Klingende Geschichten aus nächster Nähe
07.05.2026 ReinachEinige schreiben Geschichten mit Worten, andere zeichnen sie und wiederum andere erzählen sie in Melodien. So beispielsweise komponieren Ruedi Lehnherr, Peter Klaus, Peter Frey und Enrico Fischer. Vergangenes Wochenende erhielt das Publikum Einblick in ihre Arbeiten.
Der Auftakt war klangvoll: Das Publikum lauschte den Werken der regionalen Musiker zu. Bravourös präsentiert wurde das Programm von den Klarinettisten des ClarinArt Ensemble, bestehend aus Sven Bachmann, Eveline Eichenberger und Wenzel Grund. Die Arrangements und Stücke waren eigens für das Klarinetten-Trio geschrieben. Enrico Fischer schrieb das Stück «Ad Absurdum», Peter Frey schrieb für das Trio das Intermezzo und Peter Klaus arrangierte das Werk «Guggisberg». Beim Stück «Arlecchino» von Ruedi Lehnherr, welches er für seine italienische Lehrerin an der Kantonalen Schule in Aarau geschrieben hatte, entfachte im Publikum die Neugier. Wie war das mit der italienischen Lehrerin?
Dies erfuhr das Publikum im anschliessenden Salongespräch. Die Moderatorin Sabine Bachmann, die Tochter von Peter Frey, nahm ihren Vater und die drei anderen Künstler mit auf die Bühne und wollte es wissen. Was sind die Herausforderungen beim Komponieren? Was inspiriert sie?
Vier Komponisten ganz nah
Sabine Bachmann erinnerte sich an die beginnende Zusammenarbeit mit Enrico Fischer: «Wir wurden als junge Musiker Jahr für Jahr von ihm engagiert. Nach dem dritten kam unverhofft eine Mail von Enrico Fischer, in dem stand, dass er uns noch Geld überweise. Da wurde uns klar, dass wir in den vergangenen drei Jahren nie über eine Gage nachgedacht hatten.» Wer die passionierte Akkordeonspielerin kennt, weiss: Eine nicht untypische Geschichte für die sympathische Musikerin. Humorvolle Anekdoten wie diese liessen im Saal eine familiäre Atmosphäre spürbar werden und zogen das Publikum in den Bann.
Enrico Fischer, Gründer und Leiter der Capella dei Grilli verrät: «Ich will schon lange eine Oper komponieren. Aber ich komme nicht dazu, ständig muss ich putzen oder den Rasen mähen.» Aus dem Publikum sind herzhafte Lacher zu hören. Momente, die zeigen, wie nahbar die Künstler nach all den Jahren geblieben sind.
Peter Frey kommt zwar nicht unbedingt das Rasen mähen dazwischen, doch lässt seine Herangehensweise auf andere Art starke Nerven erahnen. Sabine Bachmann und ihr Vater erinnern sich an ein bestimmtes Stück: «In Eile» entstand in Eile. Am Samstagabend war das Konzert und am Nachmittag hatte ich noch keine zweite Stimme», erzählt Peter Frey. Die Moderatorin fügt hinzu: «Ja, und den Titel hattest du bis dahin auch noch nicht.» Beim Austausch mit Peter Frey wird klar, die Leidenschaft zur Musik hat er Sabine Bachmann wohl in die Wiege gelegt. Seit Kindesbeinen gehörte das Orchesterleben so zu ihrem Leben. Der über 80-jährige unterrichtet heute noch. «Auch im höheren Alter kann man musikalisch Fortschritte machen. Ich unterrichte jemanden, der bereits 70 Jahre alt ist», erzählte Peter Frey ermutigend.
Auf die Frage, was die Herausforderung, erstmalig ein Intermezzo für das ClarinArt Ensemble zu schreiben war, antwortet er augenzwinkernd: «Naja, meiner Tochter und meinem Schwiegersohn ‹nein› zu sagen.»
Genaues Hinhören lohnt sich
Peters Klaus arrangierte das Stück «Guggisberg» für das Klarinettentrio. Dazu erklärt der renommierte Dirigent, Arrangeur und Komponist: «Ich habe für heute Abend noch eine zweite Melodie geschrieben. Wer genau hinhörte, bemerkte, dass obwohl alle das gleiche Instrument spielten, jedes einzelne leicht anders klang. Das ist der Reiz.» Im Salongespräch lüftete Ruedi Lehnherr die angedeutete Geschichte seines Stücks für die italienische Lehrerin: «Sie kam einmal auf mich zu und sagte mit ihrem südländischen Temperament: ‹Reissen Sie sich zusammen.› Ich mochte sie sehr, aber ich hatte viel Respekt vor ihr. Jahre später sah ich sie wieder und sie sagte: ‹Rodolfo, wenn ich sterbe, musst du mir ein Stück schreiben.›» Dies tat er und sorgte dafür, dass Sie es noch zu ihren Lebzeiten hören konnte. «Sie war eine kleine Frau mit grossem Herz», fügte Ruedi Lehnherr berührt hinzu.
Wohl hätte das Publikum noch lange zuhören können. Doch der Abend neigte sich bereits wieder dem Ende zu.
Mit einem kräftigen Applaus wurden die vier Herren der Noten verabschiedet. Musikalisch, wie der Abend begann, schloss das ClarinArt Ensemble mit einem arrangierten Stück von Georg Friedrich Händel mit einer letzten melodischen Geschichte den Abend.
Janine Flückiger


