Gemeinderat verzichtet auf alle 54 Parkfelder
05.11.2026 MenzikenSeit gut vier Monaten ist das Parkierungsreglement der Gemeinde Menziken in Kraft, doch die neuen Regeln können aktuell nicht durchgesetzt werden, weil die Beschilderungen noch nicht montiert wurden. Grund dafür sind 25 Einwendungen gegen ein Baugesuch, das die Markierung von ...
Seit gut vier Monaten ist das Parkierungsreglement der Gemeinde Menziken in Kraft, doch die neuen Regeln können aktuell nicht durchgesetzt werden, weil die Beschilderungen noch nicht montiert wurden. Grund dafür sind 25 Einwendungen gegen ein Baugesuch, das die Markierung von Parkfeldern einschliesst. Der Gemeinderat hat die Einwendungen nun in weiten Teilen gutgeheissen.
In Menziken gilt seit dem 1. Juli 2026 ein Parkierungsreglement, das im Wesentlichen regelt, welche Fahrzeuge auf öffentlichem Grund wie lange abgestellt werden dürfen. Dabei wird Menziken in die Gebiete A und B unterteilt. Weiter steht im Reglement geschrieben, dass das Parken auf den Quartierstrassen nur auf markierten Parkfeldern erlaubt ist.
Die Umsetzung des Reglements ist jedoch ins Stocken geraten, wie Gemeinderat Jörg Stalder gegenüber dem Wynentaler Blatt bestätigt: «Aktuell können Fahrzeuge weiterhin überall abgestellt werden, wenn daneben drei Meter Platz für die Durchfahrt zum Beispiel von Rettungsfahrzeugen bleiben.» Die Erklärung dafür ist recht einfach: «Solange die neuen Einschränkungen nicht ausgeschildert sind, sind Lenker nicht hinreichend informiert und können demnach auch nicht gebüsst werden.» Um Schilder aufzustellen, braucht es eine verkehrspolizeiliche Bewilligung. Der Gemeinderat wollte zwei Fliegen auf einmal erwischen und stellte zwei Anträge im gleichen Gesuch.
Erstens: 5 Tafeln, um die Parkzone A auszuschildern, 40 Tafeln, um die Parkzone B auszuschildern und 140 Tafeln, um Privatstrassen auszuschliessen, auf denen das Parkierungsreglement nicht gilt. Kostenpunkt: 150’000 Franken. Hierzu gab es eine Einwendung gegen die Platzierung des Schildes «Zonensignal Gebiet B» an der Maihusenstrasse, «die im aufgelegten Plan auf der falschen Strassenseite eingezeichnet war», wie Stalder einräumt. Der Gemeinderat hofft, dass man sich mit den Einwendern wird einigen können.
Einsprachen gegen neue Parkfelder
Zweitens wollte der Gemeinderat einem möglichen Parkplatz-Engpass entgegenwirken und beantragte im gleichen Verfahren die Markierung von 54 neuen Parkfeldern. Gegen diese zusätzlichen Parkfelder hagelte es jedoch Einsprachen. So viele, dass der Gemeinderat nun zurückkrebst: «Wir haben alle diesbezüglichen Einwendungen gutgeheissen, indem wir auf sämtliche zusätzlichen Parkfelder verzichten», sagt Jörg Stalder. «Wir wollen im Sinne der Bevölkerung handeln und diese sagt jetzt klar: das wollen wir nicht.»
Damit beginnt eine Frist von dreissig Tagen, während derer die gemeinderätlichen Entscheide an den Regierungsrat weitergezogen werden können. Sollte davon nicht Gebrauch gemacht werden, steht dem Aufstellen der Beschilderungen nichts mehr im Wege. Der Leiter Bau und Planung Luigi Antonuccio bestätigt: «Die Tafeln sind zwar noch nicht produziert. Sobald die Rechtskraft vorliegt, können wir die Bestellung auslösen und mit der Umsetzung beginnen.»
Automaten und Bewilligungskarten
Danach wird es nicht mehr möglich sein, auf Gemeindestrassen zu parken, wenn kein Parkfeld eingezeichnet ist. Wer sein Auto länger als die angegebene Dauer auf einem öffentlichen Parkfeld abstellen will, muss eine Gebühr bezahlen. «Das kann auf bewirtschafteten Parkanlagen mittels Automat passieren, in den Quartierstrassen mit einer Bewilligung. «Geplant ist, dass diese digital bezogen werden, das bedarf aber noch einer technischen Anpassung», erklärt Gemeinderat Stalder. Die Karten werden wohl vorerst analog in der Gemeindekanzlei abgegeben. Es gäbe auch Sonderregelungen und Spezialbewilligungen, etwa für das Gewerbe, oder wenn jemand ein Quartierfest plane. Dies werde individuell «und nach gesundem Menschenverstand» gehandhabt, verspricht Stalder.
Einsprachen gegen weitere Parkplatz-Projekte − Polizei rüstet auf
In einem separaten Gesuch wollte der Gemeinderat eine Parkzeitbeschränkung von 8 Stunden für die Parkplätze Ischlag, Stierenberg und Schützenhaus, verfügen. Auch dagegen gibt es Einsprachen. Die Einwender befürchten, dass diese Zeit bei Veranstaltungen nicht ausreicht. Auch in diesem Fall setzt Jörg Stalder auf Augenmass: «Es geht darum, Fahrzeughalter in die Verantwortung nehmen zu können, die ihr Auto tagelang dort abstellen.» Und es gibt noch ein weiteres Verfahren: Die Menziker Ortsbürger möchten bei der Waldhütte Ischlag sieben zusätzliche Parkfelder bauen. Trotz Leserbriefen, die in dieser Zeitung erschienen sind, gab es offenbar keine Einsprachen.
Nicht nur Menziken regelt das Parken auf seinen Gemeindestrassen, auch in Reinach gibt es ein solches Reglement. Der Anspruch beider Gemeinden ist, dass die Regeln durchgesetzt werden und das geht nur mittels Kontrollen. Den Auftrag dafür hat die Regionalpolizei Aargau Süd, die aufgrund zahlreicher neuer Aufgaben personell aufstocken muss.
Remo Conoci

