Trotz fleissiger Diskussionen bleibt das Unbehagen
13.05.2026 SeetalDas Budget 2026 bei einem Steuerfuss von 60 Prozent wurde genehmigt. Eine Wegbeschreibung.
Es war kaum 18.30 Uhr, da spazierten die ersten Meisterschwandnerinnen und Meisterschwandner Richtung Mehrzweckhalle. Um 19 Uhr war die Halle voll: 519 Stimmbürgerinnen und ...
Das Budget 2026 bei einem Steuerfuss von 60 Prozent wurde genehmigt. Eine Wegbeschreibung.
Es war kaum 18.30 Uhr, da spazierten die ersten Meisterschwandnerinnen und Meisterschwandner Richtung Mehrzweckhalle. Um 19 Uhr war die Halle voll: 519 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. «Steuern sind halt ein Thema, das alle betrifft», meinte ein Mann. «Die Diskussion ist schon emotional belastet», erklärte sich eine Frau die hohe Teilnehmerzahl. «Das könnte dauern.» Sie sollte Recht behalten.
Aber von Anfang an. Im November 2025 stellte der Gemeinderat an der Versammlung ein Budget auf der Basis eines unveränderten Steuerfusses in Höhe von 60 Prozent vor. Die Finanzkommission hingegen stellte den Antrag, den Steuerfuss auf 70 Prozent zu erhöhen. Die Versammlung folgte dem Antrag. Doch gegen diesen Beschluss wurde das Referendum eingereicht. 634 Stimmen, rund 200 mehr als notwendig, sind eingegangen. So konnte am 8. März 2026 an der Urne abgestimmt werden.
Das Budget und der Steuerfuss wurden abgelehnt. Mit der rechtlichen Konsequenz, dass nur für den laufenden Verwaltungsbetrieb notwendige Ausgaben getätigt werden dürfen. Ein Jugendfest gehört nicht dazu. Die Regelungen seien, trotz Nachfrage beim Kanton, nicht verhandelbar, informierte der Gemeinderat zeitnah. Präsident Ueli Haller sagte: «Selbstverständlich haben wir für die Frustrationen, die eine Absage des Jugendfests bringt, Verständnis.» (Wynentaler Blatt, 12. März 2026)
Wunsch nach «gesitteter» Diskussion
Diese Negativmomente wollte man an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung nicht erneut thematisieren. Ueli Haller meinte bei der Begrüssung mit einem Augenzwinkern: «Was für ein schöner grosser Aufmarsch hier.» Er machte aber auch klar, dass für die Zahl der Bürgerinnen und Bürger Sicherheitsvorkehrungen wie Feuerschutz und Polizei getroffen worden waren. «Ich wünsche mir und uns eine gesittete politische Diskussion.»
Die Präsentation der Zahlen übernahm Ressortverantwortlicher Stephan Schüpbach. Der vergangenen Herbst Gewählte hat durch sein vorheriges Engagement in der Finanzkommission einen guten Überblick. «In der aktuellen Analyse, für welche sich der Gemeinderat auch externe Unterstützung geholt hat, zeigen sich an mehreren Stellen Herausforderungen.» Im Bereich Gesundheit seien es Restkostenübernahme und Spitex. «Die Ausgaben für dieselbe verdoppeln sich durchschnittlich alle vier Jahre.» Weiter Angaben betrafen Asylwesen, Bildung und in diesem Zusammenhang IT. «Hier sind wir gerade dabei, einen Fehler im Outsourcing zu korrigieren», sagte Stephan Schüpbach. «Die IT-Kosten wollen wir mittelfristig halbieren.» Personalkosten wurden für das Budget 2026 bereits durch natürliche Fluktuation gesenkt. «Die Verbesserung von Kommunikation ist ausserdem ein erklärtes Ziel des Gemeinderates.»
Die Zahlen waren dargelegt, die Diskussion eröffnet. Ein Teil der Voten drehte sich um Fehlausgaben in der Vergangenheit sowie überdimensionierte Zukunftsprojekte. «Flipper» (Sanierung und Umbau der Schulanlage Eggen) wurde mehrfach als Beispiel ins Feld geführt. Dass «Flipper» im Budget 2026 keine Rolle spiele, liess man nicht gelten. «Das Konzept Schule ist über mehrere Jahre zu betrachten», betonte ein Stimmbürger. Im Fokus anderer Teilnehmer standen zusätzliche Sparmassnahmen wie das Abschalten der Strassenbeleuchtung in der Nacht.
Kommunikation
Drittes und viertes Thema mehrerer Wortmeldungen waren Kommunikation und Transparenz. «Man möchte uns zu einem «ja» bringen, ohne uns mit einem Finanzplan die künftigen Zahlen zu zeigen.» Stephan Schüpbach reagierte: «Selbstverständlich haben wir einen Finanzplan, Stand Budgetgemeinde November 2025. Da sich aber der Finanzplan nicht rein auf das aktuelle Jahr bezieht und der Strategieprozess noch läuft, haben wir ihn nicht für diese Versammlung angepasst. Ich nehme das auf meine Kappe.» Man werde sich insgesamt für den Polit-Apéro vorbereiten. Einzelne Stimmen rieten den Anwesenden zu mehr Vertrauen in den Gemeinderat. «Werweissen bringt nichts. Wir müssen gemeinsam handeln.» Sie blieben in der Minderheit.
Mittlerweile war 21 Uhr vorbei. Während der Versammlung war der Antrag gestellt worden, das Budget auf der Basis eines Steuerfusses von 60 Prozent anzunehmen. Daher musste erst befunden werden, ob man über den Vorschlag des Gemeinderates (70 Prozent) oder den Gegenantrag abstimmen wolle. Mit 209 zu 258 Stimmen obsiegte der Gegenantrag. Dieser wurde in der anschliessenden Schlussabstimmung mit 314 zu 131 angenommen. Das Quorum von 468 Stimmen war nicht erreicht. Die Beschlüsse obliegen dem Referendum.
Graziella Jämsä
KOMMENTAR
Zur Kunst der Kommunikation gibt es viele Theorien. Das ist mir während der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Meisterschwanden öfter durch den Kopf gegangen. Die wohl bekannteste hat Friedemann Schulz von Thun erschaffen. Sein «Vier-Ohren-Modell» besagt, dass jede Nachricht auf vier Ebenen wahrgenommen wird: Die Sachebene beinhaltet den reinen Fakt vom Sprecher (Der Kindergarten ist geschlossen). Bei der Selbstkundgabe handelt es sich um die persönliche Position des Sprechers mit Bezug auf den Fakt (Mich stört, dass der Kindergarten geschlossen ist). Auf der Beziehungsebene zeigt sich, wie Sprecher und Zuhörer zueinanderstehen (ich finde, du hättest eine neue Kindergärtnerin suchen sollen). Und der Appell ist die Aufforderung (Finde jemand neuen).
Sind sich beide Menschen dieser vier Ebenen bewusst, kann das einer Diskussion deutlich die Schärfe nehmen. Stellt man persönliche Frustrationen zurück, sehen Fakten anders aus. Doch ohne Eigenverantwortung geht das nicht. Die Kommunikation einer Gemeinde funktioniert über Internet, Zeitung, Fernsehen, Radio und das direkte Gespräch. Ich muss als Stimmbürger also, je nach Geschmack, lesen, fernsehen, Radio hören oder auf einen Menschen zugehen. Meisterschwanden hat nach aussen kommuniziert. Wenn Bürger das als unzureichend empfunden haben, wäre wohl jedes Ratsmitglied für ein Gespräch zu haben gewesen. Dann hätten sich die Geheimnisvollen auch Kosten wie Effort für anonyme Inserate oder Drohbriefe sparen können.
Graziella Jämsä


