Insekten – Heimliche Herrscher der Welt
04.06.2026 RegionInsekten sind die erfolgreichsten Tiere unseres Planeten. Sie sind trotz ihrer Kleinheit hochkomplizierte Lebewesen, die mit fast jeder Umgebung zurechtkommen. Ihr Körperbau zeigt verblüffende technische Lösungen für die vielfältigen Aufgaben. Fast alle Insekten fliegen, ...
Insekten sind die erfolgreichsten Tiere unseres Planeten. Sie sind trotz ihrer Kleinheit hochkomplizierte Lebewesen, die mit fast jeder Umgebung zurechtkommen. Ihr Körperbau zeigt verblüffende technische Lösungen für die vielfältigen Aufgaben. Fast alle Insekten fliegen, viele können tauchen oder auf dem Wasser, an der Zimmerdecke oder an Glasscheiben laufen, sie zerkauen feste Nahrung oder saugen Säfte und Blut, bohren sich durch Holz und Sand, bauen feine Gespinste (Kokons) und betonfeste Wohnungen, bilden Staaten usw., die Vielfalt ist unübersehbar. Sie umfassen rund 2/3 der registrierten Tierarten unserer Erde. Pro Person gibt es mehr als 1 Milliarde Insekten. Aber niemand weiss, wie viele Arten es überhaupt gibt, da ständig neue entdeckt werden oder bereits ausgestorben sind.
Insekten waren die ersten Tiere, die das Land eroberten und fliegen lernten. Ihre Urahnen waren wurmförmig wie unsere Regenwürmer mit unterteilten ringförmigen Abschnitten (=Segmente) und zeigen dies heute noch während des Jugendstadiums (=Larve) als Raupen (Schmetterlinge) oder beinlose Maden (Stubenfliege). Der Begriff Larve bezeichnet das Jugendstadium der Insekten, das stark von der Form der Vollinsekten (=Imago) abweicht. Das Vollinsekt besitzt ein hartes Aussenskelett und gliedert sich in drei Abschnitte: Kopf, Brust und Hinterleib.
Die ältesten Insekten aus dem Erdaltertum vor ca. 400 Millionen Jahren waren flügellos. Sie häuten sich mehrfach, um zu wachsen, ändern ihre Gestalt aber nicht. Noch heute gibt es solche Arten wie Springschwänze oder Silberfischchen.
Erdgeschichtlich später entwickelten sich geflügelte Insekten durch schrittweise Anpassungen vom Ei über mehrere Häutungen zum ausgewachsenen (=adulten) Tier. Das Jugendsta-dium ähnelt dem adulten geflügelten Tier, ist jedoch kleiner, geschlechtsunreif und besitzt oft noch keine vollentwickelten Flügel. Man nennt diese jungfräuliche Jugendform Nymphe, be-zugnehmend auf die griechische Mythologie. Zu den ursprünglichen geflügelten Insekten zählen u.a. Heuschrecken, Libellen und Schaben.
Der Schlüssel zum grossen Erfolg der Insekten bringt die vollständige Umwandlung (=Metamorphose) mit über 80 Prozent der Insektenarten, u.a. Schmetterlinge, Käfer, Bienen, Wespen, Mücken und Fliegen. Hierbei schlüpfen aus den Eiern Larven, die in keiner Weise den erwachsenen Insekten gleichen wie die Nymphen. Die Larve ist eine ausschliesslich auf Wachstum angelegte Fressmaschine und besteht lediglich aus einem Mund und einem Verdauungssystem. Ihre einzige Aufgabe besteht darin zu fressen, sich mehrfach zu häuten, um zu wachsen. Sie häutet sich ein letztes Mal als Larve und verwandelt sich dann in eine unbewegliche, hilflose Puppe. Innerhalb der Puppe löst sich das Gewebe der Larve völlig auf und wird von Grund auf umgebaut. Es bilden sich Flügel, Beine, Augen, Fühler und alle Körperteile des adulten Insekts. Die Aufgabe des adulten Tieres besteht darin, Nachkommen zu zeugen. Über ihre Flugfähigkeit und hochentwickelten Sinnesorgane finden sie den passenden Partner und die geeignete Futterquelle für die Larven. Ist das Lebenswerk vollbracht, leben die adulten Insekten oft nur noch wenige Tage oder einige Stunden, wie Eintagsfliegen oder Leuchtkäfer.
Was wäre unsere Welt ohne Insekten? Ein Grossteil unserer Nahrung ist direkt oder indirekt von der Bestäubung der Insekten abhängig. Sie sind ein wichtiges Glied in der Nahrungskette für Vögel, Fledermäuse, Amphibien oder Fische. Raubinsekten übernehmen die Aufgabe von Pestiziden, indem sie Schädlinge fressen. Insekten zersetzen Abfälle, Kot und Leichen. Sie sind mitentscheidend für die Bodenfruchtbarkeit, indem sie Nährstoffe freisetzen, die Pflanzen wieder aufnehmen können. So ist jedes Insekt ein Rädchen im ökologischen Netzwerk und sorgt dafür, dass unser Planet bewohnbar bleibt.
Ernst Hofmann, Unterkulm

