Vom Kran herab durften sie nicht springen

  11.06.2026 Reinach

1983 fand in Reinach die erste «Wyna-Expo» statt, 2023 war es nun offiziell die letzte Gewerbeausstellung, die unter diesem Namen stattgefunden hat. Es ist nicht gelungen, eine Nachfolge zu finden. Mitbegründer Martin Heiz und der zuletzt in der Verantwortung stehende Christian Schweizer blicken in einem exklusiven Podcast zurück.

Die Entscheidung über die Nichtweiterführung einer Gewerbeausstellung unter dem Namen «Wyna-Expo» haben die beiden Eigner der Aktiengesellschaft, Christian Schweizer und Matthias Haller getroffen. Über eine längere Periode wurde nach einer Nachfolgeregelung gesucht, eine Zeit lang spekulierte man sogar, es könnte noch eine letzte Ausgabe der Ausstellung im Reinacher Moos unter ihrer Obhut geben. Doch selbst für diesen Fall, haben sich Schweizer und Haller immer klar ausgedrückt: Ohne personelle Unterstützung im organisatorischen Bereich, und somit einer Übergabe an eine neue Führung, komme ein Engagement nicht infrage.

«Wir werden die Aktiengesellschaft auflösen», teilte Christian Schweizer dem Wynentaler Blatt mit. Das bedeutet: Die Geschichte der Wyna-Expo endet nach exakt 15 840 Tagen seit der Ersteintragung im Handelsregister. Ein emotionaler Moment auch für Gründervater Martin Heiz, der vergangene Woche in einer ersten Reaktion Verständnis für den Entscheid zeigte: «Ich hatte immer wieder Kontakt mit Christian und es zeichnete sich ab, dass es schwierig wird, einen Nachfolger zu finden.»

Ab den Anfängen der Expo in den 1980er-Jahren, waren Martin Heiz und Bruno Geiger die prägenden Figuren der Ausstellung, Schweizer und Haller waren ab 2009 mit einem immer wieder veränderten Team in der Verantwortung und führten in 15 Jahren fünf Veranstaltungen durch. «Es gab vorher schon Gewerbeausstellungen, aber natürlich nicht in diesem Ausmass», erinnert sich Martin Heiz. «Nennenswert ist das Jahr 1945, als es nach dem Zweiten Weltkrieg eine regionale Gewerbeschau gab. Der Zufall ist, dass mein Vater Präsident der Veranstaltung war.» Ab 1983 übernahm der junge Martin Heiz das Zepter und die Neuauflage erwies sich von Anfang an als Erfolg.

Aller Anfang war leicht

In die Karten gespielt hat den Organisatoren, dass Tennishalle und Eishalle Anfang der Achtziger soeben fertiggestellt worden waren. Allerdings taten sich die damaligen Gewerbevereine schwer, die Organisation durchzuführen. Also beschafften sich Heiz und Geiger Kapital, gründeten eine Aktiengesellschaft und brachten auf Anhieb 150 Aussteller zusammen. «Ich bin zum Hediger Hans ins Büro der Grundbesitzerin Erowa an der Winkelstrasse gegangen, und wir haben entschieden, es auf privater Basis durchzuziehen.» Über 16’000 Besucherinnen und Besucher bezahlten damals noch Eintritt, um die grosse Ausstellung zu sehen.

Bereits bei der zweiten Ausgabe 1989 war der Platz für die Ausstellung zu knapp, weshalb Teile der Ausstellung zum Möbelhaus Hunziker ausgelagert wurden und die beiden Orte mit einem Expo-Bähnli verbunden waren. «Das hat sich aber nicht rentiert und wir fokussierten uns in der Folge auf den Platz im Reinacher Moos», erinnert sich Martin Heiz. Macht man nun einen weiteren zeitlichen Sprung, und landet im Jahr 2009, begegnet man erstmals dem Duo Christian Schweizer und Matthias Haller. Insgesamt fünfmal waren die beiden verantwortlich für die Ausstellung, professionalisierten den Auftritt und zählten zuletzt weit über 30’000 Besucherinnen und Besucher.

Trotz dieses Erfolgs fiel nun aber die Entscheidung die «Wyna Expo» nicht mehr durchzuführen. Christian Schweizer sagt im Interview, man habe lange und intensiv nach einer Nachfolgeregelung gesucht. «Mit zwei wirklich guten Leuten waren wir uns in vielen Punkten einig, insbesondere auch, wie wir ‹Alten› noch mithelfen könnten. Die Idee war, dass wir in einer nächsten Ausgabe noch einmal im Lead sind und beim übernächsten Mal wir die Mitläufer sind.» Doch das Unterfangen scheiterte. Mit ein Grund sind die Anforderungen an die Sicherheit, die umfangfreiche Planung und die immer anspruchsvollere Organisation, die viel Zeit in Anspruch nimmt. «Man muss schon sehen, dass man als Organisatoren kaum Geld verdient. Man gibt viel Energie und Herzblut. Der Wert der Ausstellung zeigte sich in anderen Belangen, nämlich dem Netzwerk, den Freundschaften, die entstanden sind», schaut Christian Schweizer zurück.

Erinnerungen im 45-minütigen Wynentaler-Blatt-Podcast

Immer wieder gleiten die Gedanken der Protagonisten in die Vergangenheit. Zum Thema Sicherheit erinnert sich Schweizer an die Zeit, als er noch als Bub mit staundenden Augen durch die Ausstellung ging: «Es gab einmal ein Bungee-Jumping, von einem Kranen herab. Ich wollte unbedingt auch springen, aber ich musste meiner Mutter versprechen, dass ich es nicht machen werde. Sie bot mir das Geld an, das ein Sprung gekostet hätte, wenn ich nicht springen würde. Ich glaube es war ein Hunderter.» Klein Christian sprang nicht, und freute sich wohl über den Zustupf.

Auch Martin Heiz erinnert sich ans Bungee-Jumping. Er musste seiner Frau Anneliese versprechen, nicht zu springen. Ob Geld geflossen ist, bleibt sein Geheimnis. «Es gab aber schon damals Reporter vom Wynentaler Blatt, welche die ganze Sache begleitet und fotografiert haben. Hannes Hofstetter kam und sagte, er wolle der Erste sein, der runterspringt. Er stand und stand und stand, aber er hat sich nicht bewegt. Und dann ist er schön langsam wieder die Leiter heruntergekommen.» Auch einen See habe man einmal installiert, wobei dieser schnell Wasser verlor, «aber wir haben das Leck nicht gefunden. Wir entnahmen immer wieder Wasser vom Hydranten, bis die Frage aufkam, ob nicht irgendwann die Löschreserven weg wären.»

So weit kam es nicht und zum Glück brannte es auch nicht während der Expo. Ganz im Gegenteil, seien sie beide als Organisatoren, während der ganzen 43 Jahren von tragischen Zwischenfällen verschont geblieben. Das eingestürzte Zeltdach, das dem Schneefall nicht standhielt, ereignete sich zum Glück während dem Aufbau», erinnert sich Schweizer. «Sonst ist aber nie etwas passiert und das hat auch mit den tollen Teams zu tun. Wir haben es ja gern lustig, aber wir haben immer konzentriert gearbeitet während der Expo.»

Ob Martin Heiz und Christian Schweizer bei künftigen Gewerbeausstellungen, mithelfen, lassen sie offen. Beratend können sie sich das gut vorstellen, unter einer Bedingung: «Die Sache muss regional bleiben, sonst sind wir raus», sagen beide. Sowohl Heiz wie auch Schweizer wissen viel mehr zu erzählen und sie tun es auch. Auf dem Youtube-Kanal des Wynentaler Blatts finden Sie einen 45 Minuten langen Podcast. Via QR-Code gelangen Sie direkt dorthin.

Remo Conoci


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