«Ich hätte nie gedacht, dass ich Entengeneral werde»
08.10.2026 MenzikenDas Wynental hat viele schöne Orte zu bieten, die zum Verweilen und Entspannen einladen. Bekannte Persönlichkeiten verraten dem Wynentaler Blatt, wo sich ihr Lieblingsort befindet und was sie in ihrem Leben antreibt. Für Res Mäder, ehemaliger Vizeammann von Menziken, ...
Das Wynental hat viele schöne Orte zu bieten, die zum Verweilen und Entspannen einladen. Bekannte Persönlichkeiten verraten dem Wynentaler Blatt, wo sich ihr Lieblingsort befindet und was sie in ihrem Leben antreibt. Für Res Mäder, ehemaliger Vizeammann von Menziken, ist es der Entenweiher.
Es ist ein lebendiger, aber etwas versteckter Ort, an den uns Andreas, genannt Res, Mäder mitnimmt. Umgeben von Bäumen befindet sich der Entenweiher am Rande des Waldes in Menziken. «Ich hätte nie gedacht, dass ich Entengeneral werde», sagt Res Mäder lachend, während sein Blick über die mehr als 20 Enten wandert, die es sich für den Tag im Weiher gemütlich gemacht haben. Begonnen hat alles vor ein paar Jahren, als der Weiherverein negativ in den Schlagzeilen stand. Die Tiere seien nicht artgerecht gehalten worden, hiess es damals vom Veterinärdienst des Kantons. «Ich konnte das nicht verlottern lassen», erklärt Mäder. Deswegen setzte er sich gemeinsam mit dem damaligen Gemeindeammann Erich Bruderer für den Verein ein. Mäder wurde zum Präsidenten und Bruderer zum Kassier.
Melanie Köchli
Inzwischen ist aus dem Entenweiher ein kleines Erholungsparadies geworden. «Es ist ein schöner Flecken hier», ist Mäder überzeugt. «Ich mache die Arbeit hier gerne und es ist wichtig für unsere Nachkommen. Hier sehen die Kinder die Natur von Nahem und erleben den Zyklus von Leben und Tod.» Für Mäder ist die Arbeit mit Tieren und der Natur nicht komplett fremd. Während er jahrelang als Wirt in der Region arbeitete, machte er ursprünglich eine Lehre als Landwirt. «Wir haben nur Wildenten hier.» Mal seien es mehr und mal weniger. «Sie fliegen hier hin und dann wieder weg. Heute habe ich 24 Enten gezählt. Zwölf davon sind Junge.»
Grosse Verantwortung für kleine Tiere
Die weissen Enten sind dabei ein besonderes Highlight am Entenweiher. «Die haben in der Wildnis kaum Überlebenschancen», erklärt Mäder. Doch hier, mit dem Zaun um den Weiher, haben sie ein gewisses Mass an Sicherheit. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass eine Ente von einem anderen Wildtier getötet wird. «Wir sperren sie hier nicht ein. Und wenn ein Raubvogel eine Ente packt, dann ist das der Lauf der Natur.»
Zeit für den Unterhalt des Entenweihers hat Res Mäder genügend. Seit einigen Jahren ist er pensioniert und seit Beginn 2026 ist er auch nicht mehr im Gemeinderat Menziken tätig. «Es muss gereinigt, die Tiere müssen gefüttert und die Volièren der Vögel müssen in Stand gehalten werden», erklärt er. Wer ihm zuhört, der merkt, wie viel Res Mäder am Wohlergehen der Tiere liegt. «Ich habe ein Kontrollformular erstellt, in dem die Fütterungen eingetragen werden. So kann ich geradestehen für das, was hier beim Entenweiher passiert.»
Eine besondere Überraschung
Auf Unterstützung kann Res Mäder nicht nur vom Verein zählen. Auch seine Frau Elisabeth kümmert sich liebevoll um die Enten. «Wir sind ein Team», sagt Mäder überzeugt. Dies sei schon immer so gewesen. Gemeinsam führten sie während vielen Jahren zwei Restaurants in der Region. «Sie hält mir auch den Rücken frei für meine Projekte. Ich kann nicht nur stillsitzen und daumendrehen.» Deshalb übernahm er die Organisation des 120. Nordwestschweizer Schwingfestes in 2028 in Reinach. «Danach ist aber Schluss», meint der sympathische Menziker augenzwinkernd.
Wenn er nicht Schwingfeste organisiert oder sich als «Entengeneral» um den Entenweiher kümmert, dann ist Res Mäder an diversen Anlässen in der Region anzutreffen. «Mir gefällt es, mit den Leuten zu reden und meinen Beitrag zu leisten. Und etwas zu machen, hält mich fit.» Das habe ihm auch an seiner Tätigkeit im Gemeinderat und als Wirt gefallen. «Ich war immer gefordert.»
Eine besondere Überraschung in seinem Leben war die Geburt seiner Zwillingstöchter. «Wir haben nicht gewusst, dass wir Zwillinge kriegen, bis sie auf die Welt gekommen sind», erinnert er sich schmunzelnd. «Als die erste auf der Welt war, hiess es ‘Da kommt noch eins!’» Die Töchter sind inzwischen erwachsen und haben ihre eigenen Kinder. Mit ihnen verbringt Mäder gerne Zeit, egal ob am Entenweiher oder sonst. «Ich gehe mit ihnen Töffli fahren. Ich habe nach meiner Pension eigentlich mehr Töff fahren wollen, aber habe das zu wenig gemacht. Also habe ich meinen Töff verkauft», erklärt er. «Jetzt habe ich mir halt ein Töffli gekauft und bin so unterwegs.»
Der Witzkönig und das Paradies
Res Mäder kann aus seinem Leben noch viel erzählen, so wurde er 2013 beispielsweise vom Schweizer Fernsehen zum Witzkönig erkoren. «Einen Titel, den ich bis heute noch innehabe», sagt er stolz, bevor er lachend anfügt: «Das liegt aber daran, dass sie danach nie wieder einen gekürt haben.» Auch hier hätte es ohne seine Frau nicht funktioniert. «Sie ist meine Festplatte für die Witze. Sie gibt mir ein Stichwort und ich erzähle den Witz.»
Für die Zukunft hat der Menziker Pläne. «Ich möchte einen Kurs zur Haltung von Geflügel machen.» Aktuell haben der Aktuar Heinz Grossenbacher und Dani Sommerhalder die nötigen Kurse und Bescheinigungen für die Haltung der Tiere beim Entenweiher. Mit dem Kurs möchte Mäder sein Wissen vertiefen und sich so noch besser um seine kleinen, gefiederten Schützlinge zu kümmern.
Durch den Einsatz von Mäder und seinen Vereinskollegen wurde aus dem etwas in Vergessenheit geratenen Entenweiher ein kleines Paradies. «Ich freue mich, wenn ich sehe, wie Personen hier vorbeikommen, um eine kleine Pause zu geniessen», meint er mit Blick auf den Weiher. Nach einiger Zeit beim Entenweiher wundert es niemanden mehr, warum Res Mäder diesen Ort als seinen Lieblingsort bezeichnet: das plätschernde Wasser, die frische Luft und das Rascheln der Bäume beruhigt und entschleunigt auf eine Weise, wie es nur die Natur kann.





