Im Jahre 2006 hatten Ruth Müller und Irene Morgenthaler die Idee, eine Rollstuhlgruppe ins Leben zu rufen, um den Bewohnern des Alterszentrums Schöftland, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, mehr Lebensqualität zu schenken. Sowohl beim Alterszentrum als auch beim ...
Im Jahre 2006 hatten Ruth Müller und Irene Morgenthaler die Idee, eine Rollstuhlgruppe ins Leben zu rufen, um den Bewohnern des Alterszentrums Schöftland, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, mehr Lebensqualität zu schenken. Sowohl beim Alterszentrum als auch beim Samariterverein Schöftland stiessen sie auf offene Ohren. Nun konnte das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert werden, 5404 Rollstuhlfahrten fanden bisher statt.
Seit 2006 holen Ehrenamtliche, sechs Frauen und Männer aus dem Samariterverein, einmal pro Woche Rollstuhlfahrer im Altersheim ab zu einer kleinen Ausfahrt mit Kaffeehalt. Die Leitung hatte Ruth Müller. Den Start ermöglichte der damalige Altersheimleiter Otto Zeller. Die Nachfrage war so gross, dass 2010 eine zweite Gruppe gegründet wurde, sodass nun donnerstags und freitags jeweils Rollstuhlfahrer im Dorf unterwegs sind und damit den Beteiligten einen «Happy Day» und ein bisschen Lebensqualität zurück bringen. Margrit Maurer und Sophie Krebs übernahmen bei der zweiten Gruppe die Verantwortung. Seither hat Organisation sechs Altersheimleiter miterlebt. Seit der Leitung von Thomas Zeller sponsert das Alterszentrum jeweils ein Getränk nach dem Spaziergang. Der gemeinnützige Frauenverein Schöftland und Umgebung beteiligt sich seit 2013 ebenfalls finanziell an der Aktion, aus dem Brocki-Erlös. 2016 kam Otto Zeller als Leiter zurück und gab sich erstaunt, dass die Gruppe überlebt hat. «Das müssen wir feiern!», meinte er und lud die Beteiligten zu einem feudalen Essen ein. 2022 gab Ruth Müller die Verantwortung an Ruth Krapf ab. Damit begann ein neues Kapitel der Rollstuhlgeschichte.
Regenwetterprogramm
Bei ungünstiger Witterung, wenn Ausflüge nicht möglich sind, wird im Alterszentrum gespielt, gesungen und vorgelesen. Besucht werden selbstverständlich die beiden Schöftler Jahrmärkte oder die Ausstellung bei Huplant. Zudem hat Vreni Lüscher während neun Jahren alle 14 Tage Märchen und berndeutsche Geschichten erzählt. Mitglieder der Rollstuhlgruppe haben die Pensionäre zu diesem Anlass auf den Stockwerken abgeholt und sie danach wieder «nach Hause» begleitet. Einmal pro Jahr ist Generalversammlung mit einem Abschlussessen.
Während der Pandemie konnten viele Fahrten nicht stattfinden. Damit die Bewohner trotzdem wussten, dass sie nicht allein gelassen werden, wurden Schoggistängeli und Mandarinen an sie verteilt.
Apropos: «Happy Day»
Der 22. Dezember 2018 war ein besonderer, ein sehr kalter Wintertag, ein «Happy Day» mit Röbi Koller. Er beteiligte sich an der morgendlichen Spazierfahrt, die Überraschung war riesig. Damit aber nicht genug. Ruth Müller hat in aller Stille die Sache angetrieben. Am Nachmittag ging es mit einem Spezialbus nach Luzern. Da die Rollstuhlfahrer oftmals mit ihren Wolldecken ein «Gnusch» bekamen, erhielten sie in Luzern praktische Schlupfsäcke überreicht, die heute noch gute Dienste leisten. Anschliessend zeigte die ehemalige Eiskunstläuferin Sarah Meyer mit ihren «Engeln» eine Darbietung auf dem Eis. Zum Abschluss holten diese «Engel», alles jugendliche Eiskunstläuferinnen, die Rollstuhlfahrer mit auf die Eisfläche und drehten mit ihnen Runde um Runde.
Auch zum 20-Jahr-Jubiläum fand eine Feier statt. Im Mittelpunkt standen ein ausführlicher Rückblick und ein feines Mittagessen. Die Überraschung zeigte sich vor dem Dessert in der Person der Alleinunterhalterin Theresia Bolliger, eine Ulknudel von grosser Klasse, aufgewachsen mit sieben Geschwistern auf einer Alp bei Schwarzenberg. Das zarte Persönchen – kein Mensch würde sie für eine Bauerntochter und Bäuerin halten – unterhielt nicht nur mit ihrem riesigen Akkordeon, bekannte und beliebte Lieder zum Mitsingen, sondern wusste nach jedem Stück auch ein paar Witze zu erzählen – ein weiterer «Happy Day», als Dankeschön an all die unermüdlichen «Chauffeure» der Rollstuhlfahrer.
Frieda Steffen