Klimaveränderung fordert Natur und Landwirtschaft
20.08.2026 RegionUnter der anhaltenden Trockenheit leidet die ganze Schweiz. Der Aargau ist dieses Jahr besonders betroffen. Auch im Einzugsgebiet des Wynentaler Blatts stellt das Fehlen des dringend benötigten Regens Bevölkerung, Tierwelt und Pflanzen vor grosse Herausforderungen.
...Unter der anhaltenden Trockenheit leidet die ganze Schweiz. Der Aargau ist dieses Jahr besonders betroffen. Auch im Einzugsgebiet des Wynentaler Blatts stellt das Fehlen des dringend benötigten Regens Bevölkerung, Tierwelt und Pflanzen vor grosse Herausforderungen.
Besonders hart trifft es unter anderen auch die Gemüsebauern, welche die Versorgung der Bevölkerung mit frischen und gesunden Nahrungsmitteln sicherstellen. Ein Blick in verschiedene Hofläden der Region zeigt zwar weiterhin frisches Gemüse, doch die gewohnte sommerliche Vielfalt ist eingeschränkt. Wasser und kühles Wetter liebende Arten wie Fenchel, Blumenkohl und andere Kohlarten fehlen. Als Folge der grossen Hitze und Trockenheit werden sie holzig, fleckig oder bilden keine Köpfe.
Familie Hunzikers Hofladen in Leimbach
In Hunzikers gekühltem, schön und übersichtlich eingerichtetem Hofladen zeigt Gemüsebäuerin Denise Hunziker frisch geerntete Karotten. «Aromatisch und schmackhaft sind sie, aber deutlich kleiner als in Jahren mit regelmässigem Niederschlag», erklärt sie. Auch die Kartoffeln seien dieses Jahr deutlich kleiner und der Ertrag fällt massiv niedriger aus. Täglich kommen wir mit unseren Kunden ins Gespräch bezüglich der anhaltenden Trockenund Hitzeperiode und deren Folgen auf unserem Betrieb. «Der massive Mehraufwand beim Pflanzen, Pflegen, Giessen und der Ernte bringt uns ab und zu an unsere Grenzen. Das Arbeiten in der Nachmittagshitze ist zur Zeit beinahe unmöglich. Unsere treuen Kunden haben sehr viel Verständnis und schätzen unsere Bemühungen, Tag für Tag frische Ware zu kostengünstigen Preisen zu offerieren. Dies freut uns und unsere Mitarbeitenden sehr und motiviert alle jeden Morgen aufs Neue.»
Dominique Rubin
Die starke Trockenheit ist auch ein Thema beim Schweizer Bauernverband. Auf seiner Website hält er fest, dass man sich bereits jetzt Gedanken über die Versorgungslage im Herbst und Winter macht. Die möglichen Qualitätseinbussen beim Lagergemüse durch Hitze und Trockenheit bereiten ebenso Sorgen wie die hohen Produzentenkosten, verursacht durch den Fremdbezug von Wasser und den grossen Aufwand des Bewässerns und der Pflege. Dies bestätigt auch Familie Hunziker: Die Bewässerung sei sehr arbeitsintensiv und müsse gut geplant werden, da sie auf ihrem Betrieb vor allem am Abend und der Nacht erfolge. Familie Hunziker freut es sehr, dass für ihren Betrieb eine grosse Bereitschaft zwischen den Landwirtschaftsbetrieben und Privaten da ist, überschüssiges Wasser aus Quellen und Brunnen zu Bewässerung der Gemüsekulturen bereitzustellen. Sogar Gemeinden wären bereit, im Notfall nach Möglichkeit begrenzt Wasser aus dem öffentlichen Netz zur Verfügung zu stellen.
Bereits vor Jahren haben Hunzikers auf die klimatischen Veränderungen reagiert und mit innovativen Ideen den Wasserverbrauch im gesamten Betrieb stark reduziert. Dazu gehört eine moderne Tröpfchenbewässerung in den Folientunnels. Zusätzlich im Frühjahr gesammeltes Wasser hilft, in regenarmen Monaten Engpässe auszugleichen. Dies zahlt sich jetzt aus.
Freilandkulturen für Grossverteiler besonders betroffen
Ganz anders ist die Lage für Gemüsebauern, die für Grossverteiler produzieren und auf grosse Freilandflächen angewiesen sind. Dort ist eine flächendeckende Bewässerung oft unmöglich, viele Kulturen geraten unter Trockenstress. Besonders problematisch: Die Konsumenten verlangen gleichbleibende Grössen und Qualität bei tiefen Preisen, was die Detailhändler mit normierten Vorgaben bei den Produzenten durchsetzen. So gelangt ein Teil der Ernte trotz guter Qualität nicht ins Ladengestell. Wie Untersuchungen zeigen ist es schwer, dass der Konsument sein Verhalten ändert. Die Zukunft wird es aber weisen, ob dies so bleibt.
Der indirekte Schaden ist enorm: zusätzlich benötigtes Wasser aus der Grundwasserversorgung kostet viel Geld. Angesichts der Lage fordert der Schweizer Bauernverband politische Massnahmen wie zinsfreie Notkredite und höhere Produzentenpreise. Er weist zudem darauf hin, dass in Trockenjahren der gezielte Einsatz zusätzlicher bewilligter Pflanzenschutzmittel nötig sein könnte, da geschwächte Kulturen anfälliger für Schädlinge und Pilzbefall sind und neue Krankheiten vorkommen könnten.
Blick in den Winter
Die Versorgung im Winter wird zur Herausforderung: Viele Kulturen bleiben zu klein oder vertrocknen, was eine deutlich geringere Herbsternte erwarten lässt. Reicht das Schweizer Gemüse nicht bis zum Frühling, öffnet der Bund die Grenzen und senkt Importzölle. Doch auch ganz Westeuropa kämpft mit Trockenheit, weshalb die Lücken nicht beliebig gefüllt werden können. In letzter Instanz stehen Pflichtlager der Landesversorgung bereit, die zumindest die Grundversorgung sichern.
Wie reagieren die Grossverteiler?
Die Grossverteiler bestätigen auf Anfrage die schwierige Lage der Landwirtschaft. Während sich die Migros grundsätzlich an die Qualitätsnormen des Schweizer Gemüseverbands hält und Ausnahmen nur je nach Erntesituation und in Absprache prüft, betont Lidl, dass direkt beim Produzenten entschieden werden müsse, wenn das Gemüse die Vorgaben nicht erfüllt. Preisentwicklungen liessen sich nicht pauschal beurteilen, da sie stark von Erträgen und Branchenrichtlinien abhängen. Beide Unternehmen verweisen auf innovative Ideen gegen Food Waste – etwa die Migros Linie «Save Food» oder die Rettersäckli von Lidl.




