Einen Abend, gespiesen mit klangvollen Geschichten aus dem Barock, präsentierte das Capriccio Barockorchester zum Auftakt der Löwenkonzerte in Beinwil am See. Ein randvoller Saal an Zuschauern bedankte sich gleich mit mehreren Standing Ovations.
Festlich und ...
Einen Abend, gespiesen mit klangvollen Geschichten aus dem Barock, präsentierte das Capriccio Barockorchester zum Auftakt der Löwenkonzerte in Beinwil am See. Ein randvoller Saal an Zuschauern bedankte sich gleich mit mehreren Standing Ovations.
Festlich und prächtig präsentiert, wurde das Publikum vom Capriccio Barockorchester in das Geschehen am französischen Hof eingeführt. Das «Te Deum H. 146» mit Trommeln und Trompeten in prallem Moll, mit prunkvollen Ritornellen und kontrastreichen Chorsätzen, erzählte die erste Geschichte. Im Laufe des Konzertes wurden nach und nach weitere Geheimnisse offenbart. Schicht um Schicht wurde Spannendes enthüllt und das Kopfkino der Gäste angekurbelt. «Le Siècle de Louis» von Marc Antoine Charpentier verbindet feine Melodien mit reichem Orchesterdruck, mit traditionellen französischen Affekten und fesselnder Szenerie. Das Stück wurde als Überraschung zum Schluss des ersten Kapitels gespielt. Es zeugt besonders von Charpentiers Genie. Und gehört es auch nicht zu den bekanntesten Werken des Komponisten, vermochte es dennoch – übrigens hervorragend inszeniert – den Sonnenkö- nig als gottesgleichen Herrscher zu präsentieren. «Castor et Pollux RCT 32» erzählt die Tragödie des mythologischen Zwists des sterblichen Castors und des unsterblichen Pollux. Mit feingliedrigen Chorpassagen und reichen Orchesterpartien, fröhlichen Tänzen und gekonntem Wechsel in Klangfarbe und Harmonie, ist es ein Schlüsselwerk aus Jean-Philippe Rameaus Schaffen. Um seinen geliebten Zwillingsbruder wieder zum Leben zu erwecken, verzichtete Pollux schliesslich auf seine eigene Unsterblichkeit, was im pompösen «Fête de l’ Universe» resultierte.
Markante Werke
Johann Friedrich Fasch war eine der bekanntesten Persönlichkeiten des mitteldeutschen Hoflebens. Sein Konzertstil ist wesentlich durch Vivaldische Gestaltungsprinzipien geprägt und beinhaltet eine vorklassisch anmutende Verarbeitungstechnik, die den typischen Kontrast von Soli- und Tutti-Abschnitten verwischt. Festlich und virtuos wurde das «Concerto D-Dur für Trompete, Oboen, Streicher und Contino» interpretiert, ein Stück, das Faschs helle, durchsichtige Ritornell- und Corncertino-Struktur demonstriert und sich ideal für höfische Anlässe eignet. Georg Friedrich Händels Werk zeichnet sich durch markante Melodien, effektvolle Orchestrierung und dramatische Text-Musik-Verknüpfungen aus. Den Geheimnissen der weniger bekannten Schätze widmete das Orchester Capriccio einen weiteren Teil.
Die präsentierte, mehrteilige Suite, spannte gekonnt einen Bogen von Händels erster Oper «Almira» zu seinem Alterswerk «Jepthita», einem der seltenen oratorienartigen Kompositionen aus Händels Werk. Henry Purcell war eines der grössten Genies der englischen Musikgeschichte. Sein Hauptwerk galt der repräsentativen Kirchenmusik, doch zwangen Umstände den Künstler, sich künstlerisch umzuorientieren. Die Suite «The Fairy Queen» wurde als letzte Schicht enthüllt. Hervorragend interpretierte das Orchester Capriccio monumentale Glanzlichter aus Purcells Adaption von Shakespeares Mitternachtstraum.
Musik eint
Musik verbindet Menschen, sie überwindet Grenzen, schafft Zugehörigkeit, spendet Freude oder Trost. Umso mehr schmerzt der Umstand, dass nur ein paar Kilometer vom Konzertort in der Frühe ein schreckliches Verbrechen geschah. Eine junge Frau wurde getötet, weitere fünf Menschen wurden teils schwer verletzt. Sie hatten einen Musikanlass besucht, ein Rave-Konzert und damit ein Fest, das für sein friedliches Publikum bekannt ist. Die ehemalige Politikerin, Christine Egerszegi, mahnte in ihren Dankesworten, diesem Umstand zu gedenken und sprach den Freunden und Angehörigen der Opfer ihr aufrichtiges Beileid aus.
Cornelia Forrer