«Was will ich eigentlich werden…?
09.07.2026 ReinachWitzige, liebevolle Reden, Choreographien, Boygroups, Sketche der Moderatoren und das langerwartete Zeugnis – es war das «Adieu» vor dem grossen Neubeginn.
«Es ist ein emotionaler Moment», sagte eine Mutter, «es wird einem bewusst, dass das ...
Witzige, liebevolle Reden, Choreographien, Boygroups, Sketche der Moderatoren und das langerwartete Zeugnis – es war das «Adieu» vor dem grossen Neubeginn.
«Es ist ein emotionaler Moment», sagte eine Mutter, «es wird einem bewusst, dass das Kind erwachsen wird, dass die Zeit des Loslassens beginnt.» «Es ist der Schritt in die Selbstbestimmung für die Jugendlichen», fügte der Vater hinzu. Die beiden schwiegen. Doch das Saalgeschehen liess nicht zu viel Melancholie aufkommen. Auf der Leinwand hinter der Bühne wurden Fotos projeziert, die Musik wurde lauter bevor die Bezirksschülerinnen und -schüler durch den Mittelgang ihre Plätze einnahmen.
Graziella Jämsä
Drei von ihnen hatten direkt die Bühne betreten. In Anzug und herrlichen Abenkleidern boten sie in ihrer Moderation ein beeindruckendes Bild. Das galt ebenso für die einzelnen Darbietungen der Show. Pierre Zesiger, Präsident des Kreisschulvorstandes, griff in seiner Rede das Motto des Nachmittags auf: «Where’d all the time go – Wo ist all die Zeit geblieben?» «Gefühlt war doch gerade der erste Tag an der Bez. Neue Klasse, neue Lehrpersonen, neue Fächer – und die Erkenntnis, dass die Bez tatsächlich genau so streng ist, wie die älteren Geschwister und Cousins immer behauptet haben.»
«Die Zeit ist nicht verschwunden»
Gefolgt seien Prüfungen, Vorträge und Gruppenaktivitäten. «Irgendwann stand die Frage «Was will ich einmal werden…?» im Raum.» Die Antwort darauf müsse jeder und jede selbst finden. Aber vielleicht sei das Schöne an diesem Tag zu spüren, dass die Zeit gar nicht verschwunden sei. «Sie steckt in Erinnerungen, in Freundschaften, in Klassenlagern, Schulreisen, Ski- und Sporttagen, gemeinsamen Erfolgen, in den Momenten, die man später als die guten alten Zeiten erkennt.» Applaus ertönte und blieb das Stichwort der Feier.
Eltern, Grosseltern sowie Geschwister klatschten, als ihre Lieben das Zeugnis erhielten. Das Lied «Where’d all the time go» erfüllte den Saalbau. Aber die Melancholie blieb aussen vor, man feierte gemeinsam. Ein junger Erwachsener war sich auf jeden Fall sicher: «Ich werde mich auch in zehn oder zwanzig Jahren an heute erinnern.»
Kleinklassen, Real und Sek
Knapp zwei Stunden später füllte sich der Saalbau erneut mit feierlich gekleideten Jugendlichen und ihren Familien. «Ich finde das schön», erklärte ein Helfer. «Ich weiss, dass manche es für übertrieben halten. Aber ich finde, sie sollen diesen Schritt in die Eigenverantwortung richtig zelebrieren dürfen.» Als hätten sie ihn gehört, eroberten die ersten drei Burschen die Bühne. Doch statt der Mahnung zur lautlosen Handynutzung boten die drei Moderatoren einen Sketch dar. Während einer gerade den ersten Programmpunkt ankündigen wollte, dröhnte ein Klingelton aus der Hosentasche. «Hey Mann, das isch jetzt aber ned din Ernscht?» Entsetzt griff der andere nach seinem Handy. «Oh Gott, ich ha gmeint, ich hegs abgstellt.» Ein prüfender Blick, «so jetzt tönt nüt meh. Aber wo ichs scho i der Hand ha, chönnte mer es Selfie mache. Das macht ke Lärm.» Das Gelächter im Saal zeigte, das Publikum hatte verstanden.
Auch in der Rede von Barbara Grossenbacher spielten Handys eine Rolle. Sie waren Teil des «Abschiedspakets», das die Standortleiterin des Central für die Jugendlichen gepackt hatte. «Ein Smartphone kann euch helfen oder euch stundenlang ablenken. Entscheidend ist nicht das Gerät, sondern wie ihr damit umgeht und ob ihr bereit seid, es auch mal zur Seite zu legen.»
Der Spiegel war das Symbol für die Konfrontation mit sich selbst. «Wenn ihr die Person im Spiegel anschauen könnt und denkt: «Ja, so möchte ich sein, mit allen Ecken und Kanten», dann habt ihr vieles richtig gemacht.» Dritter im Bunde war der Schlüssel. Welche Türe man damit öffne, sei die persönliche Entscheidung, für die man mit allen Chancen und Risiken Verantwortung übernehmen müsse. «In euch steckt viel mehr, als man von aussen sieht. Ihr habt ausprobiert, hinterfragt und Verantwortung übernommen. Und genau das braucht es später im Leben: nicht perfekte Antworten, sondern den Mut, Dinge anzugehen. Ich wünsche euch viel Erfolg.»








