Was vom Spital Menziken übrig bleibt
02.07.2026 MenzikenMit der angekündigten Schliessung des Akutspitals verliert Menziken seinen stationären Spitalbetrieb. Ganz verschwinden wird das Gesundheitsangebot am Standort jedoch nicht.
«Wir reden nicht einfach von einer Schliessung des Standorts», sagte Thomas ...
Mit der angekündigten Schliessung des Akutspitals verliert Menziken seinen stationären Spitalbetrieb. Ganz verschwinden wird das Gesundheitsangebot am Standort jedoch nicht.
«Wir reden nicht einfach von einer Schliessung des Standorts», sagte Thomas Staub, Verwaltungsratspräsident der Asana Spital Menziken AG. «Wir reden von einer Neuausrichtung des Standorts, an dem wir substanzielle Teile des Leistungsangebots aufrechterhalten können.» Zwar müssten die akutstationäre Versorgung und der Operationsbetrieb eingestellt werden. Gleichzeitig blieben verschiedene medizinische Angebote in Menziken bestehen oder würden von neuen Trägern übernommen.
Roland Marti
Künftig übernimmt die Luzerner Kantonsspital-Gruppe (LUKS) den Rettungsdienst, die Hausarztpraxis und das Ambulatorium. Das ambulante Sprechstundenangebot soll zunächst angepasst und später durch weitere Fachdisziplinen ergänzt werden. Zudem ist eine ambulante Notfallversorgung im Tagesbetrieb in Form einer Walk-in-Praxis vorgesehen.
17’000 ambulante Patientenkontakte
Dass diese Angebote durchaus Gewicht haben, zeigen die bisherigen Zahlen. Das Ambulatorium des Asana Spitals verzeichnete im vergangenen Jahr gut 17’000 ambulante Patientenkontakte, der Rettungsdienst rückte rund 1600 Mal notfallmässig aus. Die LUKS-Gruppe bringt dabei viel Erfahrung mit: Über alle Standorte hinweg wurden 2025 mehr als 970’000 ambulante Patientenkontakte gezählt, allein am Standort Sursee waren es knapp 121’000. Der Rettungsdienst der LUKS leistet jährlich über 20’000 Einsätze.
Das Asana Spital hält in seiner Medienmitteilung fest, Ziel der Neuausrichtung sei es, «einen wohnortsnahen, niederschwelligen Zugang zu ambulanten Gesundheitsleistungen zu sichern, eine bedarfsgerechte Notfallversorgung zu erhalten und den Fortbestand des Rettungsdienstes zu garantieren». Über diese ambulanten Angebote bleibe der Zugang zur akutstationären Versorgung innerhalb des Netzwerks der LUKS gewährleistet.
Öffnungszeiten noch offen
Noch offen ist allerdings, wie die neuen Angebote zeitlich ausgestaltet werden. Die LUKS teilt mit, dass sich die Öffnungszeiten derzeit noch in Planung befänden. Details würden rechtzeitig vor der Übernahme per 1. November 2026 bekanntgegeben.
Keine Notfallstation in der Nacht
Für viele Patientinnen und Patienten stellt sich vor allem die Frage, wie die Notfallversorgung künftig funktioniert. Nachts wird es in Menziken keine Notfallstation mehr geben. Bei lebensbedrohlichen Situationen wie beispielsweise einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder bei schweren Unfällen bleibt weiterhin die Notrufnummer 144 die richtige Anlaufstelle. Die Rettungsleitstelle entscheidet, welches Rettungsmittel am schnellsten verfügbar ist und in welches Spital die Patientin oder der Patient gebracht wird. Mit dem LUKS Sursee steht in der Region rund um die Uhr eine Notfallstation mit Operationsbetrieb und Intensivstation zur Verfügung. Für weniger dringende Beschwerden soll während der Öffnungszeiten die Walk-in-Praxis in Menziken erste Anlaufstelle sein.
Langzeitpflege an zwei Standorten
Ein wichtiger Pfeiler am Standort bleibt zudem die Langzeitpflege. Während die Falkenstein Asana AG auf dem gut einen Kilometer entfernten Areal bereits heute 90 Pflegeplätze betreibt, werden auch die 56 Langzeitpflegeplätze im dritten Stock des bisherigen Spitals weitergeführt. Sie gehen künftig ebenfalls an die Falkenstein Asana AG über.
Dieser Bereich ist angesichts der demografischen Entwicklung von besonderer Bedeutung. Die 56 Pflegeplätze bleiben eins zu eins bestehen – mit den Bewohnenden und den Mitarbeitenden. Gerade mit Blick auf die alternde Bevölkerung ist dieses Angebot für die Region eminent wichtig.
Erhalt der bestehenden Teams
Mit der Übernahme durch die LUKS sollen die bestehenden Teams möglichst erhalten bleiben. Die Spitalgruppe strebt an, sämtliche Mitarbeitenden der Hausarztpraxis, des Rettungsdienstes und des Ambulatoriums in ihren heutigen Funktionen weiterzubeschäftigen. Gleichzeitig würden innerhalb der LUKS-Gruppe Lösungen für Mitarbeitende gesucht, deren bisherige Stellen wegfallen. Bei einem späteren Ausbau des ambulanten Angebots könnten zudem zusätzliche Fachpersonen aus dem LUKS-Netzwerk nach Menziken kommen.
Geeignete Anschlusslösungen fürs Personal
Insgesamt kann damit mehr als der Hälfte der heutigen Belegschaft eine Perspektive angeboten werden. Von den derzeit 303 Mitarbeitenden erhielten 149 die Kündigung. Darunter befinden sich auch 20 Lernende und Studierende, für die jedoch gemäss Angaben der Asana Menziken AG eine nahtlose Fortsetzung ihrer Ausbildung an einem anderen Standort organisiert werden konnte. Mitarbeitende in den weitergeführten Bereichen wechseln zu den neuen Trägerschaften.
Die Verantwortlichen sehen die Neuausrichtung auch als Reaktion auf den Wandel im Gesundheitswesen. «Unser Entscheid trägt dem allgemeinen Strukturwandel in der Gesundheitsversorgung Rechnung: Es gibt einen klaren Trend zur ambulanten Versorgung», wird Thomas Staub in der Medienmitteilung zitiert. Mit der LUKS habe man einen starken Partner gefunden, der den Zugang zur gesamten Palette der akutstationären Versorgung innerhalb eines etablierten Netzwerks sicherstelle.
Zukünftiger Angebotsausbau möglich
Nach Angaben des Spitals soll das medizinische Angebot in Menziken in den kommenden Jahren sogar wieder erweitert werden. Gemeinsam mit weiteren Partnern werde geprüft, welche zusätzlichen ambulanten Fachangebote sich am Standort ansiedeln lassen. Entsprechende Gespräche laufen bereits.
Fest steht jedoch auch: Was Menziken verliert, lässt sich damit nicht ersetzen. Mit der Schliessung des Akutspitals verschwinden die stationären Betten, der Operationsbetrieb und die medizinische Versorgung rund um die Uhr aus dem Wynental. Übrig bleibt ein deutlich kleineres Gesundheitszentrum mit Schwerpunkt auf ambulanter Medizin, Rettungsdienst und Langzeitpflege – verbunden mit der Hoffnung der Verantwortlichen, dass dieses Versorgungsmodell den Bedürfnissen der Region langfristig besser entspricht als der wirtschaftlich nicht mehr tragbare Akutspitalbetrieb.
Meilensteine des Spitals
1902/03 Start mit 244 Patienten, 8618 Pflegetagen, 82 Operationen.
1911 Einrichtung eines Geburtenzimmers, 8 Geburten. Einführung von Gas zum Kochen und als Reserve bei Ausfall des elektrischen Lichts.
1921 Bau und Eröffnung des Absonderungs- und Tuberkulose-Pavillons am 15.10.1921. Es sind nun 60–64 Krankenbetten verfügbar.
1931 Eröffnung des renovierten und erweiterten Krankenasyls. Die 91 Krankenbetten verteilen sich auf 33 Zimmer, das grösste fasst 4–5 Betten. Das Grundstück des Krankenasyls kann um 14,27 Aren zum Preis von 6342 Franken erweitert werden.
1941 Umstellung der Warmwasserheizung auf Elektrizität. Eröffnung des Altersheims Falkenstein.
1952 Anschaffung eines neuzeitlichen Narkoseapparats und eines Verbrennungsofens für Operations- und Gebrauchsabfälle.
1962 Einführung der 5-Tage-Woche. Einbau eines 50’000-l-Öltanks.
1970 Rückgang der Geburten, Pillenknick. Zentralanlage für Sauerstoff-Druckluft-Vakuum. Intensivpflegestation.
1980 Sanierung des Notfalleinganges. Anschluss der Krankenabteilung an Medizinalgas. Erweiterung der Tiefkühlanlage. Akuter Personalmangel infolge der verschärften Ausländerbestimmungen.
1992 Spitalumzug aller Patienten in den Neubau mit Hilfe der Zivilschutzorganisationen Beinwil am See/Birrwil und Menziken/Burg. Beginn der Bauarbeiten der Altbaurenovation sowie der Annexbauten für die Operationsabteilung und die Verwaltung.
2002 Gründung der Asana Gruppe AG, Betriebsgesellschaft der Spitäler Menziken und Leuggern zur vertieften Kooperation und längerfristigen, kostengünstigen Erfüllung des Leistungsauftrags.
2019 Gründung der Asana Spital Menziken AG, mit Sitz in Menziken.
2026 Neuausrichtung mit Einstellung der akutstationären Versorgung und des Operationsbetriebs.
(Quelle: spitalmenziken.ch)



