Glühwürmchen – leuchtende Nachtlichter
09.07.2026 RegionGlühwürmchen sind keine Würmchen, sondern Käfer und werden deshalb auch Leuchtkäfer genannt. Das Würmchen im Namen geht auf das Aussehen der Weibchen des Leuchtkäfers zurück. Bei den in der Schweiz vorkommenden Leuchtkäferarten sind die Weibchen nicht ...
Glühwürmchen sind keine Würmchen, sondern Käfer und werden deshalb auch Leuchtkäfer genannt. Das Würmchen im Namen geht auf das Aussehen der Weibchen des Leuchtkäfers zurück. Bei den in der Schweiz vorkommenden Leuchtkäferarten sind die Weibchen nicht flugfähig. Die Männchen sind flugfähig und können so ein grösseres Areal als die Weibchen erkunden.
Das Grosse Glühwürmchen ist in der Schweiz am weitesten verbreitet. Bei dieser Art leuchtet nur das Weibchen, und zwar gelblichgrün, nicht blinkend. Wo es Grosse Glühwürmchen gibt, leuchtet es deshalb nur am Boden. Das Kleine Glühwürmchen kommt bei uns am zweithäufigsten vor. Bei dieser Art leuchten auch die Männchen. Sie fliegen als grüne Funken durch die Nacht, die nach wenigen Sekunden wieder verglimmen.
Woher kommt das Leuchten der Käfer?
Das Licht entsteht, indem ein Enzym abgebaut wird (=Biolumineszenz). Die chemische Reaktion ist extrem effizient. Das helle Licht (kaltes Licht) ist eine ideale Lichtquelle mit nur 2% Verlust als Wärme, so dass die ausgestrahlte Energie 98% Licht ausmacht. Bei einer Glühbirne ist der Wärmeverlust bis zu 95%.
Paarungszeit ist Leuchtzeit. Besonders gut beobachten lässt sich das Leuchten der flugunfähigen Weibchen und fliegenden Männchen in warmen, dunklen Sommernächten im Juni/Juli zwischen 22 und 23.30 Uhr an feuchten Waldrändern, Böschungen und in naturnahen Gärten oder Parkanlagen. Die Weibchen leuchten sitzend in Bodennähe oder auf Grashalmen, während die Männchen knapp über dem Boden fliegen, wobei die Männchen des Kleinen Glühwürmchens im Flug leuchten. Sobald sich zwei gefunden haben, löscht das Paar diskret ihr Liebeslicht. Die Männchen sterben kurz nach der Paarung, die Weibchen leben noch einige Tage weiter und legen schliesslich ihre Eier unter Steinen oder Laub, an Graswurzeln oder in den obersten Schichten des Waldbodens. In der Regel schlüpfen die Larven je nach Temperatur drei bis vier Wochen nach der Eierablage. Auch die Eier und Larven erzeugen ein schwaches, grünliches Leuchten und sind dadurch gelegentlich bei Nacht zu finden. Die Larven besitzen zwei feine, punktförmige Leuchtorgane, die seitlich angebracht sind. Sie leuchten aber nur selten und schwächer als bei adulten (=ausgewachsenen) Tieren. Für zahlreiche Fressfeinde sind sie ungeniessbar und giftig, weshalb das biologische Leuchten als Warnlicht für Fressfeinde interpretiert wird. Die Larven der Leuchtkäfer ernähren sich während ihrer oft mehrjährigen Entwicklungszeit (=Metamorphose) von Nackt- und Gehäuseschnecken, die sie mit Giftbissen überwältigen.
Die ausgewachsenen, paarungsbereiten Leuchtkäfer halten sich meist im Übergangsbereich zwischen Laubwald, Hecken und Wiesen auf, der sich auch als Flugraum für die flugfähigen Männchen eignet. Leuchtkäfer besiedeln also vielfältige, naturnahe und giftfreie Lebensräume, wo die wenig mobilen Weibchen attraktive Leuchtplätze, die Larven ihre Nahrung und tagsüber Versteckmöglichkeiten finden. Das Vorkommen der Glühwürmchen gilt als guter Indikator für gut strukturierte, schneckenreiche und naturnahe Lebensräume (=Habitate).
Ein globales Problem ist die Lichtverschmutzung. Unter der Zunahme des Kunstlichts leiden neben Nachtfaltern und Fledermäusen auch die Leuchtkäfer. Auch die nachtaktiven Larven weichen beleuchteten Stellen aus. Im Siedlungsraum werden durch LED-Leuchten und günstige Solarstromlampen immer mehr Gärten und andere Flächen nächtelang beleuchtet, was für Leuchtkäfer und andere Nachttiere sehr problematisch ist.
Ernst Hofmann,
Unterkulm

