«Man lernt laufend dazu»
03.09.2026 Seetal, LeutwilDie Suche nach einem neuen Mitglied ist keine leichte Aufgabe, dessen ist sich der Gemeinderat wohl bewusst. Genau darum legt man Wert auf Kommunikation. Gemeindeammann Lukas Spirgi spricht mit Graziella Jämsä vom Wynentaler Blatt über den Beginn seines politischen ...
Die Suche nach einem neuen Mitglied ist keine leichte Aufgabe, dessen ist sich der Gemeinderat wohl bewusst. Genau darum legt man Wert auf Kommunikation. Gemeindeammann Lukas Spirgi spricht mit Graziella Jämsä vom Wynentaler Blatt über den Beginn seines politischen Engagements, Motivation und was man für einen Start im Amt überhaupt braucht.
Sie sind 2019 als Gemeinderat gewählt worden und haben sich nur zwei Jahre später als jüngster Gemeindeammann im Kanton zur Verfügung gestellt, warum? Was hat Sie an diesen Ämtern gereizt?
Lukas Spirgi: Im Jahr 2019 wurden mehrere Sitze im Leutwiler Gemeinderat frei. Ich war damals schon politisch interessiert und dachte mir, das ist jetzt die Gelegenheit, mich selbst einzubringen. Also habe ich die zehn nötigen Unterschriften gesammelt und das Formular bei der Gemeinde abgegeben. Ehrlich gesagt wusste ich damals noch gar nicht genau, was auf mich zukommen würde.
Erst im Amt habe ich gemerkt, wie vielfältig und interessant die Arbeit im Gemeinderat ist. Vorher war mir zum Beispiel gar nicht bewusst, wie komplex die Wasser- und Abwasserversorgung eines Dorfes ist oder wie viele baurechtliche Fragestellungen eine Gemeinde beschäftigen. Viele Aufgaben der Gemeinde nimmt man im Alltag kaum wahr. Im Winter steht man morgens auf und die Strassen sind geräumt. Dass dahinter ein organisierter Pikettdienst mit funktionierender Stellvertretung steckt, sieht man als Einwohner meist nicht. Auch wie eng die Zusammenarbeit mit dem Kanton ist und wie stark viele Aufgaben der Gemeinden durch kantonale Vorgaben geprägt sind, war mir vorher nicht bewusst. Im Gemeinderat beschäftigt man sich also mit sehr unterschiedlichen Themen, die das Dorf direkt betreffen. Genau diese Vielfalt hat mir gefallen. Deshalb habe ich mich zwei Jahre später auch für das Amt des Gemeindeammanns zur Verfügung gestellt. Ich bin sehr froh, dass ich mich damals für diesen Schritt entschieden habe.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Vielfalt der Aufgaben im Amt schreckt. Der Satz «Das kann ich doch nicht» wird in Gesprächen nicht selten fallen. Was sagen Sie bei solchen Bedenken, wie würden Sie die Betreffenden ermutigen?
Lukas Spirgi: Viele fachliche Aspekte lernt man erst im täglichen Geschäft als Gemeinderätin oder Gemeinderat. Man kommt mit sehr unterschiedlichen Themen in Kontakt – mit rechtlichen, politischen, finanziellen und strategischen Fragen. Dabei lernt man laufend dazu und wird von der Verwaltung fachlich unterstützt. Man muss also keine Angst haben, wenn man zu Beginn noch nicht in allen Bereichen Erfahrung mitbringt. Das hatte ich damals auch nicht.
Wichtiger sind für mich die menschlichen Fähigkeiten. Man sollte gerne im Team arbeiten, sich auf die anderen Meinungen einlassen und auch Entscheide akzeptieren können, die man selbst vielleicht eher anders gefällt hätte. Etwas Geduld und die Fähigkeit, Sitzungsunterlagen schnell zu lesen, sind sicher ebenfalls von Vorteil. Aber vieles entwickelt sich mit der Zeit.
Vielleicht bekommt eine Leserin oder ein Leser dieses Artikels Lust, in der Gemeinde mitanzupacken. Wie müssten er oder sie vorgehen, was sind die nächsten amtlichen Schritte?
Lukas Spirgi: Im ersten Wahlgang sind alle stimmberechtigten Leutwilerinnen und Leutwiler wählbar. Die Wahl findet am 27. September statt. Um im ersten Wahlgang gewählt zu werden, muss das absolute Mehr erreicht werden. Da die offizielle Anmeldefrist bereits abgelaufen ist, wird auf den Wahlzetteln für den ersten Wahlgang kein Name vorgedruckt sein. Wer sich für das Amt zur Verfügung stellen möchte, sollte deshalb im Dorf bekannt machen, dass er oder sie kandidiert, damit die Stimmberechtigten wissen, wen sie wählen können.
Wer sich vorstellen kann, im Gemeinderat mitzuwirken, sollte sich ruhig einen Ruck geben. Manchmal beginnt politisches Engagement ganz unkompliziert mit dem Entscheid: Ich probiere es einfach.
Graziella Jämsä

