«Rechnen nicht mit einer Steuererhöhung»
15.10.2026 ReinachDie Einwohnergemeindeversammlung von Reinach wird über zwei Kreditabrechnungen befinden müssen, die unterschiedlich gut abgeschlossen haben. Das vorgeschlagene Investitionsvolumen ist mit 12 Millionen Franken enorm, belastet aber nur teilweise die Steuern. Die Ortsbürger ...
Die Einwohnergemeindeversammlung von Reinach wird über zwei Kreditabrechnungen befinden müssen, die unterschiedlich gut abgeschlossen haben. Das vorgeschlagene Investitionsvolumen ist mit 12 Millionen Franken enorm, belastet aber nur teilweise die Steuern. Die Ortsbürger müssen derweil einen grossen Abschreiber hinnehmen.
Gemeinderat Philipp Härri räumte im Verlauf der Partei- und Presseorientierung ein, dass sich Reinach in einer Phase hoher Investitionen befinde. Die Nettoinvestitionen überschreiten die Selbstfinanzierung aktuell bei Weitem. Der für die Finanzen zuständige Härri erklärte, dass solche Phasen möglich sind, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, langfristig müsse es aber Ziel sein, die beiden Werte ähnlich hoch zu halten.
4,3 Millionen für die «Pfrundmatt»
Konkret wird die Einwohnergemeindeversammlung über drei Verpflichtungskredite befinden müssen. Ein grosser Brocken ist die Sanierung der Dreifachturnhalle Pfrundmatt. Seit ihrer Erstellung 1979 wurde sie noch nie im grossen Stil saniert. Gemeinderat Bruno Rudolf sagte dazu: «Die Aussenhülle muss erneuert werden, die Gebäudetechnik und elektrische Installationen sind veraltet, die Bodenheizung verursachte schon mehrfach Schäden, weil Wasser ausgelaufen ist.» Auch der Boden ist rutschig geworden, der Brandschutz und die Barrierefreiheit seien nicht mehr auf dem neusten Stand. Der Handlungsbedarf sei hoch, gleichzeitig soll die Betriebswirtschaft durch den Einbau zusätzlicher Dachfenster und einer Photovoltaik-Anlage verbessert werden. «Die Solaranlage wäre nicht auf einen maximalen Betrieb ausgerichtet, sondern soll den Stromverbrauch der Halle abdecken.»
Beantragt werden den Einwohnern 4,3 Millionen Franken, wobei man damit rechne, von diesem Betrag beantragte Beiträge in Abzug bringen zu können. Aus dem Swisslos-Fond und aus dem Topf für energetische Optimierungen könnten rund 450’000 Franken fliessen.
7,07 Millionen für eine Kanalisation
Ein noch grösserer Brocken ist die Umlegung und Erneuerung der Kanalisation Kanalstrasse bis Griensammlerstrasse. Die rund 7 Millionen Franken belasten die Steuern aber nur zu einem vergleichsweise kleinen Teil: 580’000 Franken fallen für Strassenbau und Beleuchtung an, die restlichen 6,4 Millionen Franken werden über die zweckgebundenen Wasser- und Abwassergebühren gedeckt. Die alte Kanalisation führt aktuell unter zahlreichen Liegenschaften hindurch und ist ungenügend dimensioniert. Die neuen Leitungen werden entlang der Quartierstrassen geführt, was den späteren Unterhalt deutlich vereinfacht.
560’000 Franken für Jugendarbeit
Einen dritten Antrag wird Gemeinderätin Franziska Goldenberger vortragen. Reinach soll eine Offene Jugendarbeit erhalten. Die Jugendkommission will damit auf zunehmende Integrationsprobleme reagieren und der psychischen Belastungen und sozialen Isolation der 12- bis 16-Jährigen vorbeugen. «Die Erfahrung zeigt, dass Konflikte, Gewalt und Suchtprobleme eingedämmt werden können», sagte die Gemeinderätin an der Partei- und Presse-Info. «Wichtig ist es, dass die Jugendlichen Vertrauen aufbauen zu den Betreuungspersonen. Nur so könne die Arbeit nachhaltig zum Erfolg führen.» Zwei Stellen mit einem Pensum von insgesamt 150 Stellenprozenten sind vorgesehen. Die jährlichen Kosten betragen 160’000 Franken, nach drei Jahren würde über eine Fortsetzung entschieden.
160’000 Franken für das Projekt Schulhaus Breite
Der beantragte Projektkredit lässt erkennen, dass die öffentlichen Anlagen in Reinach noch nicht fertig gebaut sind. Das Schulhausareal Breite erfordert nämlich einen Ausbau. Grund dafür sind die steigenden Schülerzahlen.
Ziel ist es mit einem zusätzlichen Bau 4 bis 6 zusätzlichen Schulklassen und einer zusätzlichen Kindergartenabteilung Platz zu bieten. Wie dieser Anspruch erfüllt werden kann, soll bei einer Erarbeitung eines Konzepts beantwortet werden. Im Raum stehen verschiedene Ideen.
Kreditüber- und unterschreitung
Ebenfalls um Geld geht es bei den beiden Kreditabrechnungen Sanierung Centralschulhaus und Neubau Reservoir Sonnenberg. Beim Schulhaus reichten die budgetierten 5 Millionen Franken nicht. Zusätzliche Massnahmen und kantonale Auflagen, sowie durch die Pandemie verursachte Teuerungen verschlangen zusätzliche 728’306,85 Franken. Das Reservoir wurde dagegen 673’515,65 Franken günstiger, insbesondere weil die Kreditreserve nicht in Anspruch genommen werden musste.
Budget 2027: Das Minus bleibt
Das Budget 2027 basiert auf einem Steuerfuss von 115 % und weist einen Aufwandüberschuss von 1’529’400 Franken auf und bewegt sich damit auf dem Niveau des aktuellen Jahresbudgets. Was den Reinacher Steuerzahler besonders teuer zu stehen kommt, sind nicht beeinflussbare Aufwendungen. Im Bereich der Bildung steigen diese im Vergleich zum Budget 2026 um 6,6 Prozent und bei der Wohlfahrt um 4,39 Prozent. Die Kosten für die Pflegefinanzierung nehmen um 17,35 Prozent zu, oder umgerechnet 458’000 Franken, und erreichen nun rund 3,1 Millionen Franken pro Jahr. «Da geht es uns nicht besser als anderen Gemeinden und eine Beruhigung ist nicht in Sicht», sagte der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Philipp Härri. Noch könne man bei den Steuererträgen bei den natürlichen Personen und dank der Grundstückgewinnsteuern noch mit einem Mehrertrag rechnen, doch wie lange diese Hausse noch anhält, sei ungewiss. «Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass der Steuerfuss in nächster Zeit erhöht werden muss, ausgeschlossen ist es aber nicht. Eine Erhöhung wäre die äusserste Massnahme, die wir ergreifen.
Ansonsten bewegen sich die Budgetposten im erwartbaren Rahmen. Vorausschauend hält Härri weiter fest, dass die Aufgaben- und Finanzplanung 2032 deutlich tiefere Investitionsvolumen vorsehe. Eine Unbekannte ist dabei die Sanierung der Sandgasse. Laut aktuellen Informationen könnte der Gemeindeversammlung im kommenden Jahr eine Projektvorlage präsentiert werden. Erste nicht öffentliche Informationsanlässe für die Anrainer hätten bereits stattgefunden. Bei der Sanierung der Kantonsstrasse Richtung Beinwil am See ist einschliesslich Hochhauskreuzung der Kanton Aargau im Lead.
Die Einwohnergemeindeversammlung von Reinach findet am Dienstag, 10. November 2026 im Saalbau statt, die Ortsbürger entscheiden im Anschluss über ihre Geschäfte.
Remo Conoci

