SC Reinach zieht sein 3.-Liga-Team zurück
08.10.2026 SportAm 17. Oktober 2026 hätte es für den SC Reinach mit dem Spiel gegen die Argovia Stars in der 3.-Liga-Meisterschaft los gehen sollen, doch daraus wird nichts. Der Vorstand des SC Reinach zieht sein Männer-Team erstmals in der Vereinsgeschichte aus dem Spielbetrieb ...
Am 17. Oktober 2026 hätte es für den SC Reinach mit dem Spiel gegen die Argovia Stars in der 3.-Liga-Meisterschaft los gehen sollen, doch daraus wird nichts. Der Vorstand des SC Reinach zieht sein Männer-Team erstmals in der Vereinsgeschichte aus dem Spielbetrieb zurück.
Grund für den Rückzug ist das Fehlen von Spielern. Gerade mal 11 Feldspieler und drei Torhüter standen dem neuen Übungsleiter Beat Renggli in der Vorbereitungszeit zur Verfügung, mehr als die Hälfte davon Junioren – viel zu wenig, um während einer Saison Abwesenheiten oder Verletzungen kompensieren zu können. «Für einen regulären Spielbetrieb wären mindestens 15 einsatzfähige Feldspieler nötig», sagt Janine Schmutz, die im Vorstand des SC Reinach für den Spielbetrieb verantwortlich ist ‒ das heisst, es braucht eher gegen 20 Mann. Lange habe man sich mit dem Entscheid über den Rückzug der 1. Mannschaft Zeit gelassen. «Bereits Ende 2025 haben wir Spieler und Staffmitglieder darüber informiert, dass sich auf die neue Saison hin ein personeller Engpass abzeichnet. In der Folge haben wir bei Vereinen in der Region nachgefragt, ob eine Zusammenarbeit möglich wäre.»
100 Junioren, aber es fehlt an Nachwuchs
Die Gespräche mit anderen Clubs blieben ergebnislos, denn auch andere Vereine kämpfen zumehmend mit dem Mitgliederschwund. Ein Phänomen, das man auch in anderen Sportarten seit Jahren kennt. «Es hätte in Reinach schon viel früher Schluss mit der Männermannschaft sein können, doch immer wieder haben die ältesten Spieler noch einmal eine Saison angehängt, bis es jetzt halt einfach nicht mehr geht.»
Hinzu kommt, dass es dem SCR an Nachwuchs fehlt. «Aktuell kommen sechs Spieler der U21 und jünger infrage, um in der 3. Liga mittun zu können. Diese spielen in ihren eigenen Teams und können nicht immerzu doppelt belastet werden», erklärt Janine Schmutz weiter. Der Rückzug schmerzt sie sehr: «Nach 45 Jahren ist es das erste Mal, dass der SC Reinach ohne Männerteam dasteht.» Ob es kommende Saison wieder eine Mannschaft geben wird (die in der 4. Liga starten müsste), ist unklar. «Wir behalten die Optionen offen, aber man muss schon sehen, dass sich die Situation, die zum Rückzug geführt hat, nicht von heute auf morgen ändert.» Finanzielle Gründe für den Rückzug bestünden keine, unterstreicht die Vereinsverantwortiche. «Der SCR steht auf gesunden Beinen, auch wenn die Eismiete ein immer grösserer Posten wird.» Was dem SCR aktuell ebenfalls fehlt, ist ein Präsident, der Posten ist vakant.
Somit betreibt der SC Reinach ab dieser Saison nur noch Junioren-Teams, von der U7 bis zur U21. Zu denen zählen gegen 150 Kinder und Jugendliche, auch ein Schiedsrichterteam wird geführt. «Für die Junioren ändert sich direkt nichts», ergänzt Vorstandmitglied Uwe Jenni, im Gespräch mit dem Wynentaler Blatt. «Der Spielbetrieb läuft genau so weiter wie bisher. Dank des Engagements der Gönnervereinigung können wir den Jüngsten sogar ein noch attraktiveres Angebot bieten.» Was den Jungen nun aber wirklich fehlt, ist ein aktives Team, in dem man nach der Juniorenzeit spielen könnte.
Kommt jetzt die Fusion mit Hockey Reinach?
Die Entwicklung beim SC Reinach hat nichts mit der Organisation des 1.-Liga-Clubs Hockey Reinach zu tun, der in der gleichen Eishalle zuhause ist. Seit dessen Gründung vor neun Jahren wird der Club eigenständig geführt. Aber auch dieser Verein kommt nicht so richtig vom Fleck. Nach mehreren Präsidentenwechseln, einer gescheiterten Übernahme durch einen Financier, und mit immer wieder grossen Löchern im Geldbeutel, steht auch Hockey Reinach vor einer ungewissen Zukunft.
Spätestens jetzt drängt sich die Frage auf, ob die beiden Clubs nicht zusamenspannen sollten. «Es werden Gespräche zwischen SC Reinach und Eishockey Reinach stattfinden», verspricht Uwe Jenni, fügt jedoch an: «Zuerst müssen wir eine saubere Auslegeordnung machen und alle Optionen prüfen. Es braucht rechtliche und organisatorische Abklärungen, ein klares Ziel.»
Das Wynentaler Blatt hat die gleiche Frage Hockey Reinach gestellt: Präsident Thomas Graber wiederholt die Aussagen Seitens SCR und ergänzt, dass heute schon punktuell zusammengearbeitet werde. «Es gibt sowohl beim SC Reinach, wie auch bei Hockey Reinach neue Vorstandsmitglieder mit neuen Ideen, wir gehen offen in diese Gespräche.»
Ein Blick in die Geschichte
Der SC Reinach wurde 1981 gegründet. Er nahm von Anfang mit einem Männer-Team an der Meisterschaft teil. Zuerst in der 2. Liga, nach dem freiwilligen Abstieg im Jahr 2007 fortwährend in der 3. Liga. Es ist das erste Mal in 45 Jahren, dass der SCR kein Männerteam antreten lässt.
Das Frauen-Team des SCR entstand 1989, nachdem das komplette Personal des damaligen SC Aarau nach Reinach wechselte. Vorerst unter dem Namen «SCR Albatros», später «SCR Damen-Team». In Reinach wurde der Eishockeysport im Aargau etabliert. Ab 1996 spielten die Frauen bis zu ihrer Auflösung 2022 in der höchsten Spielklasse. Sie gewannen von 2001 bis 2003 den Schweizer Meistertitel dreimal in Folge und stellten bis in die 2020er-Jahre mehrere Nationalspielerinnen.
Remo Conoci

