Kanton Aargau arbeitet am Velonetz der Zukunft
09.07.2026 Region, UnterkulmGemeindevertreter der Mitgliedsgemeinden von aargauSüd regio trafen sich im Juni in Unterkulm zu einem vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt organisierten Workshop.
Wie soll das Velowegnetz im Wynenund Seetal künftig aussehen? Wo bestehen ...
Gemeindevertreter der Mitgliedsgemeinden von aargauSüd regio trafen sich im Juni in Unterkulm zu einem vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt organisierten Workshop.
Wie soll das Velowegnetz im Wynenund Seetal künftig aussehen? Wo bestehen Lücken, welche Verbindungen sind ungenügend und wo braucht es mehr Sicherheit? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein regionaler Workshop des Kantons Aargau in Unterkulm. Eingeladen waren sämtliche zwölf Mitgliedsgemeinden von aargau-Süd regio, elf davon nahmen teil und brachten ihre Ortskenntnisse in die laufende Revision des kantonalen Velonetzes ein.
Der Kanton Aargau überarbeitet derzeit sein gesamtes Velonetz. Hintergrund sind unter anderem die Vorgaben des seit 2023 geltenden eidgenössischen Veloweggesetzes sowie die veränderten Anforderungen an den Veloverkehr. Ziel ist die Überprüfung und gezielte Weiterentwicklung der bestehenden Verbindungen. Dabei sollen Lücken geschlossen, Linienführungen optimiert und die Sicherheit erhöht werden.
Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten einbeziehen
Im Mittelpunkt des Workshops stand das sogenannte Alltagsvelonetz. Dieses umfasst jene Verbindungen, die täglich für den Arbeitsweg, den Schulweg oder zum Einkaufen genutzt werden. Das Freizeitvelonetz mit touristischen und landschaftlich attraktiven Routen wird in einem separaten Verfahren bearbeitet.
«Es ist toll, dass der Kanton die Gemeinden und vor allem aargauSüd regio in den Prozess mit einbezieht», sagt Emil Huber, Vorsitzender der regionalen Kerngruppe und ehemaliger Gemeindeammann von Unterkulm. Die lokalen Kenntnisse seien für die Planer von grossem Wert. «Es kamen sehr viele und gute Inputs von den Teilnehmenden.»
E-Bikes und Lastenvelos verändern die Bedürfnisse
Gerade in einer ländlich geprägten Region wie dem Wynen- und Seetal unterscheiden sich die Anforderungen teilweise deutlich von jenen in den städtischen Gebieten. Während erfahrene Pendlerinnen und Pendler ihre bevorzugten Routen längst kennen, seien Gelegenheitsfahrer stärker auf ein durchgängiges und gut signalisiertes Netz angewiesen. Hinzu komme, dass sich das Velofahren in den vergangenen Jahren stark verändert habe. «Die starke Zunahme von E-Bikes eröffnet neue Möglichkeiten, auch Steigungen häufiger zu bewältigen», sagt Huber. Gleichzeitig benötigten neue Fahrzeugtypen wie Lastenvelos mehr Platz auf den Verkehrsflächen.
Im Workshop zeigte sich, dass vor allem bei den Schulwegen noch Verbesserungsbedarf besteht. Besonders Verbindungen über Gemeindegrenzen hinweg seien teilweise lückenhaft oder ungenügend gesichert. Genannt wurden unter anderem die Achsen Dürrenäsch–Seon–Leutwil, Teufenthal– Unterkulm–Oberkulm sowie Gontenschwil–Reinach. Ebenfalls thematisiert wurden fehlende Verbindungen entlang des westlichen Hallwilerseeufers sowie bessere Querverbindungen zwischen Seetal, Wynental, Ruedertal und Suhrental.
Kontroverse Diskussionen gab es laut Huber kaum. «Grundsätzlich ging es darum, die Bedürfnisse aufzunehmen. Zwischen den Gemeinden und den Planern herrschte ein grosser Konsens.» Die eigentlichen Herausforderungen würden erst in den nächsten Planungsschritten sichtbar. «Der Teufel liegt dann in der Detailplanung.»
Sicherheit als Kernpunkt
Ein zentrales Thema ist die Sicherheit. Die Erwartungen der Bevölkerung an sichere Velowege seien heute deutlich höher als noch vor einigen Jahren. Mit spektakulären Neubaustrecken rechnet Huber allerdings nicht. Vielmehr werde es darum gehen, bestehende Schwachstellen zu beseitigen. «Grössere neue Varianten wird es wohl nur wenige geben. Kleinere Optimierungen wie das Schliessen von Lücken oder eine bessere und klarere Signalisation dürfen jedoch erwartet werden.»
Mitarbeit der Gemeinden erwünscht
Die Gemeinden bleiben auch in den kommenden Jahren eng in den Planungsprozess eingebunden. Zusammen mit aargauSüd regio werden sie ihre Ortskenntnisse und Erfahrungen weiterhin in die Projektbearbeitung einbringen. Bis 2027 sollen die Vorschläge fachlich vertieft und auf ihre Machbarkeit überprüft werden. Anschliessend folgen die politischen Verfahren mit Vernehmlassung sowie den Beschlüssen von Regierungs- und Grossem Rat. Sichtbare Resultate auf den Strassen dürften deshalb frühestens ab 2030 entstehen.
Für Emil Huber steht bereits heute fest, wo der grösste Nutzen liegt: «Wenn wir im Wynental und Seetal die bestehenden Lücken schliessen könnten, wäre das toll. Das würde zusätzliche Velofahrer motivieren, statt ins Auto auf den Drahtesel zu sitzen.»
Der Workshop in Unterkulm hat gezeigt, dass die Region bereit ist, ihren Beitrag dazu zu leisten. Die Grundlagen sind gelegt. Nun beginnt die anspruchsvolle Arbeit, aus den zahlreichen Hinweisen ein Velonetz zu entwickeln, das den Bedürfnissen der Bevölkerung auch in Zukunft gerecht wird.
Roland Marti

