Technik plus Herzblut gleich magische Momente
23.07.2026 Seetal, SeonSie hat Geologie studiert, verfügt über das Lehrerdiplom Geographie und ist seit gut 30 Jahren im Kanton Zug für Schall-/Gehörschutz zuständig. Die Tontechnik könnte man als klangvollen Perspektivenwechsel im Portfolio bezeichnen.
Wie hat ...
Sie hat Geologie studiert, verfügt über das Lehrerdiplom Geographie und ist seit gut 30 Jahren im Kanton Zug für Schall-/Gehörschutz zuständig. Die Tontechnik könnte man als klangvollen Perspektivenwechsel im Portfolio bezeichnen.
Wie hat alles angefangen? Astrid Furrer lacht, als die Frage kommt. «Das habe ich mir im Vorfeld dieses Gesprächs auch überlegt. Aber eine eineindeutige Antwort habe ich nicht.» Fakt sei, dass sie mit vier Jahren Klavier gespielt habe, mit 14 ihr erstes Konzert im Hallenstadion genoss und sich musikalisch nie eingeschränkt habe. «Beispielsweise mochte und mag ich auch Opern», erklärt sie. Beruflich bewegt sie sich mit Geologie nicht im künstlerischen, sondern naturwissenschaftlichen Bereich. «Und über die Arbeit beim Schallschutz ergab sich der direkte Kontakt mit Konzertveranstaltern.»
Astrid Furrers «Wissen wollen» eröffnet ihr ein neues Fachgebiet. «Man kann schliesslich nicht einfach sagen «ihr seid zu laut».» Sie absolviert eine siebentägige tontechnische Grundausbildung und will praktische Erfahrung sammeln. «Der Zufall wollte es, dass ich bei einer Weiterbildung in Deutschland Kai Grumpe kennenlernte. Zwei Monate später stand ich durch ihn mitten in der Miss-Schweiz-Wahl in Basel. Ein fulminanter tontechnischer Start.»
Später lernte sie im Rahmen der Michael von der Heide Tour Thomi Linder, Technikverantwortlicher im Forum Seon kennen. «Einige Monate später mischte ich nicht nur seine Band «Just for Fun Country-Rock», sondern übernahm auch das Tonmischpult im Forum und er übernahm die Lichttechnik.» 2017 bis 2019 erarbeitet sich Astrid Furrer an der Technischen Berufsschule Zürich den Eidgenössischen Fachausweis Tontechnik. «Thomi hat oft mit mir gelernt und immer mal wieder gesagt «du bist wie ein Schwamm, du saugst alles auf».»
Was alles dahinter steckt
Ein Berufswechsel steht für Astrid Furrer, bei aller Begeisterung, nicht zur Debatte. Sie mag ihren Aufgabenbereich beim Schallschutz. «Ausserdem war ich über 50, als ich die Ausbildung gemacht habe. So fit ich auch bin, beim Materialtragen gibt es physische Grenzen.» Die wenigsten seien sich bewusst, was alles zu diesem Fachgebiet, zur Tontechnik überhaupt gehöre. «Findet am Abend ein Konzert im Forum statt, beginnen wir um 13 Uhr mit dem Aufbau.» Lautsprecher, Mikrofone, Verkabelung, Bühnenpodeste, gefolgt vom-Soundcheck – die Liste liesse sich fortsetzen. Ziel ist es, dass die Gäste bis in die hinterste Reihe die Musik in aller Schönheit geniessen können.» Astrid Furrers Mimik offenbart ihre Begeisterung für Live-Events. «Man ist mitten im Moment.»
Welche Eigenschaften braucht eine Tontechnikerin? «Ein gutes Gehör und … ich bin nicht sicher, ob der Begriff Neugier ausreicht», Astrid Furrer hält einen Moment inne, «ich glaube es reicht nur eine Kombination: Musikalisches Verständnis, Kommunikationsfähigkeit, fundiertes technisches Wissen und sehr flexibel sein.»
Die Bandbreite an Anforderungen reiche von Netzwerktechnik bis Psychologie. «Es geht nicht nur um Nervosität von Musikerinnen und Musikern. Vertrauen zählt, schliesslich legen sie ihr Engagement in meine Hände.» Das klingt durchaus nach weiblichen Fähigkeiten, warum sind Frauen am Mischpult dann immer noch in der Minderheit? «Es gibt mittlerweile schon ein paar mehr. Aber eher bei Licht und Video. Vielleicht agieren Frauen visueller.» Viele hätten Berührungsängste, was die Technik angehe.
Grosse Hilfsbereitschaft
Was ist mit dem Umgangston? «Es gibt die eine oder andere witzige Szene», Astrid Furrer schmunzelt bei der Erinnerung. «Da fragt einer die Band «Sag mal, habt ihr eine neue Sängerin?» Oder man werde direkt angesprochen: «Von welchem der Musiker bist du die Frau?» «Ich empfehle das mit Humor zu nehmen. Wenn man eher scheu ist, überlegt man sich vorher schon mal ein paar passende Antworten.» Die Begeisterung fürs Mischen, für die Musik sei immer das Wichtigste. «Witze hin oder her – die Hilfsbereitschaft in der Branche ist gross – so lebendig, so echt. Das findet man nicht oft.»
Bis zum nächsten Anlass im Forum dauert es noch vier Wochen. Astrid Furrer wird vor Ort sein. Zuschauerinnen und Zuschauer haben also die Chance, einer glücklichen Tontechnikerin bei der Arbeit zuzusehen. Eine neue Perspektive für die Ohren.
Graziella Jämsä

