Grüsse aus Aarau und aus dem fernen Leimbach
11.06.2026 LeimbachLange mussten die Leimbacherinnen und Leimbacher auf ihr nächstes Dorffest warten. 2021 wurde es wegen Corona abgesagt. Am vergangenen Wochenende klappte es endlich wieder.
Und es war kein gewöhnliches, es war ein Jubiläums-Dorffest, wie Frau Gemeindeammann ...
Lange mussten die Leimbacherinnen und Leimbacher auf ihr nächstes Dorffest warten. 2021 wurde es wegen Corona abgesagt. Am vergangenen Wochenende klappte es endlich wieder.
Und es war kein gewöhnliches, es war ein Jubiläums-Dorffest, wie Frau Gemeindeammann Hannelore Zingg in ihrer kurzen Ansprache hervorhob. Seit 275 Jahren ist Leimbach nun offiziell ein Dorf. «Ein Leben ohne Feste ist wie eine Wanderung ohne Einkehr», sagte Zingg und forderte die Gemeinde auf, die Momente, die Begegnungen zu geniessen. «Sie sollen von Festfreude geprägt sein.»
Roland Marti
Schon vor dem offiziellen Festakt hatte die Primarschule Leimbach mit ihren verschiedenen Zirkusdarbietungen für Spektakel gesorgt. Das Festzelt war zum Bersten voll, was sich auch in der Lautstärke des Applauses nach den einzelnen Nummern bemerkbar machte. Auf der Bühne waren die Schülerinnen und Schüler in ihren bunten Kostümen die Ruhe selbst. Wer aber die Gelegenheit hatte, die jungen Artistinnen und Artisten beim Vorbereiten hinter dem Bühneneingang beobachten konnte, der sah, dass das Lampenfieber hier sehr wohl um sich griff.
Premiere für Regierungsrat Egli
Einen Gruss aus Aarau überbrachte Regierungsrat Dieter Egli. Er freute sich über die Einladung aus Leimbach. Er sei gerne hier, obwohl er gestehen müsse, dass er schon viele Male hier durch den Ort gefahren, aber noch nie ausgestiegen sei. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Leimbach nur etwa 500 Einwohnerinnen und Einwohner zählt und auch flächenmässig zu den kleinsten Gemeinden im Aargau gehört. «Als ich heute hier ausgestiegen bin, war es aber nicht die Kleinheit, die mir aufgefallen ist. Ich hatte das Gefühl: Leimbach ist ein Tiny House unter den Aargauer Gemeinden. Überschaubar, sorgfältig eingerichtet, jeder Quadratmeter zählt. Und wer hier wohnt, weiss ganz genau, es kommt nicht auf die Grösse an, es kommt darauf an, ob man sich hier daheim fühlt.» Wer diesem Dorf einen Besuch abstatte, merke ganz genau: Klein ist hier nur die Fläche, nicht der Geist, nicht das Engagement und nicht der Zusammenhalt. Leimbach habe keine Kathedrale oder kein Schloss, aber es habe eine Gemeinschaft, die zusammenhalte und ein Fest wie dieses auf die Beine stellen könne. Egli dankte an dieser Stelle dem Fest-OK, das immense Arbeit geleistet habe.
Der Regierungsrat freute sich auch über die funktionierende Demokratie, wie sie in der Schweiz und auch hier in Leimbach gelebt werde. «Demokratie ist kein Wellnessprogramm. Wir diskutieren, wir streiten miteinander, wir setzen uns zusammen und finden einen Kompromiss. Zusammenhalt heisst nicht, dass alle gleich denken. Zusammenhalt heisst, dass man trotz Differenzen beieinander bleibt.» So könne auch ein kleines Dorf sehr gross sein, wenn es Halt und Zugehörigkeit gebe.
«Das Leimbach, zu dem Sie dazugehören, das Ihre Heimat ist, dieses Leimbach wird es so immer geben. Ganz egal, in welcher organisatorischen Form dieses Dorf weiterexistiert», spielte Egli auf die mögliche Gemeindefusion mit Reinach an.
Goldtafel aus dem Elsass
Nächster Redner im Festzelt war Maurice Rueff, seines Zeichens Bürgermeister der Gemeinde Leimbach im Elsass. Er skizzierte kurz die seit 25 Jahren bestehende Freundschaft zwischen den beiden gleichnamigen Gemeinden. Er war nicht allein gekommen, eine ganze Delegation, darunter auch mehrere frühere Bürgermeister des Ortes waren angereist. Schliesslich übergab Rueff als Zeichen der Verbundenheit seiner Amtskollegin aus dem Aargau eine Tafel mit den beiden Gemeindewappen, aufwändig mit Goldblättern gestaltet.
Als wärs gestern gewesen
Nach einigen Liedern des Jodlerklubs Oberwynental setzte sich der 97-jährige Hansruedi Merz ans Mikrofon und erzählte, ohne auch nur ein einziges Mal auf seine Handnotizen zu schauen, Anekdoten aus alten Zeiten. Beispielsweise, wie eine Schnapsbrennerei für den Bau des heutigen Schulhauses weichen musste. Merz erzählte von den Turnstunden mit Lehrer Fischer oder wie viel er vom Lehrer Zimmermann gelernt habe. Der rüstige Senior erklärte, wie man alle die vielen Hunziker, Merz und Maurer im Dorf dank ihren Übernamen auseinanderhalten konnte. Und so könnte Hansruedi Merz wohl noch zu jedem damaligen Dorfbewohner den richtigen Übernamen nennen und die Geschichte dazu erzählen. Sehr emotional wurde es, als Merz detailreich vom militärischen Begräbnis eines Bekannten sprach, der 1940 im Wehrdienst gestorben war. Hansruedi Merz kämpfte mit den Tränen − und so manchem Zuhörer im Festzelt ging es genauso.
Heiterer wurde es am Nachmittag beim Kuhfladen-Bingo, das für viele Lacher und Spannung sorgte. Die fünf Kühe liessen sich zunächst Zeit und genossen die Aufmerksamkeit des Publikums. Erst nach über 20 Minuten setzte Onika den ersten Fladen, kurz darauf folgte Luanda. Damit konnten die ersten beiden Preise vergeben werden, die weiteren Gewinnerinnen und Gewinner wurden anschliessend ausgelost.
Dorffest-OK zieht positive Bilanz
Auch das schöne Wetter und die zahlreichen Besucherinnen und Besucher haben zu einer tollen Stimmung auf dem Festgelände beigetragen. Das Organisationskomitee kann auf ein gelungenes Jubiläums-Dorffest zurückblicken.
«Besonders gefreut haben uns die vielen positiven Rückmeldungen. Die Besucherinnen und Besucher schätzten das vielfältige Programm, die gute Organisation und die angenehme Atmosphäre. Erfreulicherweise verlief das Festwochenende ohne nennenswerte Zwischenfälle», zog OK-Präsidentin Yvonne Zsidi kurz nach dem Fest eine positive Bilanz.








