Theaterprobe trifft auf Begeisterung
27.08.2026 Wynental, GränichenDie Proben des jungen Gränicher Theatervereins Bühnen-Virus 22 biegen mit einem ganzen Weekend auf die Zielgerade ein. Arsène Lupin, der berühmteste und zugleich charmanteste Meisterdieb der Welt, erzählt von seinem legendärsten Coup. Im Rückblick ist es ...
Die Proben des jungen Gränicher Theatervereins Bühnen-Virus 22 biegen mit einem ganzen Weekend auf die Zielgerade ein. Arsène Lupin, der berühmteste und zugleich charmanteste Meisterdieb der Welt, erzählt von seinem legendärsten Coup. Im Rückblick ist es 30 Jahre her, als sich die Geschichte in einem luxuriösen Zug, dem Simplon-Nostalgie-Express, von Paris nach Venedig abspielte.
Lupins Ziel: das legendäre Diamantcollier der Königin, das sich im Besitz der eitlen, exzentrischen Sophie von Falkenstein befindet, an sich zu nehmen. «Stehlen» wäre hier klar untertrieben. Schliesslich handelt es sich in dem Meisterstück von Atréju Diener um Arsène Lupin – einen Mann, der mit dem Ego eines Hercule Poirot die Seite der Gentleman-Gauner vertritt. Der Theaterverein Bühnen-Virus 22 aus Gränichen setzt das Stück gekonnt um und wird dem berühmten Dieb und seinen meisterhaften Erzählungen vollends gerecht. Aber beginnen wir von vorne.
Diebstahl mit Ankündigung
Eine Zugreise wie vor 100 Jahren, so wie sie die Protagonisten gebucht haben, war damals spannend, und ganz anders als in der heutigen Zeit durfte man das «Savoir-vivre» der Gesellschaft in jeder Hinsicht geniessen. Es wurde geprotzt, geschlemmt und gezeigt, was man hat – vor allem Schmuck. Das weiss auch Arsène Lupin, gespielt von Roli Marti, der mit dieser Rolle sein beeindruckendes 40-Jahr-Bühnenjubiläum feiert. Das berühmte Königscollier reiste mit der Inhaberin Sophie von Falkenstein und deren leidenschaftlich tüftelndem Gatten Willibald im selben Zug wie der Meisterdieb. Oder etwa doch nicht? Das kurzweilige Theaterstück in zwei Akten aus dem Aarauer Theaterverlag Breuninger ist an feinem Humor und amüsanten Szenen kaum zu überbieten. Das zeigte bereits das Proben-Wochenende, das kürzlich den Endspurt für die Aufführungen im Oktober einläutete. Das Ensemble bewies schon jetzt viel schauspielerisches Flair.
Eingespieltes Ensemble
Regisseurin Barbara Marti zeigte bereits in der Samstags-Probe, wie sie die Truppe führt. Mit Geduld, Klarheit und dem Blick fürs Wesentliche holte sie in den Szenen das Beste aus den Schauspielern heraus. So gut, dass man die Charaktere beinahe auf den Alltag übertragen konnte. War die von Doris Baschnagel gespielte Immobilien-Baronin Silvia Gnägi wirklich so schrullig und blasiert? Und Kaya Röösli als «Bambi» im dicken, pinkfarbenen Pyjama so zerstreut und unsicher? Steckte etwa die organisierte Zugmanagerin Ricarda Perroni (Susanne Zaugg) hinter allem oder sogar Sophies Gatte Willibald? Die Szenen wechselten, die Spannung stieg. Am liebsten hätte man sich als Zuschauer sofort hingesetzt und das Theater so roh genossen, wie es sich präsentierte. Nur hätte man sich dann des Vergnügens beraubt, zu erfahren, wie sich die Geschichte auflöst. Eine grandiose Mimik aller Beteiligten – darunter Roman Eichenberger als brillanter Polizei-Inspecteur Henri Ganimard, den man sofort ins Herz schliesst, und eine Sophie von Falkenstein (Patricia Niklaus), die einmal mehr beweist: Geld allein macht nicht sympathisch.
Wer sich dieses Theatererlebnis mit meisterhaftem Ausgang nicht entgehen lassen will: Tickets inklusive einem feinen Menü aus der Bordküche oder reine Theatertickets können direkt bestellt werden. Soviel sei verraten: Es lohnt sich. Nicht nur wegen der feinen Rahmschnitzel, sondern wegen einer Theatergruppe, die grandios spielt und die Liebe zum Theater im Herzen trägt.
Platzreservationen online auf www.buehnenvirus22.ch oder telefonisch unter: 079 650 02 48 (17 bis 19 Uhr).
Dominique Rubin



