Spitalverein schiesst Millionen in den Betrieb ein
10.09.2026 MenzikenDer Spitalverein Wynental-Seetal hat mehrere Millionen Franken in den Betrieb des Asana-Spitals eingeschossen. Nur so konnte verhindert werden, dass bereits im Juni auf einen Schlag 300 Angestellte ihren Job verlieren. Und nur so ist aktuell ein relativ geordneter Übergang an die ...
Der Spitalverein Wynental-Seetal hat mehrere Millionen Franken in den Betrieb des Asana-Spitals eingeschossen. Nur so konnte verhindert werden, dass bereits im Juni auf einen Schlag 300 Angestellte ihren Job verlieren. Und nur so ist aktuell ein relativ geordneter Übergang an die nachfolgenden Organisationen überhaupt möglich.
Es ist Anfang Jahr. Wenige involvierte Stellen wissen zu diesem Zeitpunkt, dass es dem Spital finanziell schlecht geht und dringend Unterstützung braucht. Die Zahlungsunfähigkeit und damit eine sofortige Schliessung des Spitals mussten befürchtet werden. Auch der Spitalverein Wynental-Seetal wurde informiert. Dem Verein gehört die gesamte Spital-Liegenschaft und aus seiner Sicht drohten Mietausfälle im sechsstelligen Bereich. Dass es nicht so weit gekommen ist, ist zu wesentlichen Teilen dem Spitalverein selber zu verdanken. Wie das Wynentaler Blatt in Erfahrung gebracht hat, verpasste der Verein dem Spital eine Finanzspritze in Millionenhöhe.
Anfrage des Kantons für eine Asylunterkunft
«Eigentlich», sagt Marc Siegenthaler, Präsident des Spitalvereins auf Anfrage, «eigentlich hätten wir es uns leicht machen und auf das erstbeste Angebot eingehen können.» Tatsächlich wusste man auch beim Kanton Bescheid. Die entsprechende Stelle habe angeklopft und wollte wissen, ob Räume als Asylunterkunft gemietet werden könnten. Dazu muss man wissen: Eine Verpflichtung, das Spital unter allem Umständen zu retten, hat der Spitalverein nicht und er könnte eine solche Rettung finanziell auch gar nicht stemmen. Eine Asylunterkunft kam und kommt für den Vorstand des Vereins jedoch nicht infrage. «Wir haben entschieden, unsere moralische Verantwortung im Rahmen der Möglichkeiten wahrzunehmen», sagt Siegenthaler dazu.
Übergang statt sofortige Schliessung
Wie also sollte es weitergehen, für den Vermieter? Bis und mit Juni 2026 fanden hinter den Kulissen Gespräche statt, an denen neben der Asana Gruppe, der Spitalleitung, dem Kantonsspital Luzern (LUKS) und dem Kanton Aargau, auch der Spitalverein beteiligt war. Sollten die Beteiligten keine Lösung finden, drohte dem Spital Menziken noch vor den Sommerferien der Konkurs. 300 Angestellte hätten ihren Job von heute auf morgen verloren.
Die Finanzspritze des Spitalvereins über mehrere Millionen Franken führte dazu, dass der Spital-Betrieb bis auf Weiteres aufrechterhalten blieb und die Löhne heute noch bezahlt werden können. Weil der Betrieb auf diese Weise gesichert war, blieb nun genug Zeit, um eine Übergabe von Teilbereichen an das Luzerner Kantonsspital und an die Falkenstein Asana AG in die Wege leiten zu können. Wie hoch der eingeschossene Betrag genau ist, will Siegenthaler nicht preisgeben.
Damit ändert sich die Lesart der Medienmitteilung vom 25. Juni 2026 zur Schliessung des Spitals Menziken: Es gehen zwar 150 Jobs verloren, 150 Jobs wurden aber auch gerettet. Ganz ohne Eigennutz sprach der Spitalverein das grosse Darlehen freilich nicht aus, denn durch die aktuelle Lösung bleibt ein relevanter Teil des heutigen Spitals auch ab dem 1. November 2026 an einen Spitalbetreiber vermietet. Das schlimmste Szenario eines komplett leeren Gebäudes und ein Verlust der Gesundheitsversorgung in der Region, wurde damit abgewendet und man verfügt nun über eine Basis, damit es am Standort mit einem Gesundheitszentrum weitergehen kann.
Spital wird zum Gesundheitszentrum
Eine unruhige Zeit für den Spitalverein, der sich derzeit mehrmals wöchentlich trifft. «Wir haben es an der Generalversammlung schon gesagt: Was mit dem Spital passiert, ist für die Angestellten eine Katastrophe, in der Bevölkerung löst es Ängste aus. Und dennoch sind wir überzeugt, dass wir eine grosse Chance haben, ein Gesundheitszentrum aufzubauen, dort, wo auf den Wegweiser heute noch auf ein Spital zeigt.» Bereits jetzt seien Dienstleistungen wie Hausarzt-Praxis, Rettungsdienst und Ambulatorium durch das LUKS gesichert, es gebe eine Physiotherapie und das Angebot an Pflegebetten inklusive Cafeteria wird durch den Falkenstein betreut und sogar ausgebaut. Der Spitalverein kann sich eine darüber hinaus gehende Erweiterung des Angebots sehr gut vorstellen: «Eine Praxis für Akupunktur, medizinische Massagen, Beratungsstellen im Gesundheitsbereich, eine Palliativ-Abteilung, eine Geriatrie. Und, warum nicht? Ein Coiffeur für die Menschen, die hier leben, oder ein Kiosk für kleine Besorgungen». Das aufzugleisen brauche aber Zeit, möglicherweise dauert es längere Zeit, bis neue Jobs entstehen. Massgebend sei der Bedarf der Bevölkerung . Alles was kommt müsse zueinander passen und wirtschaftlich sein. «Zuerst wird sich nun das Zusammenspiel der beiden neuen Hauptmieter LUKS und Falkenstein etablieren müssen», erklärt Marc Siegenthaler abschliessend.
Zum Agieren der weiteren Beteiligten während der turbulenten Zeit, will sich der Vorstand des Spitalvereins nicht äussern. Auch nicht zu den Forderungen des Personalverbands VPOD, der den Spitalverein in der Pflicht sieht, sich an einem Sozialplan-Fonds zu beteiligen. «Wir haben im Rahmen der Möglichkeiten des Spitalvereins einen Teil zur Lösung beigesteuert und versuchen nun, aus der Sache das Beste zu machen und neue Ansätze zu finden.»
Remo Conoci

