«Ich bin Doula aus Leidenschaft»
09.04.2026 ReinachSeit 2024 arbeitet die Reinacherin Cindy Härri als Doula und begleitet Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett. Doch was macht eine Doula eigentlich? Und was sagt eine Hebamme dazu?
«Ich habe selbst zwei Kinder zur Welt gebracht und habe gemerkt, dass ...
Seit 2024 arbeitet die Reinacherin Cindy Härri als Doula und begleitet Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett. Doch was macht eine Doula eigentlich? Und was sagt eine Hebamme dazu?
«Ich habe selbst zwei Kinder zur Welt gebracht und habe gemerkt, dass eine gewisse Unterstützung fehlt», erklärt Cindy Härri im Gespräch. Als eine Freundin von ihr Mutter wurde, hat sie genau diese Unterstützung geleistet. «Mir war es nicht wichtig, das Baby zu sehen – natürlich hätte ich mich darüber gefreut, aber ich habe sie lieber unterstützt und ihr Essen vorbei gebracht.» Dass sie so bereits ein Stück der möglichen Arbeit einer Doula machte, war Cindy Härri nicht klar. Erst als sie auf Facebook über ein Video stolperte, merkte sie, dass es eine Ausbildung dazu gibt. So entschied sich die Reinacherin, sich zur Doula auszubilden und werdenden Müttern die Unterstützung zu bieten, die sie benötigen.
Seit fast zwei Jahren ist Cindy Härri mit Leidenschaft zertifizierte Doula und glaubt daran, dass jede Frau das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt hat. Dabei gestaltet sich ihre Begleitung sehr individuell. «Ob ich von Anfang Schwangerschaft dabei bin oder erst zur Geburt, es funktioniert beides gut. Das Wichtigste ist die Präsenz», sagt sie überzeugt. Dass der Begriff «Doula» in der Schweiz noch eher unbekannt ist, weiss Cindy Härri. Aber das macht ihre Arbeit nicht weniger wichtig, denn sie kümmert sich um das emotionale und körperliche Wohl einer schwangeren Frau.
Helfen, wo es nötig ist
«Wichtig sind auch Verwöhnmomente für die werdende Mutter», erklärt sie. Darum biete sie unter anderem Aromatherapie oder die Massagetechnik Rebozo an. Bei einer Rebozo-Massage wird der Körper sanft mit einem Tuch massiert, geschaukelt und entspannt. «Ich kann auch den Partner anleiten, wenn das gewünscht ist.» Sie passt sich den Wünschen und Bedürfnissen der werdenden Eltern an. Das Vorgehen ist bei jedem Paar individuell. In der Regel gibt es zuerst ein unverbindliches Gespräch, in dem die Doula und die werdenden Eltern einander kennenlernen und es wird dann geschaut, ob es harmoniert. Wenn dies der Fall sein sollte, dann wird gemeinsam entschieden, welche Betreuung benötigt oder gewünscht wird.
Speziell an einer Doula ist, dass sie genau das macht, was von der Mutter gerade gewünscht und gebraucht wird. Das kann auch mal eine Hausarbeit sein. «Ich koche gerne, daher bringe ich auch gerne etwas zum Essen vorbei», sagt Cindy Härri lachend. Auch putze sie das Bad, staubsauge oder gehe mit der Mutter spazieren. «Als Doula siehst du natürlich auch Dinge, die einer Hebamme bei einem Besuch vielleicht nicht auffallen», meint Gabriela Engel, die seit über 40 Jahren als Hebamme arbeitet. So zum Beispiel Anzeichen einer Wochenbettdepression oder von anderen Problemen. Dies liegt nicht daran, dass Hebammen nicht aufmerksam sind, sondern dass eine Doula meist mehr in das private Leben der Eltern Einblick erhält.
Keine Konkurrenz, sondern eine Unterstützung
Eine Hebamme sei sie aber keine, erklärt Cindy Härri bestimmt. Trotzdem gibt es Menschen, die meinen, eine Doula nehme einer Hebamme die Arbeit weg, denn schliesslich kümmert sich normalerweise eine Hebamme um eine schwangere Frau. «Eine Doula ist sehr wertvoll», erklärt Gabriela Engel. «In einem grossen Spital hat eine Hebamme kaum Zeit, sich um eine einzelne gebärende Frau zu kümmern.» Eine Doula, die den werdenden Eltern zur Seite steht, kann eine Hebamme entlasten. Wichtig sei aber, dass eine Hebamme eine Doula nicht als Konkurrenz wahrnehme.
«Als das aufgekommen ist, dachte ich mir, dass mir noch ein Teil meines Jobs weggenommen wird», gibt Gabriela Engel zu. Doch als sie sich mehr damit befasst hat, änderte sich ihre Meinung komplett. «Ich finde es eine super Sache, vor allem, weil viele Hebammen in Spitälern überlastet sind.»
Wer jetzt denkt, dass es keine Hebammen mehr braucht, der täuscht sich. «Die medizinischen Informationen und auch Tätigkeiten überlasse ich der Hebamme», betont Cindy Härri. Sie sei vor allem für die emotionale und körperliche Seite zuständig. Dabei geht es nicht nur um die schwangere Frau, sondern auch den Partner oder die Partnerin. «Eine Geburt kann oft sehr emotional sein», erklären Engel und Härri gemeinsam. Als Doula nimmt sich Härri auch Zeit, den Partner oder die Partnerin zu unterstützen, Fragen zu beantworten und Tipps zu geben, wie einer werdenden Mutter geholfen werden kann.
Ein gemeinsames Ziel
«Frauen möchten heute sehr selbstbestimmt gebären», erklärt Gabriela Engel. «Eine Doula kann dabei helfen, die Interessen zu vertreten.» «Ich treffe aber keine Entscheidungen für die werdende Mutter. Ich erinnere sie lediglich an den Plan und übersetze den Fachjargon in normales Deutsch», beteuert Cindy Härri. Es ist eine Zusammenarbeit und keine Konkurrenz, denn eine Hebamme und eine Doula verfolgen dasselbe Ziel: Eine möglichst gute Geburtserfahrung.
Aktuell werden die Leistungen einer Doula leider nur von wenigen Krankenkassen übernommen. Das ist ein weiterer Unterschied zu einer Hebamme. Cindy Härri ist sich auch bewusst, dass nicht jede Frau eine Doula braucht. «Aber profitieren können alle», ist Gabriela Engel überzeugt. Es ist deutlich, dass sich die beiden Frauen gut verstehen und die gegenseitige Arbeit klar schätzen. «Gemeinsam können wir Frauen besser abdecken und betreuen», sind sich die beiden Frauen einig.
Melanie Köchli
Weitere spannende Informationen zur Tätigkeit einer Doula sind unter doulacindy.ch zu finden.



