat Schweizer sicher. Bekommt der FC Menzo jedoch nicht bald neue, regelkonforme Spielplätze, droht ihm der Lizenzentzug.
«Wenn wieder etwas passiert, wird eine Unterstützung des FC Menzo Reinach kaum mehr möglich sein.»
Christian Schweizer,
Gemeinderat Menziken
Seit Ende März verfügt der FC Menzo Reinach über eine neue Führung: Präsident ist Shkumbin Mulaj und der Vizepräsident heisst Valter Bekaj. Um die Finanzen kümmert sich neu Kirsten Eller. Von den bisherigen Vorstandsmitgliedern macht Vitor Malota als Junioren-Obmann weiter, ebenso Menur Murati (Marketing) Faton Ramadani (Spielbetrieb) und Pietro Cesari (Anlässe). Der neue Präsident strebt eine Vorwärtsstrategie an: «In den letzten zwei Jahren habe ich als Senioren-Spieler und Trainer Einblick in den Verein erhalten, seit sechs Wochen bin ich nun Präsident. Mein Ziel ist es, dass wir mehr miteinander reden, Probleme ansprechen und beheben, Situationen analysieren.» Der neu zusammengesetzte Vorstand sei sich der Verantwortung bewusst, fährt Mulaj fort: «Ich bin selber Vater von drei Kindern und Geschäftsinhaber. Ich habe eine Vorbildfunktion, wie alle anderen Staffmitglieder auch. Wir haben Kurse absolviert und die Kommunikation verbessert.» Der Präsident möchte, dass der FC Menzo Reinach besonders für junge Menschen, egal welcher Abstammung, eine Gemeinschaft wird, die ihre positiven Werte nach aussen trägt. Auch Shkumbin Mulaj ist klar, dass nach den Worten Taten folgen müssen: «Ob wir es schaffen, wird die Zukunft zeigen.»
«Ich bin Vater von drei Kindern. Ich habe eine Vorbildfunktion, wie alle anderen Staffmitglieder auch.»
Shkumbin Mulaj
Präsident FC Menzo Reinach
Während dem «Spiel der Bewährung» lief alles so, wie man sich einen Fussballabend wünscht. 200 Zuschauer wollten das Spiel sehen, alles blieb friedlich, das Wetter spielte mit, sogar der Vollmond lachte über dem Wynental. Menzo ging bis zur 10. Minute durch Epikad Tafa und Dardan Gashi 2:0 in Führung und schien das Spiel im Griff zu haben, ehe Gontenschwil besser ins Spiel kam und Matteo Pitzalis (17.) der Anschlusstreffer gelang. Das nun ausgeglichenere Spiel wurde schliesslich durch einen Penalty in der 41. Minute vorentschieden. Erneut traf Gashi. Kurz nach der Pause gelang Maurizio de Icco zwar noch der 3:2-Anschlusstreffer, doch das Resultat blieb bis zuletzt bestehen. Menzo festigt damit seine Position im Mittelfeld der 3. Liga, Gontenschwil droht auf dem zweitletzten Platz weiterhin der Abstieg.
FC Menzo Reinach bleibt unter Beobachtung
Das Resultat, und der Umstand, dass die Clubs über die Beobachtung seitens Verband und Gemeinde informiert waren, dürften am vergangenen Wochenende zusätzlich für einen reibungslosen, ja schon fast idyllischen Fussballabend gesorgt haben. Mit diesem «Spiel der Bewährung» sei es für den FC Menzo nicht getan, sagt Liga-Boss Luigi Ponte: «Wir werden die Situation weiterhin im Auge behalten, Gewalt darf im Fussball keinen Platz haben. Wir sind mit der Entwicklung des Vereins sehr zufrieden, es sind heute engagierte Leute am Werk.» Christian Schweizer fügt an: «Der Club muss sich bewusst sein, um was es geht, das gilt für Spiele aller Teams in allen Ligen. Wenn wieder etwas passiert, schadet das auch dem Ansehen der Gemeinde.» Am 9. Juni, wenn es an der Gemeindeversammlung in Reinach um die Sanierung der Sportanlage Moos geht, wird demnach nicht nur über Geld entschieden, sondern auch, ob die Bevölkerung seinem Fussballclub das Vertrauen schenkt.
Remo Conoci
KOMMENTAR
Chancen
Vor bald 24 Jahren traf der damals frisch fusionierte FC Menzo Reinach erstmals in einem Oberwynentaler Derby auf den FC Gontenschwil und velor vor 250 Zuschauern 0:3. Für Gonti trafen Markus Marbacher, Kevin Sollberger und Marcel Peter. Menzo-Trainer Rolf Rippstein warf nach diesem Spiel das Handtuch und der nachgerückte Assistenztrainer Roland Bolliger schaffte den Ligaerhalt gerade noch. Ex-Profis wie Sven Lüscher, Remo Senn oder Dany Bolliger spielten in den 2010er-Jahren im Wynental und etwas später präsidierte mit Annemarie Fries erstmals eine Frau einen Wynentaler Fussballclub, den FC Menzo. Auch damals gab es Freude und Frust, aber keine Polizeieinsätze.
Heute wirkt alles anders, distanzierter. Die Menzo-Torschützen beim 3:2 im diesjährigen Derby heissen Epikad Tafa, Dardan Gashi, Matteo Pitzalis und Maurizio De Icco. In der Abwehrkette von Menzo spielen Erlon Jasharaj, Avni Hasanramaj, Sebastjan Nuhi und Erdon Nivokazi, die Trainer beider Clubs, Avni Hasanramaj und Albert Gashi sind weiterhin im Amt. Das sei dem sogenannten «sozio-gesellschaftlichen Wandel» geschuldet, kann man zum Thema lesen. Das bedeutet, dass die Struktur, Kultur und Funktion einer Gesellschaft sich verändern, unter anderem, und anhand der vorgängig genannten Namen offenbar, wegen der Migration.
Viele führen die Ereignisse im April 2025 auf diesen Wandel zurück. Keiner will es laut aussprechen, aber die Auflösung des Clubs wäre für manche kein Desaster gewesen. Doch so einfach ist es nicht. Man kann die Struktur einer Gesellschaft nicht von Namen ableiten, sondern von dem, wie sich die Menschen, die hier leben, verhalten. Das hat man beim FC Menzo Reinach eine Zeit lang stark vernachlässigt, doch mit einer Auflösung wäre es nicht getan gewesen. Verbände und Gemeinden gehen mit dem FC Menzo Reinach einen anderen Weg. Diese Chance hat sich der Club mit seinem Verhalten während des letzten Jahres verdient. Der «sozio-gesellschaftliche Wandel» ist nun mal einfach eine Realität.
Remo Conoci


