«Fragen zu stellen fällt leichter, als sie zu beantworten»
01.10.2026 Reinach, MenzikenSchreiben, ohne dafür benotet zu werden – was so gut klingt, machten Marie Nienaber, Jasmin McCrorie und Jeanine Häusermann möglich. Acht Jugendliche entdeckten ihre Fähigkeiten im literarischen sowie im journalistischen Schreiben. Die entstandenen Artikel finden ...
Schreiben, ohne dafür benotet zu werden – was so gut klingt, machten Marie Nienaber, Jasmin McCrorie und Jeanine Häusermann möglich. Acht Jugendliche entdeckten ihre Fähigkeiten im literarischen sowie im journalistischen Schreiben. Die entstandenen Artikel finden sich auf dieser und den folgenden Seiten.
Red. Am Anfang einer jeden Geschichte steht das Kennenlernen. Die beiden Redakteurinnen des Wynentaler Blattes haben nicht nur einen Altersunterschied von 20 Jahren. Auch ihre journalistischen Anfänge waren sehr verschieden. Melanie Köchli hat ihren Berufsweg mit einer Lehre als Hochbauzeichnerin begonnen. «Doch auch nach dem anschliessenden Englischstudium fühlte ich mich noch nicht angekommen.» Mit dem Praktikum in der Digital-Redaktion der Aargauer Zeitung öffnete sich eine Tür. «Das eigene Schreiben machte mir Freude. Und auch die Arbeit mit anderen Texten fand ich spannend. Als dann später die Stelle beim Wynentaler Blatt ausgeschrieben war, habe ich mich beworben und voilà.» Verständiges Nicken der Teenager.
Etwas schwerer fiel es, sich vorzustellen, wie sich das Handling einer mechanischen Schreibmaschine anfühlt. «Ich habe vor mehr als 30 Jahren mit einem Text über die Lesung von Federica de Cesco angefangen», schilderte Graziella Jämsä. Der Auftrag sei von der Bibliothekarin gekommen und habe ihr klargemacht: Schreiben kann Teilen bedeuten. «Ich fand den Gedanken schön, anderen Menschen, die vielleicht nicht denselben Einblick bekommen wie ich, Wissen anzubieten.» So folgte nach Matur, Auslandsaufenthalt und Sekretariatsausbildung das Diplomstudium am Medienausbildungszentrum (MAZ) Luzern.
Genug des Zuhörens, einer wichtigen Fähigkeit im journalistischen Alltag. Es ging an den zweiten Arbeitsschritt für die künftige Geschichte: Das Recherchieren. Melanie Köchli hatte einen «Wegweiser» für diese und die folgenden Aufgaben verfasst. «Wenn ich Marie Nienaber richtig verstanden habe, hat sich die Themenfindung erledigt. Ihr schreibt über Workshops eurer Kollegen?» Wieder zustimmendes Nicken. «Das heisst, jetzt sammelt ihr mögliche Fragen. Alles, was euch interessiert, zählt.»
Kein Richtig oder Falsch
Tipps für die Gesprächsführung, dann die Rückkehr an den Schreibtisch vors weisse Blatt beziehungsweise den leeren Bildschirm. «Es gibt kein Richtig oder Falsch, um mit dem Schreiben anzufangen. Die einen schwören auf den Titel. Ich selbst weiss nie im voraus, was meine Inspiration für mich bereithält.» Zum Abschluss des Nachmittags stellten sich die beiden Redakteurinnen als Übungspartner zur Verfügung – die Jugendlichen durften Fragen stellen. «Wer war die spannendste Person, die sie kennengelernt haben?» «Für mich war es sicherlich Federica de Cesco. Die Jugendbuchautorin hat meine Jugendzeit sehr geprägt. Und mein Schwerpunkt blieb die Kultur – Musiker oder Moderatoren, deren Arbeit ich schätzte», blickte Graziella Jämsä zurück. Melanie Köchli fügte hinzu: «Die persönlichen Interessen prägen die Wahrnehmung, in meinem Fall sind es Sportler aus dem Bereich Kunstturnen.»
«Wie viel arbeiten Sie?» «Oh, eine geregelte Arbeitszeit gibt es definitiv nicht.» Die beiden Redakteurinnen sahen sich an und lachten unisono. Melanie Köchli präzisierte: «Konzerte, Gemeindeversammlungen, Jugendfeste – das findet immer dann statt, wenn die meisten Menschen Feierabend oder frei haben. Es ist aber auch das Interessante im Leben. Also sind wir im Einsatz.»
«Wird man als Journalist reich?» «Was genau meinst du mit reich?» wollte Graziella Jämsä wissen. Melanie Köchli liess die Philosphie im ersten Moment aussen vor. «Nein, reich wird man nicht. Man kann seine Rechnungen zahlen und Ferien sind auch mal möglich. Aber die Millionen auf dem Konto suchst du bei mir vergebens.» Graziella Jämsä widersprach nicht. Aber beide Frauen waren sich einig: «Es ist ein Job, der nie langweilig wird.
Immer neue Menschen, neue Sachverhalte – man hat nie ausgelernt.» Mittlerweile hatten sich die Köpfe gefüllt - die Redakteurinnen kehrten an ihre Schreibtische zurück. Auf dem Weg stellten sie fest: «Fragen zu stellen fällt leichter, als sie zu beantworten. Sich zu erklären ist vielschichtiger, als einem im Alltag bewusst ist.»
Auch kreativ durften sich die Schülerinnen und Schüler betätigen. Die
Texte dazu finden Sie via QR-Code oder unter:
wynentaler-blatt.ch/ sonne-geht-auf-derhimmel-wird-klar


