«Weiss das Wasser, wo es durchfliessen muss?»
28.05.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, SchöftlandSeit Jahrzehnten beschäftigt der Surtelbach die Gemeinde Schöftland. Nun soll das Revitalisierungsprojekt einen weiteren Anlauf nehmen. An einer Informationsveranstaltung orientierten Vertreter der Gemeinde, des Kantons und der beteiligten Fachstellen über das ...
Seit Jahrzehnten beschäftigt der Surtelbach die Gemeinde Schöftland. Nun soll das Revitalisierungsprojekt einen weiteren Anlauf nehmen. An einer Informationsveranstaltung orientierten Vertreter der Gemeinde, des Kantons und der beteiligten Fachstellen über das überarbeitete Projekt, dessen Verpflichtungskredit am 19. Juni der Gemeindeversammlung vorgelegt werden soll.
Der Hintergrund des Projekts reicht weit zurück. Der Surtelbach, der auf Schöftler Seite parallel zum untersten Teil der Böhlerstrasse verläuft, wurde ab 1906 in mehreren Etappen eingedolt und damit unterirdisch verlegt, blickte Gemeindeammann Thomas Buchschacher auf die lange Geschichte dieses Geschäfts zurück. Heute befinden sich die mehr als 90 Jahre alten Leitungen in einem schlechten Zustand, wie Aufnahmen des Kanalfernsehens gezeigt hatten. Die brüchigen oder gar komplett eingebrochenen Rohre verursachen zunehmend Unterhaltskosten und gelten gleichzeitig als Problem für den Hochwasserschutz. Zudem verpflichtet die kantonale Planung die Gemeinden zusammen mit den bundesrechtlichen Vorgaben zur Revitalisierung von Fliessgewässern. Ziel solcher Projekte sind ökologische Aufwertungen, die Verbesserung der Biodiversität sowie Massnahmen gegen Hochwasser.
Mehrere Varianten geprüft
Die Geschichte des Projekts ist lang. Bereits 1998 hätte die Gemeinde die Bachöffnung im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben umsetzen müssen. Mit der Zusage, dies bis 2010 zu erledigen, wurde damals darauf verzichtet. In den folgenden Jahren wurden verschiedene Varianten geprüft. Während Fachkommissionen eine bergseitige Linienführung bevorzugten, sprach sich der Kanton aus Kostengründen eher für eine talseitige Variante aus.
2007 stimmte der Gemeinderat der Renaturierung grundsätzlich zu.
Danach wurden eine Orientierungsversammlung mit betroffenen Landeigentümern durchgeführt und eine Kreditvorlage vorbereitet. Aufgrund von Sparmassnahmen des Bundes wurde das Vorhaben jedoch gestoppt.
2012 nahm die Gemeinde das Projekt wieder auf. Es folgten weitere Planungen, Vorprüfungen und Informationsveranstaltungen. 2019 wurde das Projekt öffentlich aufgelegt. Insgesamt gingen zehn Einwendungen ein, sechs davon wurden später zurückgezogen. An der Gemeindeversammlung vom 28. November 2022 lehnte die Bevölkerung den Verpflichtungskredit von 6,82 Millionen Franken jedoch ab. Seit 2023 wird das Projekt deshalb erneut überarbeitet. Dazu wurde laut den Verantwortlichen eine Arbeitsgruppe mit den Einwendern gebildet. Verschiedene Anpassungen und Wünsche seien in die neue Vorlage eingeflossen.
Gesamtkosten 7,54 Millionen
Das nun vorgestellte Projekt umfasst eine Länge von 1,62 Kilometern. Neben der eigentlichen Revitalisierung des Bachs beinhaltet es auch Arbeiten an Wasser-, Abwasser- und Elektroleitungen. Ziel ist gemäss Nils Buchser vom Ingenieurbüro EAG eine ökologische Aufwertung der Gewässerstruktur, ein verbesserter Hochwasserschutz sowie der Anschluss an die Hochzone der Wasserversorgung, so dass auch in diesem Gebiet Hydranten über den für Einsätze nötigen Wasserdruck verfügen. Gleichzeitig sollen die Wasserqualität verbessert, elektrische Hausanschlüsse entflechtet und Netzverbesserungen für Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastrukturen ermöglicht werden.
Für die Geländeanpassung im Gebiet Surtel sind rund 60’000 Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial vorgesehen. Gleichzeitig wird mit einem Verlust von 0,8 Hektaren Fruchtfolgefläche gerechnet. Dem gegenüber steht laut Präsentation jedoch ein Gewinn von 1,7 Hektaren neuer Fruchtfolgefläche erster Qualität. Für deren Bewirtschaftung sind mehrere Bachübergänge vorgesehen.
Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 7,54 Millionen Franken veranschlagt. Ein Betrag, welchen die Gemeinde Schöftland vorleisten muss. Davon entfallen rund 3,83 Millionen Franken direkt auf das Revitalisierungsprojekt. Weitere Kosten entstehen durch die Umlegung von Wasser-, Abwasser- und Elektroleitungen sowie weiterer Infrastruktur. Gemäss Kostenvoranschlag gelten knapp fünf Millionen Franken als subventionsberechtigt. Davon sollen rund 60 Prozent durch den Bund übernommen werden. Die verbleibenden Kosten werden zwischen Kanton und Gemeinde aufgeteilt.
Letzter Anlauf der Gemeinde
Als Vorteile des Projekts wurden insbesondere der verbesserte Wasserabfluss, der Hochwasserschutz, eine stabilere Wasserversorgung und bessere Bewirtschaftungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft hervorgehoben. Als Nachteile wurden vor allem die Landreduktion sowie die hohen Vorleistungen der Gemeinde erwähnt. Gemeindeammann Buchschacher machte klar, dass dies der letzte Anlauf ist, der seitens der Gemeinde in dieser Sache unternehmen werde. Sollte die Gemeindeversammlung am 18. Juni den Verpflichtungskredit bachab schicken, will sich Schöftland nicht mehr weiter in dieser Angelegenheit engagieren. Die Folge wären eine weiterhin ungenügende Wasserversorgung, punktuelle Instandhaltung und die Aussicht, dass Anstösser bei zukünftigen Bauprojekten in diesem Gebiet selber für einen adäquaten Hochwasserschutz und zeitgemässe Versorgungsleitungen aufkommen müssten.
An der Informationsveranstaltung wurde auch der vorgesehene Fahrplan vorgestellt. Nach der erhofften Genehmigung des Verpflichtungskredits durch die Gemeindeversammlung am 19. Juni erwartet man die Zustimmung der kantonalen Fachstellen noch im Herbst dieses Jahres, die öffentliche Auflage sowie 2028 das Landerwerbsverfahren. Die eigentliche Projektgenehmigung wird derzeit ungefähr für das Jahr 2027 erwartet.
Lebhafte Fragerunde
Am Ende der Infoveranstaltung von vergangener Woche hatten die rund 35 Teilnehmenden Gelegenheit, den anwesenden Experten Fragen zu stellen. Nachdem Nils Buchser zuvor anschaulich erklärt hatte, wie das vorgesehene Projekt auch dem Hochwasserschutz diene, kam die Frage aus dem Publikum, ob denn das Wasser wisse, wo es durchfliessen müsse. Die auf den ersten Blick merkwürdig wirkende Frage machte klar, dass einige Anwohner im Gebiet Surtal nach heftigen Regengüssen schon die eine oder andere unliebsame Überraschung mit Hochwasser erlebt haben.
Roland Marti

