Infrastruktur ist gut, wenn man sie kaum bemerkt
24.09.2026 MichelsamtEinmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und ...
Einmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und Eindrücke. Den September-Beitrag liefert Andreas Wermelinger, Gemeinderat Ressort Bau + Infrastruktur.
Seit 200 Tagen darf ich das Ressort Bau + Infrastruktur im Gemeinderat Rickenbach verantworten. In dieser Zeit habe ich viele neue Themen, Orte und Menschen kennengelernt. Besonders überrascht hat mich die grosse Breite der Aufgaben. Noch mehr beeindruckt mich, wie viel Fachwissen, Erfahrung und persönliches Engagement dahinterstecken. Für mich als neuer Gemeinderat ist dieses Wissen unverzichtbar. Gute Infrastruktur fällt im Alltag meistens kaum auf. Wasser fliesst, Strassen funktionieren und Leitungen erfüllen ihren Zweck. Erst wenn etwas nicht mehr klappt, wird uns bewusst, wie viele Anforderungen und Rahmenbedingungen im Hintergrund zusammenspielen müssen.
Eine Strasse ist weit mehr als Asphalt
Ein gutes Beispiel dafür ist das laufende Strassenprojekt, das Moosmattstrasse, Rösslistrasse, Kirchweg und Florentiniweg umfasst. Die Abschnitte Rösslistrasse und Florentiniweg sind bereits fertiggestellt. Das Projekt zeigt, wie viel hinter einer Strassensanierung steckt. Denn diese ist weit mehr als bloss neuer Asphalt. Unter der Strasse liegen verschiedene Werkleitungen, darüber bewegen sich Autos, Velos und Fussgänger. Gleichzeitig sind Anstösser, Eigentumsverhältnisse, Vorschriften, Verkehrssicherheit und Kosten zu berücksichtigen. Auch während der Bauarbeiten soll der Alltag möglichst weiter funktionieren. Genau diese Koordination macht Strassenprojekte besonders anspruchsvoll.
Gerade bei solchen Projekten sind Erfahrung und Ortskenntnis entscheidend. Das grosse Wissen unseres Geschäftsführers Peter Fischer ist deshalb sowohl für mich als neuer Ressortverantwortlicher als auch für Urs Häfeli, der im Oktober als Leiter Bau + Infrastruktur startet, sehr wertvoll. Gleichzeitig helfen uns digitale Grundlagen wie Leitungskataster und generelle Entwässerungsplanung, dieses Wissen langfristig zu sichern und Investitionen besser zu planen. Vieles davon ist für die Bevölkerung kaum sichtbar. Es hilft uns aber, zu vermeiden, dass eine neu sanierte Strasse kurze Zeit später bereits wieder geöffnet werden muss. Und die nächsten Aufgaben stehen bereits an. Mit der Sanierung im Bereich Winkel, Krümmigasse bis Sagen, wartet bereits das nächste grössere Strassenprojekt.
Wasser ist nicht selbstverständlich
Noch stärker beschäftigt hat mich in meinen ersten Monaten unsere Wasserversorgung. Ich gebe offen zu: Vor meinem Amtsantritt machte ich mir wenig Gedanken darüber, was alles nötig ist, damit jederzeit sauberes Trinkwasser fliesst. Inzwischen habe ich gelernt, wie komplex das Zusammenspiel von Quellen, Grundwasser, Reservoiren, Pumpwerken und Leitungsnetzen ist. Besonders eindrücklich sind für mich die zeitlichen Dimensionen. Niederschlag, der heute fällt, braucht lange, bis er durch die Bodenschichten versickert, ins Grundwasser gelangt und schliesslich bei unseren Grundwasserfassungen ankommt. Auch Fragen rund um langlebige Stoffe und Rückstände im Grundwasser zeigen, wie langfristig Entwicklungen in diesem Bereich wirken können.
Die grosse Trockenheit dieses Sommers hat aus einem für mich neuen Fachgebiet sehr schnell eine konkrete Herausforderung gemacht. Auch in Rickenbach wurde deutlich, dass genügend Wasser nicht selbstverständlich ist. Umso mehr danke ich der Bevölkerung, welche die Aufforderung zum sparsamen Umgang mit Wasser sehr gut mitgetragen hat. Das hat geholfen
– erledigt ist das Thema damit aber noch nicht. Auch wenn sich Wiesen und Gärten nach den Niederschlägen erfreulich schnell wieder grüner zeigen, brauchen unsere Wasserressourcen mehr Zeit zur Erholung. Ein weiterhin sorgfältiger Umgang mit Wasser bleibt deshalb wichtig. Das grosse Engagement der Verantwortlichen unserer Wasserversorgungen gibt mir dabei Vertrauen. Zudem bleibt es unsere Aufgabe, die Versorgungssicherheit langfristig im Blick zu behalten und insbesondere die Auswirkungen klimatischer Veränderungen frühzeitig zu beurteilen.
Blick nach vorne
Ein weiteres Projekt der kommenden Monate ist die Neugestaltung des Friedhofs Rickenbach. Ein erster Planungsentwurf liegt vor und wird nun weiterentwickelt. Zu gegebener Zeit soll auch die Bevölkerung in diesen Prozess einbezogen werden.
Nach meinen ersten 200 Tagen im Amt sehe ich unsere Gemeinde bereits mit anderen Augen. Hinter vielem, was selbstverständlich erscheint, stecken engagierte Menschen, Fachwissen und langfristige Planung. Vieles davon geschieht im Hintergrund. Und vielleicht ist genau das am Ende das beste Zeichen: Infrastruktur ist dann gut, wenn man sie kaum bemerkt.
Andreas Wermelinger


