Einen Standort finden, die Möglichkeiten der Elektrik prüfen, Genehmigungen beantragen, Helferinnen und Helfer suchen – einen öffentlichen Kühlschrank stellt man nicht einfach an der Strasse ab. Doch in Seengen gibt es jetzt einen an der Kirchenmauer beim Eingang ...
Einen Standort finden, die Möglichkeiten der Elektrik prüfen, Genehmigungen beantragen, Helferinnen und Helfer suchen – einen öffentlichen Kühlschrank stellt man nicht einfach an der Strasse ab. Doch in Seengen gibt es jetzt einen an der Kirchenmauer beim Eingang zum Friedhof. Was es mit diesem auf sich hat, verraten Katharina Wengenmaier-Frey und Katharina Thieme, Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde.
Die Menschen sind neugierig. Als Katharina Wengenmaier-Frey und Katharina Thieme zum ersten Mal Schokolade und Tomatensauce im Schrank unterbringen, bleiben mehrere Passanten stehen. «Kann hier jeder Lebensmittel vorbeibringen?» «Ja, was man zuhause nicht mehr braucht und was sonst kaputt gehen würde, kann man hierher bringen.» «Gilt das für alles?» «Nein, schon zubereitete Speisen sind nichts für «Madame Frigo». Aber schauen Sie … », Katharina Wengenmaier-Frey verweist auf die Listen im Inneren des Schrankes, «hier ist alles genau aufgeschrieben.» Verständiges Nicken. «Das ist gut zu wissen.»
Eine WhatsApp-Gruppe
Die beiden Organisatorinnen freuen sich sichtlich, dass es nach einem Jahr Vorbereitung endlich losgegangen ist. «Und wir sind dankbar», fügen sie fast unisono hinzu. Denn je mehr Zeit vergangen sei, umso mehr Unterstützung hätten sie erfahren. Beispielsweise hätte es für die Platzierung in der denkmalgeschützten Umgebung nicht der typische knallgelbe Madame-Frigo Kühlschrank sein dürfen. Es brauchte etwas Eigenes. Ein erfolgreiches Crowdfunding sicherte die Finanzen, bevor ein ehemaliger Konfirmand Katharina Thiemes sich zusammen mit seinem Vater an den Bau eines Möbels machte. Helferinnen und Helfer fürs regelmässige Ordnung machen, seien schnell gefunden gewesen. Lokale Unternehmen wie VOI, Volg und Bio Expert haben zugesagt, überschüssige Ware in den Kühlschrank zu stellen. «Gefragt sind aber jeder und jede von uns.» In Seengen hat das Madame-Frigo-Konzept ausserdem einen technischen Mitspieler erhalten: Das Handy. «Wer sofort erfahren möchte, wenn neue Lebensmittel in den Kühlschrank gekommen sind, kann unserer WhatsApp Gruppe beitreten», erklärt Katharina Wengenmaier-Frey. Der QR-Code sei auf Flyern sowie am Schrank selbst zum Scannen bereit. «Wenn möglichst jeder, der etwas hineinlegt ein Foto vom Kühlschrank-Inhalt macht und in den Chat stellt, ist immer klar, was drin ist.»
Wie rege das Angebot genutzt wird, oder wie sorgsam der Umgang mit der Einrichtung ist, darüber wollen sich die beiden Frauen zum Start keine Gedanken machen. «Wenn man sich von Angst bremsen lässt, kann sich nichts bewegen», sagt Katharina Wengenmaier-Frey. «Trial and Error», fügt Katharina Thieme hinzu. «Man muss einfach mal probieren. Anpassen, ändern und Schlüsse ziehen kann man immer noch.»
Graziella Jämsä
Mehr Informationen zu den öffentlichen Kühlschränken in den einzelnen Gemeinden auf www.madamefrigo.ch