Personal fordert 5 Millionen für Sozialplan
03.09.2026 Wynental, MenzikenLange hat sich das Personal des Spitals Menziken zurückhaltend gezeigt, wenn es um die Aufarbeitung der Spitalschliessung ging, nun aber wollen sich 100 Unterzeichnende einer Petition Gehör verschaffen und verleihen den Forderungen Gewicht. Diese Forderungen haben es in sich: ...
Lange hat sich das Personal des Spitals Menziken zurückhaltend gezeigt, wenn es um die Aufarbeitung der Spitalschliessung ging, nun aber wollen sich 100 Unterzeichnende einer Petition Gehör verschaffen und verleihen den Forderungen Gewicht. Diese Forderungen haben es in sich: Alleine 5 Millionen sollen in einen Sozialplan-Fond fliessen wenn das Spital nicht gerettet werden kann.
5 Millionen Franken für einen Sozialplan-Fonds, darin enthalten 3 bis 6 Monatslöhne als Abgangsentschädigungen, Übernahme der Kosten für Weiterbildungen, Frühpensionierungen und Härtefallregelungen. Die Forderungen der Gewerkschaft VPOD sind massiv. Woher das Geld kommen soll ist unklar (siehe Interview Seite 9).Bevor diese Gelder verteilt würden, verlangt die Gewerkschaft ein Zurückgehen auf Feld 1: «Wenn das Spital geschlossen werden muss, dann mit einem ordentlichen Konsultationsverfahren, wie es das Gesetz vorschreibt. Das ist von der Spitalleitung nicht durchgeführt worden.»
Von Remo Conoci
Das sagt Roman Künzler, Zentralsekretär im Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD im Beisein von Angestellten des Spitals Menziken in einer kurzfristig einberufenen Medienorientierung. Es sei dies der erste Schritt, um öffentlich besser wahrgenommen zu werden. Bereits für kommenden Dienstag sei zudem eine grosse Kundgebung in Planung. «Den Schritt in die Öffentlichkeit gehen wir, weil die Verantwortlichen uns keine Antworten geben», sagt Künzler und nennt die aus seiner Sicht Verantwortlichen: Der Verwaltungsrat der Asana Gruppe, die Geschäftsleitung des Spitals Menziken und der Spitalverein Wynen- und Seetal. Und auch die Politik wird verpflichtet, insbesondere das Departement Gesundheit und Soziales.
«Ich stehe da und muss weinen»
«Ich bin schockiert über die Kaltschnäuzigkeit der Verantwortlichen, die Informationen zur Spitalschliessung so knapp vor den Sommerferien rauszulassen, ärgert sich Künzler auch über das Vorgehen der Spitalleitung Ende Juni 2026. Er vermutet, man wollte es dem Personal schwer machen, sich zu koordinieren, weil die Sommerferien ja gerade anstanden. Danachüberliess der Zentralsekretär das Wort Kathrin Maurer, Madar Suwad und Nadine Dellsperger. Es ist das erste Mal seit Bekanntwerden der Spitalschliessung, dass die Meinungen des Personals ein Gesicht bekommen.
«Wir sind hier um zu sagen, dass der Umgang mit dem Personal so nicht geht.»
Kathrin Maurer,
Angestellte Spital Menziken
Die drei Angestellten des Spitals Menziken − eine vierte Person wollte namentlich ungenannt bleiben ‒ schildern ihre Sichtweise auf das Passierte der letzten Monate und Jahre. Dabei spielen Emotionen eine wichtige Rolle: «Wir arbeiten hier zum Teil 30 Jahre, haben unser Leben der Arbeit im Spital angepasst, wir haben einander immer geholfen und waren da, wenn man uns brauchte», sagte die ungenannt werden wollende Person. Nach ihrem längeren Statement blieb es an der Medienkonferenz eine Weile ruhig und es wurde klar, dass es heute nicht nur um kalte Forderungen geht, sondern um die Rettung einer Herzensangelegenheit.
«Wir sind hier um zu sagen, dass der Umgang mit dem Personal so nicht geht», ergänzte Kathrin Maurer, die im Labor arbeitet. «Viele Betroffene wissen nicht, wie es weiter geht. Einige von uns haben vom Luzerner Kantonsspital Bescheid bekommen, unsere Qualifikationen würden nicht für eine Weiterbeschäftigung reichen.» Und das sei es dann gewesen. Gleichzeitig habe man dem Personal mit sofortiger Kündigung gedroht, wenn bei Personalausfällen nicht eingesprungen werde. «Es gibt Tage, da komme ich im Labor an, stehe da, und muss weinen», erzählt Kathrin Maurer.
Die weiteren Wortmeldungen klingen ähnlich. Anästhesiearzt Madar Suwad, seit 2015 im Spital Menziken angestellt, erinnert sich an den Tag, als das Personal für den nächsten Tag zu einer Personalinfo aufgeboten wurde. «Wir konnten uns nicht vorbereiten, wir konnten nichts sagen im Schock, es liefen Tränen, alle hatten Angst.» Seither habe man bis auf ein paar Rundschreiben von der Asana Gruppe nichts mehr gehört.
«Nichts mehr gehört», das gelte auch bezüglich dem Schreiben, das man dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung habe zukommen lassen, ergänzt VPOD-Mann Roman Künzler. «Darin haben wir die Forderungen gestellt, die wir heute öffentlich machen. Niemand hat sich die Mühe gegeben, uns zu antworten», so der Vorwurf.
Wie geht es nun weiter?
Konkret stellen die rund 100 Unterzeichnenden und der Verband VPOD diese Forderungen:
• Rücknahme des Schliessungsentscheids und Neustart des Spitals mit neuer Führung.
• einen Sozialplan-Fonds von mindestens 5 Millionen Franken für die betroffene Belegschaft. • Abgangsentschädigungen von 3 bis 6 Monatslöhnen, abgestuft nach Dienstjahren, Alter und Familienpflichten.
• finanzierte Frühpensionierungen ab 58 Jahren.
• eine verbindliche Härtefallregelung.
• 100 Prozent Kostenübernahme für notwendige Weiterbildungen, Unterstützung bei der Stellensuche und qualifizierte Arbeitszeugnisse.
«Wir erwarten Antworten von Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Spitalverein und Politik.»
Roman Künzler,
Zentralsekretär VPOD
Rund 50 der entlassenen 149 Angestellten haben einen neuen Job gefunden. Die restlichen rund 100 Angestellten, deren berufliche Zukunft noch nicht geregelt ist, verlangen quasi geschlossen einen sozialverträglichen Umgang und darüber hinaus eine für die Bevölkerung gute Lösung, um die Versorgungssicherheit in der Region zu gewährleisten.
Kundgebung am 8. September in der Halle 5737, Menziken
Die Forderungen sind nun öffentlich gestellt, die Frage ist: Wie soll es nun weiter gehen? «Wir erwarten Antworten von Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Spitalverein und Politik. Es gibt eine gesetzliche Pflicht, einen Sozialplan mit der Gewerkschaft auszuhandeln. Im Notfall werden wir juristisch vorgehen, gerade was das Konsultationsverfahren angeht. Da hat sich das Spital aus unserer Sicht gesetzeswidrig verhalten. Man muss schon sehen, jedem gekündigten Mitarbeitenden stehen zwei Monatsgehälter als Abfindung zu, weil das Verfahren nicht angemessen durchgeführt worden ist», so Künzler.
Als wahrnehmbare nächste Handlung will das Personal am Dienstag kommender Woche, am 8. September 2026 um 19 Uhr eine öffentliche Kundgebung in der Halle 5737, Bromenstrasse 20, Menziken durchführen.
Hinweis: Ein Artikel zur aktuellen Lage, in dem die Geschäftsleiterin des Spitals Menziken, Sandra Lambroia zu Wort kommt, ist im WB 35/2026 erschienen.


