Seit etwas mehr als sechs Monaten ist Ursula Friederich Gemeindeammann von Menziken. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
«Es ist ein Unterschied, Gemeindeammann zu sein anstelle von Gemeinderat», erzählt Ursula Friederich an einem warmen ...
Seit etwas mehr als sechs Monaten ist Ursula Friederich Gemeindeammann von Menziken. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
«Es ist ein Unterschied, Gemeindeammann zu sein anstelle von Gemeinderat», erzählt Ursula Friederich an einem warmen Dienstagnachmittag schmunzelnd. «Es brauchte etwas Zeit, bis ich mich in der Rolle komplett gefunden habe.» Von Vorteil sei es gewesen, dass sie ihr Ressort Gesundheit und Soziale Sicherheit behalten konnte. «So musste ich mich da nicht auch noch einarbeiten.»
Die Tatsache, dass der Gemeinderat zu Beginn des Jahres noch nicht komplett war, machte ihren Einstieg an der Spitze des Gremiums nicht einfacher. An der Gesamterneuerungswahl im September wurde neben Ursula Friederich auch Erich Bruderer wiedergewählt. Nachdem Friederich ihn im November im Kampf um das Amt des Ammanns geschlagen hatte, reichte er seinen Rücktritt ein. Somit wurde der Menziker Gemeinderat erst im März mit der Wahl von Christian Schweizer wieder komplett.
Es habe aber zu Beginn einige lustige Momente gegeben. «Als wir in den Sitzungen zusammensassen, herrschte einfach Stille. Und dann merkte ich, dass sie alle darauf warten, dass ich die Sitzung eröffne», sagt sie lachend. «Inzwischen sind wir alle angekommen», ist sie überzeugt. Ausser ihr sind ihre vier Gemeinderatskollegen Neulinge in einem solchen Gremium. Friederich sieht darin eine Chance: «Es kann hilfreich sein, auf einem weissen Blatt zu beginnen.» Sowieso zeigt sie sich zufrieden mit der Arbeit ihrer Kollegen: «Sie haben von Anfang an Initiative gezeigt und aktiv Informationen zu ihren Ressorts besorgt. Es funktioniert gut.»
Unterstützung und Kritik
Über die Arbeit als Gemeindeammann redet Ursula Friederich sachlich, überzeugt, aber auch mit spürbarer Leidenschaft. «Es ist anstrengend. Meine Tage sind gefüllt, aber ich mache es wirklich gerne.» Sie lernt gerne neues und schätzt auch den Austausch mit den verschiedenen Menschen, die sie trifft. «Aber ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt, da sehe ich noch Verbesserungspotential», äussert sie sich selbstkritisch.
Die erste grosse Feuertaufe für den gesamten Gemeinderat ging am 10. Juni über die Bühne. «Ich war vor dieser Gemeindeversammlung schon etwas nervös», gibt Ursula Friederich zu. Sie habe sich lange darauf vorbereitet: «Ich hoffte, dass ich alle Fragen beantworten kann.» Jetzt im Nachhinein meint sie, dass es nicht so schlimm war. «Ich hatte auch das Glück, dass ich keine Traktanden verteidigen musste», schmunzelt sie. Für sie und ihre Kollegen sei es eine wertvolle erste Gemeindeversammlung gewesen: «Wir haben gespürt, dass die Bevölkerung hinter uns steht, das hat uns gutgetan und uns motiviert.»
Dass es auch kritische Stimmen und Voten gab, war für Friederich kein Problem. «Ich schätze es, wenn Menschen Sachen kritisch hinterfragen.» Das zeige, wo es noch Verbesserungspotenzial gäbe. «Ich habe auch gemerkt, dass ich dickere Haut habe als gedacht.» Trotzdem ging die Gemeindeversammlung nicht einfach so an ihr vorbei. «Ich war sehr erleichtert, in der Nacht habe ich dann doch sehr schlecht geschlafen. Es ging mir alles nochmals durch den Kopf. Ich würde sagen, dass ich auf eine gute Art schlecht geschlafen habe.»
Einen Ausblick wagt Ursula Friederich ebenfalls. In den nächsten sechs Monaten möchte sie die Gemeindestrategie fertigstellen und der Bevölkerung zeigen. «Und dann geht es darum, diese Dinge auch anzugehen. Wir brauchen eine Zukunftsplanung.»
Melanie Köchli