Oktoberfest
24.09.2026 RegionLandauf, landab wird wieder gefeiert, sich in Dirndl und Lederhosen geschmissen, o’zapft, also der Zapfhahn ins Fass gehämmert und reichlich gebechert, respektive massvoll dem Hopfensaft gehuldigt. Schon am kommenden Wochenende steigen die ersten Oktoberfeste. So sehr ich den Feiernden ...
Landauf, landab wird wieder gefeiert, sich in Dirndl und Lederhosen geschmissen, o’zapft, also der Zapfhahn ins Fass gehämmert und reichlich gebechert, respektive massvoll dem Hopfensaft gehuldigt. Schon am kommenden Wochenende steigen die ersten Oktoberfeste. So sehr ich den Feiernden ihr Vergnügen auch gönne … Ich will ja kein Partycrasher sein, aber beim Stichwort «Zapfhahn» könnte dem einen oder anderen die Festlaune bereits wieder vergehen. Denn von da ist es nicht mehr weit bis zum Spritpreis, der ja momentan alles Bisherige in den Schatten stellt und bis vor Kurzem noch unvorstellbare Höhen überklettert.
Eine Kumulation verschiedenster nationaler und vor allem internationaler Einflüsse ist für die gegenwärtig exorbitanten Spritpreise verantwortlich: Kriege und Krisen, die Ölförderanlagen, Raffinerien oder Pipelines lahmlegen sowie Handelsrouten blockieren, reduzierte Kapazitäten der Rheinschifffahrt aufgrund historisch niedriger Pegelstände. Und dass sich derzeit viele mit Heizöl für den Winter eindecken, macht sich speziell beim Dieselpreis an der Tanksäule bemerkbar.
Dabei geht’s uns in der Schweiz noch gut. Wir kommen momentan noch ohne staatliche Massnahmen zur Preisreduktion durch. In unseren Nachbarländern sind die Treibstoffpreise nur dank Steuererleichterungen, Subventionen und Preisdeckeln mit den Schweizer Preisen vergleichbar.
Ich behelfe mich beim Tanken seit Jahren eines psychologischen Tricks zur Selbstüberlistung. Ich tanke immer mit einer 20er-Note – und so kostet mich das Tanken jedes Mal gleich viel. Jedoch fällt mir auf, dass ich in letzter Zeit doch sehr häufig an der Zapfsäule stehe. Mein Trick wird wohl dann nicht mehr funktionieren, wenn ich mich mit dem getankten Benzin nicht mal mehr bis zur nächsten Tankstelle bewegen kann.
Was mich aber wundert, ist, dass kaum jemand auf die Idee kommt, dort anzusetzen, wo es wirklich einschenkt: Wieso wird immer noch vergleichsweise selten nach «Spritsparend fahren» gegoogelt? Oder wieso wird nicht vielleicht mal wieder auf die Autofahrt verzichtet? Wieso werden nicht häufiger Fahrgemeinschaften gebildet? Hier wäre dann auch schon klar, dass sich die Person, die am Steuer sitzt, vor der Heimfahrt vom Oktoberfest einen Abend lang ausgiebig und alles andere als massvoll dem Blöterliwasser zuwenden dürfte.
Roland Marti
