«Wenn Jugendliche erleben, dass ihre Stimme zählt…»
05.11.2026 Blickpunkt, MeisterschwandenFünf Einwohnergemeindeversammlungen und ein Antrag, der sich auf allen Traktandenlisten findet. Seengen, Meisterschwanden, Fahrwangen, Bettwil und Sarmenstorf stimmen über die Zukunft der Jugendarbeit ab.
Das Konzept ist vielseitig. Es umfasst den Betrieb eines ...
Fünf Einwohnergemeindeversammlungen und ein Antrag, der sich auf allen Traktandenlisten findet. Seengen, Meisterschwanden, Fahrwangen, Bettwil und Sarmenstorf stimmen über die Zukunft der Jugendarbeit ab.
Das Konzept ist vielseitig. Es umfasst den Betrieb eines Jugendtreffs. In den Sommermonaten wird dieser durch einen Container ergänzt, der jeweils wechselweise für einen definierten Zeitraum in einer der fünf Gemeinden steht. Es ist eine aufsuchende Jugendarbeit geplant sowie verschiedene Angebote sollen in jeweils einer Gemeinde verortet werden. Gestartet werden soll im Frühsommer 2027.
Im Vergleich zum Pilotprojekt, das Ende Juni eingestellt worden ist, gibt es statt zwei nur noch einen Jugendtreff. Auf die Frage einer Zuhörerin, warum dieser in Seengen sein solle, antwortete Esther Riedo, Leiterin Soziale Dienste Meisterschwanden und Mitglied der Jugendkommission: «Es ging uns darum, vorhandene Strukturen zu nutzen. Die Lokalität in Seengen war schon vor dem Pilotprojekt aktuell. Und sie ist über den öffentlichen Verkehr auch von anderen Gemeinden aus gut zu erreichen.» Ettlin German, Gemeinderat Meisterschwanden, fügte hinzu: «Wir haben im Rahmen des Pilotprojektes auch eine Umfrage bei den Jugendlichen gemacht, von wo her sie welchen Treff bevorzugen. Das Ergebnis hat gezeigt, dass die Wohngemeinde nicht als Referenz für die Nutzung herangezogen werden kann.»
Warum Jugendarbeit?
Das veränderte Konzept und die Reduktion der Stellenprozente ergeben aber auch, dass die Koordination und Vernetzung unter den Vereinen nicht mehr möglich ist. Ebenso fallen Aktivitäten während der Schulferien weg. Insgesamt werden aber die Kosten um rund ein Drittel auf 219’600 Franken gesenkt. Der Verteilschlüssel richtet sich zum einen nach der Einwohnerzahl, zum anderen nach der Anzahl Jugendlicher im Zielgruppenalter vor Ort.
Aber warum überhaupt Jugendarbeit? Lorenz Schmidlin ist Soziokultureller Animator und Co-Geschäftsführer des Vereins für Jugend und Freizeit (vjf), der auch in Zukunft für die Jugendarbeit Oberes Seetal zuständig sein soll. Er formulierte es so: «Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft. Weil gute Bedingungen beim Aufwachsen in einer Gemeinde dafür sorgen, dass aus Kindern und Jugendlichen später gesunde Erwachsene werden.» Die Mitarbeitenden des vjf seien einfach erreichbare, neutrale Ansprech- und Bezugspersonen. «Ich denke, wir erinnern uns alle gut genug ans Verliebtsein als Teenager. Da gibt es sehr vieles, das man sicher nicht mit seinen Eltern besprechen will.»
Investition
Mit den persönlichen Voten (siehe auch die beiden nebenstehenden Interviews) füllten die Räte der beteiligten Gemeinden die Fakten mit Leben. Für Claudia Gauch, Vizeammann Bettwil, ist klar, dass Jugendliche eigene Räume brauchen, um sich untereinander auszutauschen und frei zu entfalten. «Gleichzeitig bleibt eine Gemeinde, die ihre Jugend ernst nimmt, auch attraktiv für junge Familien und sichert damit die eigene Zukunft.» Ein Aspekt den auch Mario Stirnimann, Gemeinderat Fahrwangen, aufgriff und unter «Verankerung in der Region» zusammenfasste. Magnus Döbeli, Vizeammann Sarmenstorf, forderte die knapp vierzig Zuhörenden auf: «Das Gefühl der Jugendlichen ist das, was zählt. Es liegt an uns, sie zu begleiten und nicht zu bevormunden. Denn wenn Jugendliche erleben, dass ihre Stimme zählt, dann haben wir künftige Erwachsene, die Verantwortung übernehmen und zupacken.»
Fragen gab es an diesem Abend nicht viele. «Handelt es sich um einen oder mehrere Container? Und ist so einer überhaupt gross genug?», wollte eine Mutter wissen. «Es ist ein Container gedacht, der dann nach einem Zeitplan in verschiedenen Gemeinden aufgestellt wird.» Der Platz im Container reiche, auch weil er im Sommer häufiger als Sammelpunkt oder Materialhort für Spiele diene. Zeitlich begrenzt sei die Jugendarbeit 2.0 nicht. «Das ist das Gute daran», erklärte German Ettlin. «Wir haben die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt und können sie jetzt anpassen.»
Erschreckend fanden manche die Tatsache, dass schon das «Nein» an einer Gemeindeversammlung die gemeinsame Jugendarbeit vereiteln könnte. Ein älterer Herr meinte dazu: «Ich hoffe, dass meine Altersgenossen es schaffen, der Zukunft Raum zu geben. Ich habe Enkel, ich sehe, dass es heute anderes braucht, als früher.» Die anwesenden Gemeinderäte sowie die Mitglieder der Jugendkommission bedankten sich für das engagierte Votum. Ihr gemeinsames Anliegen war klar: «Bitte informieren Sie andere Eltern, Grosseltern oder junge Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über das Projekt. Machen Sie ihnen die Wichtigkeit klar und bitten Sie um Unterstützung an der Gemeindeversammlung. Es würde uns wirklich leid tun, wenn wir die gemeinsame Jugendarbeit begraben müssten.»
Graziella Jämsä

