Mit gemeinsamer Strategie kann die Zukunft kommen
30.04.2026 SeetalEine Generalversammlung ist nicht per se spannend. Findet sie aber auf dem Hallwilersee statt und wird gleichzeitig ein Geburtstag gefeiert, dann sieht das schon anders aus.
«Angefangen hat alles am 26. Oktober 1996 im Gasthof Bären in Seengen», schilderte ...
Eine Generalversammlung ist nicht per se spannend. Findet sie aber auf dem Hallwilersee statt und wird gleichzeitig ein Geburtstag gefeiert, dann sieht das schon anders aus.
«Angefangen hat alles am 26. Oktober 1996 im Gasthof Bären in Seengen», schilderte Ulrich Steinmann, der zu den Gründungsmitgliedern von Seetal Tourismus (SST) gehört. Zusammen mit Martin Kaufmann, dem letzten Präsidenten des Verkehrsvereins Hochdorf, und Romy Bacher, Leiterin Nachhaltigkeit beim Schweizer Tourismus-Verband stand er während eines Podiums im Mittelpunkt des Interesses.
«35 Vertreter von Behörden, Banken, Firmen und andere Organisationen haben sich damals zusammengetan, um die gemeinsamen touristischen Interessen ihres Gebietes zu wahren und gezielt zu förder n.» «Gab es Reaktionen von aussen auf dieses sogar kantonsübergreifende Projekt», wollte Moderator und Vorstandsmitglied SST Adrian Remund wissen. Ulrich Steinmann schmunzelte: «Ja, viele fragten, warum wir den Tourismus fördern wollten, es gäbe an den Wochenenden doch schon genug Menschen rund um den See.» Da und dort hörte man leises Lachen, die Äusserung hatte sich über all die Jahre gehalten. «Aber wir wollten die Touristen unter der Woche anlocken. Beispielsweise mit einem Radweg rund um den See …» Das Amusement wurde lautstark. Adrian Remund verwies optimistisch Richtung Zukunft: «Lassen Sie uns darüber in 30 Jahren noch einmal reden.»
Barrierefreiheit
Wie bis dahin das Stichwort Nachhaltigkeit mit Inhalten gefüllt werden könnte, darüber sprach Romy Bacher. «Wichtig ist sicher als erster Grundsatz, dass man Tourismus nicht von der Wirtschaft entkoppeln darf.» Sie nannte als Beispiel die Barrierefreiheit: «Ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung lebt mit einer Beeinträchtigung.» Und diese seien zu einer grossen Prozentzahl altersbedingt. «Betrachtet man jetzt die demographische Entwicklung in der Schweiz, wird klar, dass diese Menschen auf sozialer wie auch auf wirtschaftlicher Ebene eine grosse Rolle spielen. »
Seetal Tourismus hat das Thema Nachhaltigkeit bereits fix in die Zukunftsplanung integriert. Als Projektpartner von Luzern Tourismus in Sachen «LUNA: Luzern nachhaltig» engagiert sich Seetal Tourismus insbesondere bei Themen, die für den Tagestourismus von grosser Relevanz sind. Bereits umgesetzt wurde die stärkere Sichtbarkeit nachhaltiger Mobilität: Die Anreise mit dem öV wird auf der Website prominenter dargestellt und beworben. Oder wie es Podiumsgast Martin Kaufmann ausdrückte: «Es wäre schön, wenn mehr Gäste das Auto zu Hause lassen würden, wo wir doch so gut erreichbar sind.» Aktuell ist es das Ziel, barrierefreie Angebote im Seetal zu erfassen und sichtbar zu machen.
Gemeinsame Strategien
Ebenfalls auf dem Plan für 2026 steht die Umsetzung der Leistungsvereinbarung, die Seetal Tourismus gemeinsam mit den Luzerner Landregionen, der Luzern Tourismus AG sowie der kantonalen Dienststelle für Raum und Entwicklung getroffen hat.
Nach der Ablehnung einer tourismuspolitischen Motion im Kanton Aargau wurde unter der Leitung von Aargau Tourismus ein neues Tourismusleitbild erarbeitet. Seetal Tourismus wirkte gemeinsam mit weiteren Regionen und der kantonalen Standortförderung daran mit. Ein zentrales Anliegen ist die Stärkung und finanzielle Unterstützung der regionalen Tourismusorganisationen. Das Leitbild befindet sich aktuell in Prüfung; die Verabschiedung sowie die Unterzeichnung einer Charta sind für 2026 vorgesehen.
Um diese und weitere Entwicklungen zu managen, braucht es Personal. Lisbeth Langenegger hat die Assistenz Administration übernommen. Ab 1. Mai wird ausserdem Christelle Schmid für Kommunikation und Gästebetreuung zuständig sein. Und auch wenn sich diese Erweiterung im Personalaufwand niederschlägt, wird für das laufende Jahr von einem Gewinn in Höhe von 3195 Franken ausgegangen. Das Budget ist bewusst vorsichtig geplant. Aber mit den flüssigen Mitteln in Höhe von 49776.05 Franken besteht eine gesunde Grundlage. Dank der stabilen Einnahmen aus Mitglieder- und Sponsoringbeiträgen des Aargauer Seetals sowie der Unterstützung durch den Kanton Luzern steht den nächsten 30 Jahren Seetal Tourismus also nichts im Wege. Und die lebhaften Gespräche beim Apéro auf dem Oberdeck zeigten, die Grenzen der Vernetzung sind noch lange nicht erreicht.
Graziella Jämsä

