Gemeindeammann Hannelore Zingg tritt zurück
18.06.2026 LeimbachZum Schluss der Gemeindeversammlung in Leimbach erklärte Gemeindeammann Hannelore Zingg-Hoffmann ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat. Zuerst wollte sie sofort zurücktreten, bleibt nun aber, bis eine Nachfolge gefunden wird. Auch in der Finanzkommission gibt es mit Monika ...
Zum Schluss der Gemeindeversammlung in Leimbach erklärte Gemeindeammann Hannelore Zingg-Hoffmann ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat. Zuerst wollte sie sofort zurücktreten, bleibt nun aber, bis eine Nachfolge gefunden wird. Auch in der Finanzkommission gibt es mit Monika Maurer einen «Rücktritt per Ersatz».
An der Einwohnergemeindeversammlung von Leimbach traten die verhandelten Geschäfte schnell in den Hintergrund, als Hannelore Zingg-Hoffmann zum Ende der Versammlung den 41 Stimmberechtigten mitteilte, ihre Demission eingereicht zu haben. Der Rücktritt ist vom Kanton bereits bewilligt, er erfolgt aus gesundheitlichen Gründen. Die 66-Jährige schiebt den Rücktritt dennoch auf, bis eine Nachfolge gefunden wird, dies auf Bitte des Präsidenten des Gemeindeverbands Martin Süess, wie Hannelore Zingg später dem Wynentaler Blatt verraten wird. So oder so, der Zeitpunkt des Rücktritts kommt überraschend, dennoch war er nicht ganz auszuschliessen.
Dazu muss man folgendes wissen: Hannelore Zingg gehört dem Gemeinderat seit 2017 an und führt seit 2022 das Amt des Gemeindeammanns mit viel Herzblut aus. Sie sei «jederzeit korrekt, konsensbereit und lösungsorientiert gewesen, ihr Auftreten empathisch und herzlich», sagte etwa Fiko-Mitglied Monika Maurer in einem Votum. Als Zingg das Amt antrat, sassen mit Thomas Hunziker und Benno Woodtli zwei für sie wichtige Wegefährten im Gemeinderat. Besonders Woodtli, der ebenfalls im Jahr 2022 das Amt des Vizeammanns antrat, sei für sie ein wichtiger Rückhalt gewesen, sagte die 66-Jährige gegenüber dem Wynentaler Blatt: «Benno ist in meiner gemeinderätlichen Arbeit immer eine wichtige Stütze gewesen. Ohne ihn hätte ich das Amt damals gar nicht antreten wollen.» Sowohl Hunziker wie auch Woodtli traten jedoch in den letzten Monaten aus beruflichen Gründen von ihren Ämtern zurück, nur wenige Wochen nach den Gesamterneuerungswahlen. «Ja, das Ausscheiden der beiden begünstigte meine Entscheidung zurückzutreten», räumt «Mimi» ein, wie Frau Gemeindeammann von allen liebevoll genannt wird.
Fusionsabklärungen sind eine Belastungsprobe
In den letzten Monaten folgte im Dorf ein regelrechter Wahlmarathon, der erst am vergangenen Wochenende mit dem Einzug von Lars Henschel in den Gemeinderat ein Ende gefunden hat. Durch die vielen Wechsel im Gremium ging nicht nur viel Erfahrung verloren, auch kritische Stimmen, zum Beispiel bezüglich der Fusion mit Reinach, finden mehr Gewicht. Der Umgangston scheint rauer geworden zu sein, wenn man den im Verlauf des letzten halben Jahres, hinter vorgehaltener Hand gemachten Bemerkungen Glauben schenken will.
Die zurücktretende Frau Gemeindeammann verzichtete während dem offiziellen Teil der Gemeindeversammlung auf weitere Äusserungen zu ihrem Rücktritt. Ganz anders Monika Maurer, die seit 2018 Mitglied der Finanzkommission ist: «Meine Befürchtungen aus früheren Gesprächen haben sich bestätigt. Es tut mir sehr leid, dass du auf diese Art und Weise von deinem Amt Abschied nehmen musst», sagte sie in ihrem Votum. Man müsse daran denken, dass sie, Hannelore Zingg, das Amt des Gemeindeammanns gar nicht haben wollte. «Doch du hast aus grossem Pflichtgefühl, aus Loyalität gegenüber deinen Ratskollegen die Herausforderung angenommen und du hast es super gemacht.»
Auch Maurer zieht die Konsequenz aus Ereignissen, die nur zwischen den Zeilen herauszuhören waren: «Nach der letzten Gemeindeversammlung haben mir Aussagen und Anschuldigungen zu schaffen gemacht. Die Entwicklungen, die in der Gemeinde und im Gemeinderat stattgefunden haben und schliesslich in der Demission von Mimi gipfelten, kann ich als Bürgerin und Mitglied der Finanzkommission nicht unterstützen.» Sie trete deshalb ebenfalls «per Ersatz» zurück.
Unerfahrener Gemeinderat
Mit Lars Henschel (seit Juni 2026), Philipp Alber (seit März 2026) und Monika Bruderer (seit November 2025) gehören drei unerfahrene Mitglieder dem Gemeinderat an. Patrick Meyer-Baumgartner ist mit Wahl im Oktober 2021 bald der dienstälteste Gemeinderat. Mit den angekündigten Abgängen steht Leimbach eine grosse Herausforderung bevor. Die Gemeinde steckt mitten in der Fusionsabklärung mit Reinach. Sollten diese scheitern, wird das Dorf eigenständige Lösungen finden müssen, um den wachsenden finanziellen Belastungen Herr zu werden. «Ich glaube weiterhin an einen Zusammenschluss mit Reinach», sagte Hannelore Zingg gegenüber dieser Zeitung. Bis eine Kandidatin oder ein Kandidat für die Ammann-Nachfolge gefunden ist, wird sie sich auch weiterhin mit dieser Thematik beschäftigen, «und die beste Lösung für das Wohl aller Leimbacher» anstreben, wie sie unterstreicht. Wie lange das geht, steht in den Sternen. «Ich weiss noch nicht einmal, ob das wirklich meine letzte Gemeindeversammlung war», so Hannelore Zingg. Der Termin für die Ersatzwahl zur Besetzung der frei werdenden Sitze im Gemeinderat und in der Finanzkommission wird zeitnah publiziert.
Die Einwohnergemeindeversammlung war nach 45 Minuten beendet, die vier behandelten Traktanden wurden alle einstimmig genehmigt. Ein fünfter Punkt kam erst gar nicht zur Diskussion. Der Kreditantrag für den Bau einer Strasse im Wald wurde vom Gemeinderat zurückgezogen, weil sich das Vorhaben als nicht zonenkonform erwiesen hat.
Remo Conoci



