Sicherheit für die Kinder soll an oberster Stelle stehen
13.05.2026 MenzikenAn der Gemeindeversammlung vom 12. November 2025 wurde das neue Parkierungsreglement mit einem Kredit von 125’000 Franken genehmigt. Ziel war es, das Wildparkieren zu beenden und klare Regeln zu schaffen.
Am 23. April 2026 veröffentlichte die Gemeinde Menziken ...
An der Gemeindeversammlung vom 12. November 2025 wurde das neue Parkierungsreglement mit einem Kredit von 125’000 Franken genehmigt. Ziel war es, das Wildparkieren zu beenden und klare Regeln zu schaffen.
Am 23. April 2026 veröffentlichte die Gemeinde Menziken auf ihrer Website die Umsetzung des neuen Parkierungsreglements. Darin enthalten sind offizielle Verkehrsbeschränkungen wie Parkfelder, Parkverbote und Parkscheibenregelungen. Die Massnahmen wurden als amtliche Verfügung publiziert und sind bis zum 26. Mai 2026 einsprachefähig. Die Markierungen auf den Strassen entsprechen diesem Konzeptplan. Besonders die neuen Parkfelder an der Myrtenstrasse und an der Friedhofstrasse lösen Diskussionen aus. An der Friedhofstrasse mit einer Kernfahrbahn und seitlichen Velostreifen – bei der geplanten Umsetzung werden die Fahrradstreifen wegfallen. Dafür werden zusätzliche Parkfelder geschaffen.
Das Wynentaler Blatt hat zu diesem Thema das Stimmungsbild der Ortsparteien und der Menziker Frau Gemeindeammann Ursula Friedrich erfragt und die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.
SVP: «Parkfelder als Umgehung des Volksentscheids»
Die SVP Menziken kritisiert die Umsetzung scharf und hat eine Petition dagegen gestartet. Sie bemängelt, dass Parkfelder «willkürlich» vormarkiert worden seien und spricht von einer «Schikane der Verkehrsteilnehmer». Ortsparteipräsident Heinrich Leuzinger vermutet, dass die neuen Parkfelder eine indirekte Einführung von Tempo 30 bewirken sollen – obwohl die Bevölkerung eine flächendeckende Tempo 30 Zone abgelehnt hat. Die Parkfelder würden die Fahrbahn verengen und so zu einer faktischen Temporeduktion führen. Dies sei «rechtsmissbräuchlich» und verstosse gegen Treu und Glauben sowie das Willkürverbot. Die SVP fordert eine vollständige Überprüfung der geplanten Parkfelder.
FDP: «Reglement gut – aber Parkfelder bei der Fluckmatt falsch»
FDP Ortsparteipräsident Adrian Meier unterstützt grundsätzlich die Umsetzung des Reglements. Wichtig sei, dass die Parkplätze kontrolliert würden, um Wildparkieren zu verhindern. Er kritisiert jedoch die geplanten Parkfelder beim Schulprovisorium Fluckmatt entlang der Friedhofstrasse: Dort gebe es bereits genügend Parkplätze, zusätzliche Felder würden «nur die Elterntaxis fördern». Einen Versuch, Tempo 30 durch die Hintertüre einzuführen, sieht Meier nicht. Die Wildparkiererei und der Mangel an Parkplätzen seien ein grosses Problem. Nicht nur in Menziken, sondern in jeder Gemeinde. Auch im Grossen Rat wird dies ein Thema. Gemeinsam mit SVP-Grossrat Simon Baumgartner, Menziken, plant er ein Postulat einzureichen, welches zukünftige Bauten betreffen soll. Bauherren, die mehr Parkplätze erstellen als gesetzlich vorgeschrieben, sollen dafür mit einer höheren Ausnützungsziffer belohnt werden.
SP: «Gefährliche Situationen – besonders für Kinder»
SP Ortsparteipräsident Alfred Merz zeigt sich irritiert über die Umsetzung. Das Reglement habe ursprünglich die Wildparkierer eindämmen sollen. Nun würden jedoch alte Parkverbote aufgehoben und an denselben Stellen neue Parkfelder geschaffen. Besonders kritisch sieht er die Friedhofstrasse: Die Parkfelder unterbrechen den Radstreifen, Kinder müssten um parkierte Autos herumfahren – auf dem Weg zur Schule oder zur Badi. Das sei «gefährlich für die schwächsten Verkehrsteilnehmer». Auch der Winterdienst werde durch neue Hindernisse erschwert. Ob der Gemeinderat Tempo 30 durch die Hintertüre einführen wolle, könne er nicht beurteilen. Die SP klärt ihr weiteres Vorgehen intern.
Die Mitte: «Wachstum ernst nehmen – Sicherheit zuerst»
Die Mitte Kulm, vertreten durch Ortsparteipräsident Toni Bättig, sieht keine Hinweise auf eine versteckte Einführung von Tempo 30. Gleichzeitig betont die Partei, dass Menziken in den letzten 20 Jahren stark gewachsen sei – vom Dorf hin zu zunehmend städtischen Verhältnissen. Diese Entwicklung müsse in die Bau- und Nutzungsordnung einfliessen. Besonders wichtig sei die Sicherheit auf Schulwegen und Velorouten. Neue Parkfelder dürften nicht dazu führen, dass Radstreifen unterbrochen oder Kinder in den fliessenden Verkehr gedrängt würden. Gleichzeitig habe Menziken eher zu wenig Parkplätze, auch wegen früherer Bauprojekte mit zu tiefen Mindestzahlen. Die Mitte fordert eine Überarbeitung der BNO mit höheren Parkplatzvorgaben pro Wohneinheit.
Gemeindeammann Ursula Friedrich: «Der Entwurf ist veränderbar – Rückmeldungen erwünscht»
Frau Gemeindeammann Ursula Friedrich betont, dass das Parkierungsreglement demokratisch beschlossen wurde und nun umgesetzt werden müsse. Ziel sei es, das Wildparkieren zu beenden und klare Regeln zu schaffen. Die sichtbaren Parkfelder seien Teil eines Entwurfs, der bewusst öffentlich aufgelegt wurde. Alle Bewohnerinnen und Bewohner könnten Rückmeldungen geben; Anpassungen oder Streichungen seien möglich. Zur Friedhofstrasse sagt sie, die Nähe zu Schule und Kindergarten sei bekannt, die geplanten Parkfelder seien «nicht ideal». Auf die Frage, warum bei neuralgisch sicherheitsrelevanten Punkten wie Schule, Kindergärten, Sportanlagen nicht einfach Tempo 30 eingeführt würde (das ist trotz des Neins zur flächendeckenden Temporeduktion des Souveräns möglich) gab Friedrich zur Antwort: Eine streckenweise Einführung von Tempo 30 wäre möglich, sei aber nicht Teil des Reglements und bisher nicht im Gemeinderat diskutiert worden. Warum zusätzliche Parkplätze vorgesehen sind, erklärt sie mit praktischen Bedürfnissen: Handwerker sollen ihre Fahrzeuge abstellen können, wenn beim Kunden keine Parkmöglichkeit besteht. Auch bei privaten Anlässen könne zusätzlicher Parkraum nötig sein. Das Konzept wurde mit Balmer + Partner AG erarbeitet. Den Vorwurf der SVP, Tempo 30 über die Hintertüre einzuführen, weist Friedrich zurück. Tempo 30 sei an der Urne deutlich abgelehnt worden, und der Gemeinderat halte sich an diesen Entscheid. Wildparkieren sei jedoch ebenfalls gefährlich – mit verdeckten Sichtzonen und blockierten Hydranten.
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Menziken haben die Möglichkeit, bis zum 26. Mai 2026 Einsprache gegen den Vorschlag des Gemeinderats zu erheben.
Dominique Rubin

