Handgefertigte Holzbodenschuhe immer seltener
24.09.2026 UnterkulmBrigitte und Beat Aerni aus Unterkulm gehören zu den letzten Holzbodenmachern der Schweiz: Die rund 120 Besucherinnen und Besucher konnten anlässlich des Erzähltals einen Blick über die Schultern der Aernis werfen und erlebten hautnah, wie ein Holzschuh ...
Brigitte und Beat Aerni aus Unterkulm gehören zu den letzten Holzbodenmachern der Schweiz: Die rund 120 Besucherinnen und Besucher konnten anlässlich des Erzähltals einen Blick über die Schultern der Aernis werfen und erlebten hautnah, wie ein Holzschuh entsteht.
«Ich bin baff, dass so viele Leute gekommen sind», sagte Beat Aerni. Doch die Bude sei schon gross genug, meinte er schmunzelnd. Auch die beiden Erzähltal-Botschafterinnen der Gemeinde Unterkulm, Michèle Hennig und Tatjana Wiederkehr, freuten sich über den grossen Besucheraufmarsch.
Kein Wunder, denn die Fertigung der Holzschuhe erfordert viele sorgfältige Einzelschritte und handwerkliches Geschick und ist vom Aussterben bedroht.
Die Werkstatt des «Schlarpe-Chlopfers» duftet nach einem unverwechselbaren Gemisch aus Holz, Leder und Leim. Kein Wunder, denn hier werden mit viel Handarbeit «Holzböden» produziert. Brigitte Aerni stanzt anhand eines vorgefertigten Stanzwerkzeuges das schwarze Rindsleder aus, und zwar einen Teil nach dem anderen. Zuletzt näht sie die vielen verschiedenen Leder-Einzelteile zu einem Schaft zusammen. Zudem stanzt sie auch Filzteile aus, die als Unterfütterung des Schafts benötigt werden.
Das Fussbett entsteht aus einem Stück Ahornholz
Das Fundament, das sogenannte Fussbett, entsteht aus einem Stück Holz. «Wir verwenden bei den Holzböden Ahornholz aus dem Emmental», betont Beat Aerni. Dann spannt er die Rohlinge zu zweit übereinander in eine halbautomische Kopier-Drehbank: Bei letzterem fliegen die Späne und der fünfminütige Arbeitsvorgang ist laut, doch so erhalten die Schuhe ihre Form. Anschliessend werden die Gummisohlen aufgepresst und das Fussbett geschliffen. Zum Schluss wird auf der Fräsmaschine die fertige Form hergestellt.
«Die strengste Büez ist, den Leder-Schaft mit dem Holz zu verbinden», erzählt Beat Aerni. Dabei spannt er den noch nicht ganz fertigen Holzschuh auf einen Leisten und zieht mit Zwickzange den Schaft über das Holz-Fussbett und befestigt es mit Heftklammern. Ab und zu hilft er mit dem Hammer nach.
Noch immer gibt es Leute, die «Holzböden» tragen
Es gebe auch heute noch vereinzelte Handwerker, wie beispielsweise Schlosser oder Hufschmiede, die nicht auf die bewährten Holzbodenschuhe verzichten wollen. Insbesondere solche, die auf Betonböden arbeiten müssen. Die soliden klobigen Schuhe sind langlebig und halten die Kälte der harten Böden fern.
Auch die Stadtsolothurner Fasnächtler schwören auf die schlichten, aber praktischen Holzschuhe. Nicht zuletzt auch, weil sie die Schuhe farbig und passend zum Kostüm lackieren lassen können. «Im Moment machen wir auch Muster für Fasnächtler im Schwarzwald», sagt Brigitte Aerni, die vorwiegend für das Nähen und Stanzen sowie das Büro und den Verkauf zuständig ist. Auch nach Singapur wurden schon «Holzböden» geliefert, obwohl das Porto fast die Hälfte eines Holzbodenschuhs kostete.
Geschäft bis 2030 weiterführen
Für das Ehepaar Aerni ist klar, dass sie ihren Betrieb bis ins 2030 weiterführen. Denn: Obwohl die Produktion nicht viel abwerfe, seien die Maschinen bezahlt und die Miete nicht hoch, erklärte Brigitte Aerni. Zudem seien sie beide pensioniert.
Die Hochblüte der Holzböden lag in den 80er und 90er Jahren, als sie bis zu 3000 Paar Schweden-Zoggeli hergestellt und verkauft hätten. Nun liege die Zahl bei rund 300 Paaren. Trotzdem liegt ihnen die Handwerkskultur am Herzen. Wenn der Schlarpe-Chlopfer aufhört, müssen dereinst auch die Solothurner Fasnächtler auf ihre Holzbodenschuhe verzichten und sich einen neuen Lieferanten suchen. «Ich kenne die Familie Aerni, habe aber die «Bude» noch nie gesehen, obwohl ich ein Technikfan bin und beruflich mit Maschinen zu tun hatte», meint ein Rentner bedauernd. Er ist nicht der Einzige, der vom Fertigungsprozess fasziniert ist und es schade findet, dass das Handwerk vom Aussterben bedroht ist.
Nebst den selbst hergestellten Holzschuhen verkauft die Firma auch Sicherheits- und Arbeitsschuhe, Sandalen und Clogs. Zudem reparieren die Aernis auch Schuhe.
Kathrin Aerni



