Solidarität als Kitt unserer Demokratie
29.10.2026 MichelsamtEinmal im Monat berichten die Rickenbacher Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche ...
Einmal im Monat berichten die Rickenbacher Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und Eindrücke. Den Oktober-Beitrag liefert Annemieke Stössel-Lub, Gemeinderätin Ressort Soziales.
Der Oktober ist einer der Monate, die in meinem Ressort, dem Ressort Soziales, eher etwas ruhiger sind – die Spitzenzeiten sind für mich in der Regel im Mai/Juni und im November/Dezember, wenn Kommissionssitzungen, Versammlungen und externe Termine bunt gemischt den Kalender füllen. Da der Gemeinderat in den Herbstferien keine Sitzung hat, gibt es eine kleine Zäsur. Zeit also, sich etwas zurückzulehnen, eine Auszeit zu geniessen, sich zu erholen und den Horizont zu erweitern. Selbst konnte ich im Mittelmeerraum etwas Abstand vom Alltag gewinnen – und darüber sinnieren, wie gut wir es in der Schweiz mit unserem demokratischen System eigentlich haben.
Mir persönlich wird dies immer wieder bewusst, wenn ich Zeit und Musse habe, die Schlagzeilen aus dem nahen und fernen Ausland auf mich wirken zu lassen. Von autokratischen Tendenzen über Angriffe auf die Demokratie bis zu Einschränkungen von Pressefreiheit und freier Meinungsäusserung. Solche Schlagzeilen beschäftigen mich jeweils und regen mich zum Nachdenken an – über politische Systeme, aber auch über grundlegende Werte einer Gesellschaft.
Unsere halbdirekte Demokratie führt dazu, dass politische Prozesse manchmal etwas langwieriger sind und wir häufig mit Kompromissen leben, aber auch dazu, dass dank der Konkordanz, also der Einbindung aller wichtigen Kräfte, extreme Positionen «geglättet» werden. Ein grosser Vorteil dabei ist, dass wir miteinander im Gespräch bleiben, auch wenn unsere Ansichten möglicherweise nicht deckungsgleich sind.
Wir sollten uns immer mal wieder bewusst machen, was Demokratie ist. Sie äussert sich einerseits im politischen System, unter anderem mit den vier Pfeilern Volkssouveränität, Gewaltenteilung, freie und faire Wahlen sowie Rechtsstaatlichkeit und Schutz der Grund- und Menschenrechte. Andererseits ist unsere Gesellschaft durch demokratische Werte geprägt. Werte, die wir mehrheitlich als selbstverständlich betrachten, die dies aber – wenn man über die Grenzen unseres Landes hinausblickt – nicht zwangsläufig sind. Werden diese Werte in einer Gesellschaft nicht gelebt oder gar infrage gestellt, kann eine Gemeinschaft ins Wanken geraten, und es kann schlimmstenfalls zu Unruhen, Ausschreitungen oder kriegerischen Konflikten kommen. Diese Werte sind also stabilisierend und halten unsere Gesellschaft im Gleichgewicht.
Einer für alle, alle für einen
Für mich persönlich ist die Solidarität in der Gesellschaft als demokratischer Wert äusserst wichtig. Solidarität bildet die Grundlage für den sozialen Frieden, d. h., sie fungiert als Bindeglied zwischen sozialen Gegensätzen – Arm und Reich, Jung und Alt, Gesunden und Kranken. Sie haben es sicher gemerkt: Damit sind wir direkt in meinem Ressort «Soziales» gelandet.
Auch in unserer Gemeinde treffen wir verschiedene Formen der Solidarität an, zum Beispiel Angehörigenpflege, Nachbarschaftshilfe, freiwilliges oder politisches Engagement oder auch Vereine, die in Rickenbach eine grosse Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise der Suppentag oder die Seniorinnen und Senioren im Klassenzimmer. Diese Form der Solidarität wird als zivilgesellschaftliche oder freiwillige Solidarität bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist die institutionalisierte Solidarität u. a. in Gesetzen und Institutionen verankert. Ein Beispiel dafür ist unser Sozialversicherungssystem, in dem diese Solidarität dafür sorgt, dass alle Menschen mitgetragen werden, unabhängig von ihrem Einkommen und ihrem sozialen Status. Auf Bürgerrechtsebene existiert eine weitere Form der Solidarität: die politische und demokratische Solidarität. Hier geht es etwa um den Schutz von Minderheiten, aber auch um die Wahrnehmung von Bürgerpflichten.
Solidarität und Demokratie sind eng miteinander verzahnt: Die Solidarität fungiert als gesellschaftliches Fundament einer Demokratie, braucht aber demokratische Strukturen, damit sie überhaupt gelebt werden kann. In der Schweiz sind wir diesbezüglich gut aufgestellt. So symbolisiert der Spruch «Unus pro omnibus, omnes pro uno» (einer für alle, alle für einen), der im Zenit der Kuppelhalle des Bundeshauses das Schweizerwappen umrahmt, dass die Solidarität unsere Landesteile mit unterschiedlichen Sprachen, Mentalitäten und Kulturen zusammenhält und in einem Land vereint. Das mag mitunter zwar eine Herausforderung sein, ist aber auch bereichernd.
Ich wünsche uns allen, dass wir der Solidarität als Pfeiler unserer Demokratie Sorge tragen. Es gibt auch bei uns in der Gemeinde viele Möglichkeiten, sich zu engagieren und Solidarität zu leben. Etwa als Mitglied einer Kommission, in deren Rahmen man sich aktiv in die Gemeinde einbringen kann. Oder auch durch die Teilnahme an der Gemeindeversammlung, an der man engagiert mitdiskutieren und mitentscheiden kann. Wir vom Gemeinderat würden uns sehr freuen, Sie an der nächsten Gemeindeversammlung begrüssen zu dürfen, die übrigens am Donnerstag, 3. Dezember, in Rickenbach stattfindet. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute!
Annemieke Stössel-Lub


