Hüterin des Glögglifroschs und anderer Amphibien
09.04.2026 ReinachDas Gebiet Waldacher unterhalb der Reinacher Waldhütte «Stierenberg» ist für Amphibien von nationaler Bedeutung. Dies, weil gerade zwei besonders gefährdete Arten von Amphibien vorkommen: die Gelbbauchunke und der Glögglifrosch (Geburtshelferkröte).
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Das Gebiet Waldacher unterhalb der Reinacher Waldhütte «Stierenberg» ist für Amphibien von nationaler Bedeutung. Dies, weil gerade zwei besonders gefährdete Arten von Amphibien vorkommen: die Gelbbauchunke und der Glögglifrosch (Geburtshelferkröte).
Im Frühling sieht man oft an den Strassen die sogenannten «Froschzäune»: grüne Kunststoffabsperrungen, die Frösche und Kröten nicht überwinden können. Bei der Suche nach einem Übergang tappen sie schliesslich sanft in eine Amphibienfalle. Tiefe Eimer, ausgelegt mit Moos und Blättern, bilden die kurzfristige Beherbergung der geschützten Tiere. Einmal – in der Hochsaison sogar zweimal pro Tag – leert Barbara Eichenberger die Amphibienfallen im Gebiet Reinacher Waldacher. Jeder Eimer muss einzeln aufgesucht, die Tiere vorsichtig in einen grossen Behälter gelegt, klassiert und über die Strasse an ihren Laichplätze, den verschiedenen kleinen Weihern und Tümpeln, ausgesetzt werden.
Staunen darf man nicht nur über die grosse Vielfalt der Amphibien, sondern auch über die Zahlen der gesammelten Tiere. Am Ostersonntag zum Beispiel wurden 10 Bergmolche und 30 Teichmolche eingefangen. Ein seltener Fadenmolch befand sich ebenfalls darunter. Unzählige Erdkröten wurden sanft am Rand der Teiche ausgesetzt. Nach kurzer Pause und einem kräftigen Sprung hüpfen die Kröten, oft auch im Doppelpack, ins Wasser. Hier werden die Eier abgelegt und anschliessend befruchtet. Bei den Fröschen hatten sie an einem einzigen Tag um die 300 Stück gezählt, ergänzte Barbara Eichenberger.
Der grösste Feind der Frösche
Auf ihrem Weg zum Laichplatz begegnen Amphibien vielen Feinden.
Bussarde und Milane kreisen regelmässig über dem Gebiet, und auch der Fischreiher kommt hin und wieder zu Besuch – ein frischer Frosch oder Molch ist für ihn ein willkommener Happen. Molche wie der Teich- oder Bergmolch können zwar gelegentlich Laich fressen, gelten aber nicht als eigentliche Laichräuber. Einer der grössten Feinde bleibt jedoch der Mensch. Im letzten Jahr wurden auf der Strasse zur Waldhütte Stierenberg unzählige Kröten und Frösche beim Überqueren der Strasse überfahren. Nach einer kurzfristigen Lösung wurde gesucht – und mit der Anfrage zur Hilfe von Barbara Eichenberger der Joker gezogen.
Nicht Osternestli, sondern Amphibien suchen
Wer Glück hat, begegnet im Naturschutzgebiet der Helferin und Hüterin über die Amphibien bei der Arbeit. Am Ostersonntag war daher nicht Eiersuche angesagt, sondern das Einsammeln der Amphibien. «Die Arbeit ist sehr vielfältig und interessant», ergänzt Barbara Eichenberger auf die Frage, ob die Tätigkeit auch Spass mache. Auch ihr Sohn Jeremias hilft wenn möglich an den Wochenenden beim Einsammeln. Man spürt, wie wichtig ihm die Natur und die Tiere sind. Wenn viele Tiere unterwegs sind, dauert das Einsammeln und Zählen gut eine Stunde.
Neben der wichtigen Schutzarbeit erlebt Barbara Eichenberger auch viele schöne Momente. «Die Begegnungen mit interessierten Spaziergängerinnen und Spaziergängern bereichern die Arbeit sehr», erzählt sie. Noch bis in den Mai hinein wird sie täglich unterwegs sein, um den Amphibien das Ablaichen möglichst gefahrlos zu ermöglichen.
Glögglifrosch (Geburtshelferkröte) Alytes obstetricans
• Status: Stark gefährdet (Rote Liste)
• Besonderheit: Männchen trägt die befruchteten Eier wochenlang um die Hinterbeine.
• Ruf: Klingt wie kleine Glöckchen.
• Laichzeit: April–Juni.
Gelbbauchunke Bombina variegata
• Status: Stark gefährdet, national prioritäre Art
• Merkmal: Gelb-schwarz gefleckter Bauch als Warnsignal.
• Lebensraum: Flache, temporäre Tümpel und Pfützen.
• Laichzeit: April–August.
Dominique Rubin


