«Für mich unvorstellbar, Reitnau ohne Bergrennen»
25.06.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, ReitnauAm kommenden Sonntag findet in Reitnau die 57. Ausgabe des Bergrennens statt. Zum dritten Mal in Folge wird es von drei Männern organisiert, die schon als Kinder mit leuchtenden Augen am Streckenrand standen. Die diesjährige Ausgabe könnte entscheidend Einfluss auf die ...
Am kommenden Sonntag findet in Reitnau die 57. Ausgabe des Bergrennens statt. Zum dritten Mal in Folge wird es von drei Männern organisiert, die schon als Kinder mit leuchtenden Augen am Streckenrand standen. Die diesjährige Ausgabe könnte entscheidend Einfluss auf die Zukunft des Bergrennens haben.
«So lange, wie ich denken kann». Marc Buchser, Roger Lehner und Alain Martin geben die exakt gleiche Antwort auf die Frage, wie lange sie beim Bergrennen schon dabei sind. Die drei sind in Reitnau aufgewachsen und sind mit dem Dorf verwurzelt, wie das Bergrennen selbst. Als Kinder standen sie am Streckenrand mit leuchtenden Augen und sagten sich: Das will ich auch mal machen.
Eine Woche ohne viel Schlaf
Eine gewisse Routine habe sich im dritten Jahr ihrer Vorstandstätigkeit etabliert, sagt Marc Buchser. «Wir haben Partner, die seit Jahrzehnten dabei sind und die Abläufe funktionieren sehr gut». Natürlich passiere immer etwas Unerwartetes, aber sie können auf grossartige Unterstützung zählen, nervös mache sie der Anlass nicht. «Eher müde» räumt Roger Lehner ein. «Vom Dienstag vor dem Rennen, bis Dienstag nach dem Rennen sind wir den ganzen Tag auf Platz, da kommen wir nicht zu sehr viel Schlaf.» Die Energie tanken alle drei aus ihren Erlebnissen mit dem Bergrennen. Stellvertretend für alle drei sagt Lehner: «Wir sind hier zuhause, sind mit dem Bergrennen aufgewachsen, am Anfang als begeisterte junge Zuschauer, später als Helfer. Marc und Alain haben am Bergrennen Reitnau mehrmals als aktive Rennfahrer teilgenommen.» Und als es immer wieder Diskussionen über die Zukunft der Rennen gab, soll Marc Buchser im Scherz gesagt haben: Dann organisieren wir es eben. «Reitnau ohne Bergrennen wäre für mich unvorstellbar gewesen, als Kind freute ich mich ein halbes Jahr vorher schon darauf.»
Der Rest ist Geschichte. Nach den Ausfällen während Corona zog sich der ACS als Durchführer der Rennen zurück, dem Bergrennen drohte das Aus. Doch da leuchteten sie wieder, die Augen von Marc, Roger und Alain und sie gründeten am 1. Juli 2023 um exakt 18.18 Uhr einen neuen Verein im Schützenhaus ob Reitnau mit dem neuen Partner, der «Equipe Bernoise».
Eine Ausdehnung auf anderthalb Renntage ist fast ein Muss
Das Bergrennen sei schon eine Erfolgsgeschichte, ja, jedoch auch eine, die jedes Jahr neue Herausforderungen bringt. «Einerseits kämpfen wir um jeden Franken, damit wir den Anlass durchführen können. Ist es zu heiss oder regnet es, bleiben die Zuschauer aus. Mindestens 3000 zahlende Besucher müssen es laut Budget sein, sonst droht ein Minus. «Im ersten Jahr regnete es am Morgen, letztes Jahr war es sehr heiss und wir erreichten diese Zahl gerade so.»
Dazu kommt: «Bei vergleichbaren Anlässen wird an zwei Tagen gefahren. Dadurch können die Fahrer drei Rennläufe bestreiten, wobei die zwei besten Zeiten in die Wertung fliessen. Das ist an einem eintägigen Rennen nicht möglich.» Es sei inzwischen so, dass Fahrer aus genau diesem Grund auf eine Teilnahme in Reitnau verzichten. «Unsere Absicht ist es, in einer möglichen 58. Ausgabe während anderthalb Tagen, also ab Samstagnachmittag zu fahren. Die Bewilligung dafür läge seitens Gemeinde Reitnau vor, das wäre auch für die Region ein Vorteil, weil viele Teilnehmer hier übernachten würden.
Wäre, könnte, würde − da stecken noch sehr viele Konjunktive im letzten Satz. Warum ist das so? «Wir haben ein 15-köpfiges OK und um die 300 Helferinnen und Helfer, die während Tagen im Einsatz stehen. Vereinsmitglieder von Turnverein, Musikverein und der Jugendruppe betreiben zum Beispiel eigenständig ihre Beizli», erklärt Alain Martin. Es gehe nur, wenn alle mitmachen und wenn durch den Zuschauerzuspruch die Einnahmen generiert werden. Marc Buchser ergänzt: «Manchmal müssen wir auch ein Risiko eingehen, etwas Neues ausprobieren. Dieses Jahr wird erstmals überhaupt, oben beim Schützenhaus, kein Festzelt mehr stehen. Die Feierlichkeiten finden stattdessen in der Mehrzweckhalle statt. «Wie das ankommt, wo wir stehen, und ob wir eine 58. Ausgabe durchführen können, wissen wir erst nach dem diesjährigen Rennen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Bergrennens wird danach zeitnah fallen, denn schon nach den Sommerferien ginge die Planung wieder los.»
An der Begeisterung von Marc Buchser, Roger Lehner und Alain Martin fehlt es ganz bestimmt nicht: «Wenn wir es ’präschtieren’ können, wollen wir weiter machen», sagt Marc Buchser, auch im Wissen, dass es schwierig wäre, einfach so neue Organisatoren zu finden. «Der Aufwand ist enorm, der ehrenamtliche Teil riesig, aber es macht uns ebenso viel Freude», sagt Buchser und zeigt sich stolz, dass es ihnen gelingt, am kommenden Sonntag schon ihre dritte Ausgabe durchzuführen. «Da gab es schon Leute, die uns das nicht zutrauten.»
Das Programm
Am Sonntag, 28. Juni geht es auf der Strecke um 6.30 Uhr mit den ersten Trainingsfahrten los, entsprechend ist die Bergstrasse für alle anderen Verkehrsteilnehmer komplett gesperrt. Um 11 Uhr wird ein Gottesdienst abgehalten, ab 12 Uhr starten die Rennen. Rennfahrer-Beiz und Festbetrieb in der Mehrzweckhalle sind bereits am Freitag und Samstag, jeweils ab 19 Uhr in Betrieb. Die Siegerehrungen finden ebenfalls hier statt. Parkplätze sind an der Hauptstrasse, im Mooshof und auf Wiliberger Seite ausreichend vorhanden und gut ausgeschildert, Tickets können an der Kasse auch via Twint bezahlt werden.
Remo Conoci

