Auf dem Dürrenäscher «Chnübel» fand die gemeinsame Bundesfeier von Dürrenäsch und Leutwil statt. Als Festredner konnte der Verkehrs- und Verschönerungsverein SVP-Nationalrat Andreas Glarner gewinnen. Während seiner Rede gab es keinen einzigen ...
Auf dem Dürrenäscher «Chnübel» fand die gemeinsame Bundesfeier von Dürrenäsch und Leutwil statt. Als Festredner konnte der Verkehrs- und Verschönerungsverein SVP-Nationalrat Andreas Glarner gewinnen. Während seiner Rede gab es keinen einzigen Knall und auch das Höhenfeuer wurde nicht entzündet.
Vor drei Jahren reichte die Ankündigung Roger Köppels als Festredner für eine Kontroverse: Wochen vor seinem Auftritt auf dem Chnübel schlug dieser sich auf die Seite Putins, was die SP Kulm dazu bewegte, die Dürrenäscher Bundesfeier mittels Flugblatt zu boykottieren. Das Resultat ist bekannt: Köppel wurde im Festzelt von einem Rekordaufmarsch an Menschen wie ein Superstar empfangen – wahrscheinlich nicht wegen seiner Sympathie zu Putin als vielmehr für seine direkte Art, die beim Volk gut ankam.
Eine ähnliche Situation gab es vor der diesjährigen Bundesfeier, nachdem der Besuch von Nationalrat Andreas Glarner bekannt wurde. Der Politiker macht immer wieder mit Aussagen und mit umstrittenen Aktionen auf sich aufmerksam, etwa als er ein KI-generiertes Video erstellte und verbreitete, das eine Nationalratskollegin verunglimpfte. Flugblätter gegen einen Auftritt gab es aber dieses Jahr keine, ein Schelm, wer nun sagt, es seien deshalb weniger Menschen auf den Chnübel gepilgert als damals bei Köppel.
«Gepilgert» ist dabei die richtige Bezeichnung. Das Parken auf den trockenen Feldern wurde von den Organisatoren wegen der Brandgefahr verboten, weshalb man den Weg auf den Dürrenäscher Hausberg zu Fuss oder mittels Shuttle-Bus bewältigen musste. «Aus diesem Grund hatten wir die Befürchtung, dass weniger Leute an der Feier teilnehmen werden», sagte OK-Chef Christian Käser. Doch seine Befürchtungen waren unbegründet. Die im und um das Zelt aufgestellten Festbänke waren sehr gut gefüllt.
Handzahmer Andreas Glarner
Der Nationalrat Glarner zeigte sich bei seiner Festrede bestens gelaunt. Er hob die Souveränität des Schweizer Volkes hervor und unterstrich, dass die Errungenschaft der Selbstbestimmung auf keinen Fall aufgegeben werden dürfe. Er unterstrich dies mit unerwartet sanften Tönen: «Miteinander Reden ist eine der wichtigsten Eigenschaften in unserem Land. Zuhören, eine Lösung finden.» Humorvoll verglich er die 473 Wörter aus dem Bundesbrief, die früher gereicht hätten um alles zu regeln, mit den abertausenden Gesetzen, die heute nötig seien. «Mit dem Rahmenabkommen kommen weitere 10’000 Rechtsakte dazu, die keiner gelesen hat» − die diesbezügliche Botschaft des SVP-Politikers ist unmissverständlich. Es sei deshalb wichtig, dass man selber zu sich schaue. «Dieses Band hält uns zusammen. Wenn wir die Wurzeln verlieren, verlieren wir die Heimat. Tragen wir Sorge zu ihr.»
Nach Glarners Rede zeigte sich OK-Chef Christian Käser erleichtert: «Immerhin wurde ich an einer GV des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Dürrenäsch zum Verantwortlichen gewählt, an der ich nicht einmal dabei sein konnte», lachte er. Als er Andreas Glarner eine 27 Zeilen umfassende Anfrage zukommen liess und dieser mit einem «Ich komme gerne, melde mich wieder» geantwortet habe, sei alles gut gekommen. Mit Dank an alle Helfenden des Vereins und an die Mitglieder der Musikgesellschaft Leutwil lud Käser zum geselligen Laternenumzug, der ausschliesslich mit LED-Lämpchen begangen wurde, ein. Auch abseits des Rednerpults lief alles wie am Schnürchen: Die Lösung mit dem Shuttle-Bus ebenso wie das Einhalten des Feuerverbots. Nicht eine einzige Rakete war auf und um den Chnübel herum zu sehen. Es haben sich erfreulicherweise alle an Glarners Bitte gehalten, der Heimat bitte Sorge zu tragen.
Remo Conoci