Feldgrille – Konzert in der Magerwiese
11.06.2026 RegionFeldgrillen sind sehr wärmebedürftig und bevorzugen daher trockene, schütter bewachsene Böschungen, Randstreifen von Feldfluren und trockene Brachflächen. Sie gehören zu den über 100 Heuschreckenarten in der Schweiz. Die ca. 2 cm grosse Feldgrille ist ...
Feldgrillen sind sehr wärmebedürftig und bevorzugen daher trockene, schütter bewachsene Böschungen, Randstreifen von Feldfluren und trockene Brachflächen. Sie gehören zu den über 100 Heuschreckenarten in der Schweiz. Die ca. 2 cm grosse Feldgrille ist schwarz und bullig, mit kugeligem Kopf und bräunlichen, schwarz geäderten Flügeln. Die Weibchen sind an ihrer langen, schlanken Legeröhre zu erkennen.
Trotz ihrer Flügel können Feldgrillen nicht fliegen. Die Tiere sind auch keine «Grashüpfer», aber flinke Läufer. Auf ihrem Speiseplan stehen Gräser und Kräuter, dazu kleinere Insekten und deren Kadaver. Feldgrillen ihrerseits sind willkommene Happen für grössere Vögel, Reptilien und Säugetiere wie Füchse, Spitzmäuse oder Hauskatzen.
Die Feldgrille ist bekannt für ihr musikalisches Talent: Ihr unermüdlicher, vielstimmiger Gesangswettbewerb dominiert von den ersten warmen Frühlingstagen bis in den August hinein so manches Wiesenkonzert. Es sind die Grillenmännchen, die mit lautem Zirpen versuchen Weibchen anzulocken und Nebenbuhler zu übertönen und abzuschrecken. Die Männchen zirpen, indem sie die Vorderflügel rasch gegeneinander bewegen. Eine Membran an der Flügelbasis verstärkt den Klang wie ein Lautsprecher.
Vor der selbst gebauten Höhle legen die Männchen einen kleinen Vorplatz an, den sie laufend von Gräsern und Steinen befreien. Dieser dient den Männchen sowohl als Bühne für die musikalischen Darbietungen als auch als Arena für Rivalenkämpfe. Die angehobenen Flügel und der Eingang zur eigenen Wohnröhre dienen als Schalltrichter. So ist der Gesang in offenem Gelände fast 100 Meter weit zu hören. Sobald sich ein fremdes Männchen auf den Platz wagt, stimmt der «Hausherr» einen schrillen Rivalengesang an. Reicht die akustische Drohung nicht aus, so schlagen sich die Kontrahenten ihre langen Antennen um die Köpfe, sie schubsen und beissen, bis einer der beiden das Feld räumt.
Die Grillenweibchen selbst sind stumm. Sie nehmen den Lockruf mit ihren winzigen, schlitzförmigen Hörorganen in den Vorderbeinen wahr. Mit einem grossen und kleinen Trommelfell kann das paarungsbereite Weibchen den Partner bis zu zehn Meter Entfernung orten, um ihm dann zielsicher entgegenzulaufen. Überzeugt seine Darbietung, krabbeln sie dem Partner entgegen. Sobald sich das Weibchen nähert, wechselt das Männchen schlagartig das Thema und umwirbt die Angebetete mit leisem Liebesgeflüster. Er besteht aus kurzen Impulsen, die in unregelmässiger Folge und mit unterschiedlicher Lautstärke abgegeben werden.
Feldgrillen paaren sich häufig vor dem Höhleneingang eines Männchens. Die Weibchen legen danach ihre Eier in die Erde ab, wo sie sich selbst überlassen bleiben. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die kleinen Larven, die ihren Eltern ähneln, aber noch keine Flügel tragen. Die Feldgrillenlarven vagabundieren den Sommer über umher, fressen und häuten sich bis zu zehnmal. Erst im Herbst graben sie sich eine Wohnröhre und verbringen als Larven den Winter.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts nimmt die Fläche artenreicher, magerer Blumenwiesen in unserer Landschaft jedoch ab. Gründe dafür sind zum einen die Intensivierung der Landwirtschaft, zum andern der Landbedarf für Verkehrswege und Überbauungen an manch sonniger Lage. Vielerorts ist das Zirpen der Feldgrille deshalb verstummt. So leben heute viele Populationen quasi auf Restinseln, was die an sich häufige Art verletzlich macht, da sie als flugunfähiges Insekt einen kleinen Bewegungsradius zur Ausbreitung in neue Territorien hat.
Ernst Hofmann, Unterkulm

